Endlich konkrete und wirklich dringend notwendige Verbesserungen im Gesundheitssystem, war man gestern versucht zu sagen, als Gesundheitsministerin Lydia Mutsch eine Zwischenbilanz des Nationalen Krebsplans zog. Er war letztes Jahr im September erst vorgestellt worden, fußte allerdings da schon auf gründlichen Vorarbeiten: Auf einer Bestandsaufnahme der Krebsbehandlung in Luxemburg, die in Auftrag gegeben worden war, um die Stärken und Schwächen des Systems zu erfassen.

Dass im Staatslabor endlich massiv rekrutiert wurde und im vergangenen Jahr sechs Pathologen eingestellt wurden, war eine gute Nachricht. Ob sich seitdem die skandalös langen Wartezeiten von bis zu sechs Wochen, die Patienten ertragen mussten, bis Gewebeproben bei Verdacht auf Krebs untersucht sind, auf die fünf Tage verkürzt haben, die internationalen Richtlinien nach vorgesehen sind, war gestern nicht zu erfahren.

Aber immerhin: Seit September wurde die Nationale Krebs-Plattform aufgebaut, bekam Struktur, hat Arbeitsgruppen gebildet und ein Entscheidungssystem aufgebaut. Sie hat sich viermal getroffen und zwei Konzepte abgesegnet: Das für ein Krebsinstitut und das für eine bessere Versorgung krebskranker Kinder. Das war gestern denn auch die beste Nachricht: Dass man nun beabsichtigt, endlich etwas für die Krebsbehandlung von Kindern zu tun - eine langjährige Forderung der Betroffenen. Denn Kinder und ihre Familien trifft eine Krebserkrankung besonders hart und stellt sie organisatorisch vor schier unlösbare Probleme und Belastungsproben. Dass sich eines der ersten Konzepte des Krebsplans nun mit der Frage befasst, was man hierzulande anbieten kann, um ihnen die Situation zu erleichtern, ist sicherlich ein Grund zur Freude.

Im September hieß es noch, dass ein von einem „Comité de pilotage“ gesteuertes nationales Krebszentrum entstehen soll, das nicht an einem Ort angesiedelt ist, sondern von der Diagnose bis zur Behandlung virtuell funktionieren soll, das heißt landesweit vernetzt unter Nutzung moderner Kommunikationsmittel. Gestern stellte die Ministerin nun das mittlerweile konkretisierte Konzept eines Nationalen Krebsinstituts vor, das die Organisation der Krebsforschung, der Versorgungswege, von Kompetenzzentren und die Entwicklung von Richtlinien koordinieren soll. Viel schlauer ist man nun nicht.

Jedes Jahr zählt Luxemburg um die 3.000 neue Krebsfälle, 30 bis 40 davon sind Kinder. Es trifft jährlich eine von 175 Personen. Mittelfristig soll diese Zahl sinken, es sollen die Risikofaktoren bekämpft werden, die Überlebenschancen und die Lebensqualität Betroffener steigen, es sollen weniger Menschen an ihrem Krebs sterben sowie Chancenungleichheiten ausgemerzt werden.

Mit dem ersten Nationalen Krebsplan hat sich die Gesundheitsministerin ehrgeizige Ziele gesetzt. Absichten, Plattformen und Konzepte - das klingt alles schön und gut in der Theorie und vielleicht kann man nach acht Monaten auch wirklich noch keine Wunder erwarten. Dennoch: Für eine Zwischenbilanz etwas mager.