LUXEMBURG
GERHARD KLUTH

Arsys Bourgogne und die Akademie für Alte Musik in der Philharmonie

Wie viele beeindruckende und schöne Werke hat uns Joseph Haydn doch hinterlassen. Kammermusik, großartige Sinfonien, Messen, in allen Genres war der Meister bewandert und seine Kompositionen genossen hohes Ansehen. Und doch meinte er am Ende des 18. Jahrhunderts der Meinung, er müsse noch etwas erschaffen, was vor der Welt Bestand haben wird. Eigentlich unfassbar - und doch müssen wir dankbar für diese Meinung sein. Sonst wäre wohl das Oratorium „Die Schöpfung“ nicht entstanden.

Zwei Stunden Zeit, um die Welt zu erschaffen

In der Philharmonie stand dieses Meisterwerk jetzt am vergangenen Montagabend auf dem Programm, ausgeführt von Arsys Bourgogne und der Akademie für Alte Musik (Akamus) Berlin. Die Leitung hatte Pierre Cao. Knapp zwei Stunden dauerte die Beschreibung der Erschaffung der Welt, vom Chaos angefangen bis zum, in einträchtiger Harmonie lebenden Menschenpaar Adam und Eva. Aus heutiger Sicht sind so manche Aussagen des Librettos in Bezug Adam und Eva, geschaffen von Baron Gottfried van Swieten, sehr zweifelhaft. Etwa die bedingungslose Unterwerfung Evas und ihren Gatten, die so mancher Frau sicherlich und zu recht die Zornesröte ins Gesicht treiben würde.

Akamus ist ein Ensemble, das nicht selten ohne Dirigenten, geleitet vom Konzertmeister, in Erscheinung tritt. Dies sorgte am Anfang des Abends für einige Stolperer, denn ein Teil des Orchesters achtete auf Georg Kallweit, einige aber auf Cao. Trotzdem waren der Orchesterklang und auch das Erscheinungsbildes des Chores sehr beeindruckend. Beide Klangkörper agierten sehr schlank und sehr beweglich. Keinerlei zähe romantische Attitüden färbten die Musik. Fast schon nüchtern kamen die Chöre daher und ließen Haydns Tonsprache ohne Maskierung freien Lauf. Dasselbe galt für den Orchesterklang, der mit seinem historischen Instrumentarium ein ganz eigenes Gewand erlangte.

Die Sonne am blauen Himmel

Sehr erfreulich wäre es gewesen, hätte das Solistentrio dieselbe Homogenität aufweisen können wie Chor und Orchester. Dem war aber leider nicht so. Glänzend präsentierte sich die Sopranistin Dorothee Mields, die in Luxemburg keine Unbekannte mehr ist.

Mit großer Natürlichkeit meisterte sie ihre Aufgabe als Erzengel Gabriel und als Eva und strahlte in den Höhen wie eine Sonne am blauen Himmel. Anders war es bei Tenor Daniel Behle, der die Rolle des Erzengel Uriel übernommen hatte. Zweifellos verfügte auch er über eine glänzende Stimme, aber man hätte ihm ein wenig der Lockerheit seiner Kollegin gewünscht. So kam manches etwas steif über die Rampe.

Eine Fehlbesetzung war Roman Trekel als Erzengel Raphael und später als Adam. Von seiner Erscheinung her hätte er eher den Mephisto geben können und seine Stimme passte zu seiner Vita, in denen von großen romantischen Opern wie dem Tannhäuser die Rede war. Er passte so gar nicht in die Intention der Aufführung. Sein „leichter, flockiger Schnee“ in der zweiten Szene glich eher einem pappigen Schneeregen. Trotzdem war es ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird.