Hausaufgaben waren und sind unter Schülern nicht sonderlich beliebt, waren und sind aber auch heute in der Regel immer noch fester Bestandteil eines effizienten Lehrprogramms, das den Jugendlichen selbst, neben der Pflege des fachlichen Wissens einen Teil Selbstverantwortung für ihre Bildungsentwicklung überträgt. Der psychologische Moment ist unverkennbar, und so mag es denn auch nicht wundern, dass im modernen Sprachgebrauch der Begriff der Hausaufgaben auf andere Bereiche ausgedehnt wurde. Wie das in der Schule vermittelte Wissen durch die Bewältigung zusätzlicher Aufgaben im heimischen Umfeld gefestigt und ergänzt werden sollte, so werden im wirtschaftlichen Leben genau wie in der kleinen und großen Politik über gemeinsam beschlossene Vereinbarungen hinweg den einzelnen Partnern zusätzliche Verpflichtungen aufgebürdet, denen diese in ihrem direkten Zuständigkeitsbereich nachkommen müssen.
Hausaufgaben, also Verpflichtung zur Lösungen von spezifisch nationalen Problemen, hat es im Zusammenhang der Euro-Finanzkrise eine ganze Menge gegeben, und kaum einer der beteiligten Staaten war davon ausgenommen. Am stärksten gefordert bei der Bewältigung von Hausaufgaben zur eigenen Besserstellung waren, neben Griechenland, von Beginn an Irland, Portugal und Spanien, die zwar nicht ohne Mühe und besonders gegen manchen Protest von Sozial- und Berufsverbänden die an sie gestellten Arbeiten und Anstrengungen erledigen mussten. Die in der Zwischenzeit erzielten Ergebnisse zeigen, dass der Weg nicht unbedingt falsch war und diese Staaten mittlerweile wieder einigermaßen autonom funktionieren können, wozu auch der Zugang zu den üblichen Finanzierungsquellen gehört.
Nicht so ist es im Fall Griechenland: Hier kann nachweislich von Beginn an jeder ernsthafte Wille zur Selbsthilfe in Zweifel gestellt werden, weil nicht einmal ansatzweise der Versuch unternommen wurde, dem Staat das ihm von vornherein geschuldete Geld von privaten und unternehmerischen Steuerschuldnern tatsächlich auch zuzuführen. Man mag einwenden, dass damit allein das riesige Schuldenloch wohl nicht hätte gefüllt werden können, aber es hätte zumindest gezeigt, dass man neue Chancen zu nutzen bereit war und die von den Europartnern zugestandenen Solidaritätsanstrengungen mit angemessenem Respekt zu würdigen verstand.
Man kann und sollte in diesem Zusammenhang auch bedauern, dass die den griechischen Behörden erteilten Auflagen nicht unbedingt dazu angetan waren, bestehende Unregelmäßigkeiten zu beseitigen und den langen Weg der Genesung auf eine sozialverträglichere Weise zu gehen. Allen - nicht unberechtigten - Unkenrufen gegen die Troika zum Trotz bleibt am Ende aber nur die Feststellung, dass sich jeder zunächst selbst verpflichtet ist und die griechischen Freunde statt Beschimpfungen und Drohungen endlich ihr Schicksal auch in die eigenen Hände nehmen sollten. Erst dann sollen sie mit Erfolg versprechender weiterer Hilfe rechnen können und dürfen.


