LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Personalmangel im Gesundheitsbereich großes Thema beim „Gesondheetsdësch“

Am 14. Februar startete der „Gesondheetsdësch“ offiziell mit einer Pressekonferenz der beiden Minister Paulette Lenert (Gesundheit) und Romain Schneider (Sozialversicherung) sowie den Gesundheitspartnern AMMD, FHL und Gewerkschaftsvertretern. Kurze Zeit später wurde der Kampf gegen Covid-19 zur obersten Gesundheitspriorität und das Gesundheitswesen gründlich umgebaut, um die Epidemie in den Griff zu bekommen. Die Ziele des Gesundheitstischs, nämlich für ein besseres Zusammenspiel zwischen den Kliniken und den Gesundheitsdiensten außerhalb zu sorgen, für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Dienstleistern und  Patienten, eine Stärkung der Prävention, der verstärkte Zugriff auf die neuen Gesundheitstechnologien und die langfristige Finanzierung des Systems, traten in den Hintergrund. Die Agenda der sechs Arbeitsgruppen musste neu fixiert werden. Gestern fand eine Sitzung der Arbeitsgruppe 3 statt, bei der Strategien gegen Personalengpässe im medizinischen Bereich im Vordergrund standen.

Zweiter „Kickoff“

Die zuständigen Minister sprachen  von einem „zweiten Kickoff“ des Gesundheitstisches, um den gestern neben den Vertretern der Ärzteschaft, der Pflegervereinigung, der Klinik- und Pflegeinrichtungen, der Gesundheitskasse auch solche der Ministerien für Bildung und Familie, der Patientenvertretung, der Uni, der Lehrervereinigung des „Lycée Technique des Professions de Santé“ und der Vereinigung der Medizinstudenten saßen.

Vor knapp einem Jahr hatte die Expertin Marie-Lise Lair im Auftrag des Gesundheitsministeriums eine Bestandsaufnahme der medizinischen und Gesundheitsberufe in Luxemburg angefertigt. In den Schlussfolgerungen war unter anderem zu lesen, dass von 2.088 aktiven Ärzten 2017 1.233 bis 1.437 in Rente gehen, also 59 bis 69 Prozent des Gesamteffektivs. Für Luxemburg gehe es nicht nur um den Ersatz dieser Abgänge, sondern auch um eine Aufstockung, um dem Wachstum der Patientenzahl gerecht zu werden. Der Lair-Bericht, der auch eine Reihe von Empfehlungen beinhaltet, bildet eine wichtige Grundlage für den „Gesondheetsdësch“, an dem laut den Ministern eine sehr „konstruktive Atmosphäre“ geherrscht habe, was sie auch auf die besonders enge Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen in der Covid-19-Krise zurückführten. Auf den Gesundheitstisch seien gestern etwa Fragen gekommen nach den Missionen der Gesundheitsberufler, der Stärkung der Berufsvertretungen, die Möglichkeiten für Gesundheitsprofis, sich in Gesellschaften zusammen zu tun, Wege für Quereinsteiger, die künftigen Berufsbilder in der Branche, die stark durch Digitalisierung beeinflusst wird sowie die Stärkung der Attraktivität des Sektors in Luxemburg und über die Grenzen hinaus. Zu letzterem Zweck bahnt sich schon eine Kampagne an, die aber zunächst auf das Großherzogtum beschränkt sein soll.

Schlussfolgerungen bis Jahresende

Bis Ende des Jahres sollen die Schlussfolgerungen aus den Arbeitsgruppen gezogen sein. Eine letzte von sechs Arbeitsgruppen-Sitzungen, diesmal zum Thema Finanzierung des Gesundheitssystems, ist für den 16. Dezember angesetzt Die „Groupes de Travail“ können sich aber mehrmals treffen, respektive Untergruppen bilden, um spezifische Aspekte zu vertiefen. Die Minister möchten, soweit es geht, dabei sein. Denn am Ende soll den Bemühungen eine Strategie für die Anpassung der Gesundheits- und Sozialversicherungssysteme der Zukunft entspringen, die breitestmöglich getragen wird.