COLETTE MART

Eine SMS hat sich verirrt, gerät an den falschen Absender, was Sigmund Freud als einen „Lapsus“ bezeichnen würde; das Ereignis ist alltäglich und banal, und beängstigend zugleich, weil es zeigt, wie verletzlich und ausgeliefert Menschen sein können, die an den Schaltstellen der Macht sitzen.

Die SMS-Geschichte, die derzeit in der Presse Schlagzeilen macht, und einen Kontakt zwischen dem ehemaligen Familienminister Marc Spautz und einem führenden Beamten des jetzigen Cahen-Ministeriums offenbarte, regt einige grundsätzliche Gedanken zu den Beziehungen zwischen Verwaltung und Politik an, zur Notwendigkeit des Vertrauens, aber auch zu dessen Grenzen zwischen Menschen, die Macht ausüben und diese nicht verlieren wollen. Tatsache ist, dass zwischen CSV-Politikern und führenden Persönlichkeiten der Verwaltung sehr enge, auch parteipolitische Bindungen bestanden, die sicherlich angesichts des Machtwechsels im Jahr 2013 einen Schock erlitten, der bei manchen nicht wirklich überwunden wurde. Jahrzehntelange Verbundenheit ist sicher nicht einfach abzulegen.

Der Machtwechsel war demnach für einige eine schmerzliche Angelegenheit, und gerade die Heftigkeit, mit der die neuen Minister anfangs in ein schlechtes Licht gerückt wurden, zeigt, wie weh der Verlust der Macht tat und welch schlechte Verlierer so manche Politiker und Beamte waren. Genau hier liegt dann auch der Sinn des Machtwechsels in einer Demokratie. Wichtig war es, der Arroganz in Politik und Verwaltung entgegen zu wirken, was ein unheimlich schwieriges Unterfangen ist, weil nämlich die Ausübung der Macht durchaus in Arroganz umkippen kann - davor ist keine Partei gefeit.

Schauen wir uns das Thema Vertrauen zwischen Politik und Verwaltung anhand der SMS-Geschichte zwischen Cahen, Jaeger und Spautz noch einmal näher an, drängt sich die Frage auf, auf welchen Ebenen Vertrauensverlust stattfinden kann.

Die Weitervermittlung von Informationen, der Verdacht der politischen Nutzung dieser Informationen zur Schwächung des amtierenden Ministers ist in der Tat nur eine mögliche Form des Vertrauensbruchs.

Andere Formen sind, seitens der Verwaltung: Mangel an Unterstützung in politischen Initiativen, Auslegung der Prozeduren gegen die Politik, Gleichgültigkeit politischen Projekten gegenüber, respektive Boykott von Veränderungen. Seitens der Politik ist es vor allem ein Mangel an Sachkenntnis, fehlender Dialog mit der Verwaltung, nicht selten gepaart mit Überheblichkeit und schlechtem Umgang mit Menschen, der die Beziehungen zwischen beiden Entscheidungsebenen vergiften kann.

Eine gute Kenntnis der Verwaltungsprozeduren, der politischen Dossiers, Menschenkenntnis, ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitern, sowie die Fähigkeit, Menschen zu motivieren und Allianzen zu schmieden wären für einen Politiker gute Voraussetzungen, sich mit der Verwaltung zu verstehen, sich aber ebenfalls durchzusetzen- was in einer Demokratie ein absolutes „Must“ bleibt.