PARISCHRISTIAN SPIELMANN

Das Musical „Guys and Dolls“ erstmals in Paris

Das „Théâtre Marigny“ an der Kreuzung der Champs Elysées und der Avenue Marigny scheint definitiv das neue Mekka des Musicals in der französischen Hauptstadt geworden zu sein. Kein Wunder, denn der neue Direktor des wunderbar renovierten Theaters ist Jean-Luc Choplin, der frühere Chef des „Théâtre du Châtelet“, das noch bis zum Herbst umgebaut wird. Nach „Peau d’âne“ und „Marry Me a Little“ ist nun der Broadway-Klassiker „Guys and Dolls“ erstmals im Marigny zu sehen, in einer Inszenierung von Stephen Mear, der ebenfalls für die Choreografie verantwortlich ist. Die Musik und die Texte des 1950 uraufgeführten Musicals schrieb Frank Loesser, während sich Abe Burrows und Jo Swerling an den Geschichten von Damon Runyon für das Buch inspirierten. Gespielt wird in Englisch mit französischen Übertiteln.

Wo wird heute Abend gewürfelt?

Im New York der 1930er Jahre organisiert Nathan Detroit (Christopher Howell) illegale Würfelspiele, sogenannte „Crap Games“. Er ist seit 14 Jahren mit der Nachtklub-Sängerin Adelaide (Ria Jones) verlobt und drückt sich mit den unmöglichsten Argumenten vor der Hochzeit mit ihr, obwohl sie ihrer Mutter bereits geschrieben hat, dass sie geheiratet haben und Eltern von fünf Kinder sind. Nun ist er auf der Suche nach einem neuen Ort, wo gespielt werden kann, aber er braucht 1.000 Dollar als Garantie. Mit Sky Masterson (Matthew Goodgame) wettet er über diese Summe, dass dieser es nicht fertig bringen wird, mit einer fremden Frau nach La Havana zu fliegen. Dabei defiliert die Heilsarmee durch die Straßen, und Nathan zeigt wahllos auf Sarah (Clare Halse). Sky schafft es mit seinem Charme und seinem Versprechen, dass wenn sie mit ihm nach Kuba fliegt, er mindestens zwölf reuige Sünder in ihre Mission bringen wird. Auf Kuba springt der Funke zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren über.

Um den Hausfrieden nicht noch weiter zu trüben, willigt Nathan der Ehe mit Adelaide ein. Doch wartet sie in ihrem weißen Kleid vergeblich auf ihn, denn er würfelt in einem Kanalisationsschacht mit anderen Spielern. Auch Sky und Nicely-Nicely Johnson (Joel Montague) treffen dort ein. Sky gibt Nathan die 1.000 Dollar Wetteinsatz und sagt, er habe die Wette verloren. Als alle ablehnen, freiwillig mit ihm in die Mission zu gehen, würfelt Sky um ihre Teilnahme. Sarah staunt nicht schlecht, als ein gutes Dutzend Spieler in der Mission zu ihrer Sitzung auftauchen.

Über der Bühne hängen Rahmen, welche die Skyline von New York darstellen und in verschiedenen Farben leuchten. Mit einer Tanzeinlage zu „Runyonland“, einer Hommage an das Werk von Damon Runyon, beginnt die Show, und man erkennt, dass Regisseur Mear das Musical bewusst im Stil der 1950er Jahre beließ, wie auch die Choreografien. Das Lied „Fugue for Tinhorns“, welches die Spieler Nicely-Nicely, Benny (Matthew Whennell-Clark) und Charlie (Jack North) anschließend singen, beweist sofort, dass Loessers Lieder ihren musikalischen Charme nicht verloren haben. Weitere Ohrwürmer sind „A Bushel and a Peck“ (bezieht sich auf den Ausdruck „I love you bushel and a peck“, was übersetzt „Ich liebe dich ganz toll“ heißt), dargeboten mit einer vergnüglichen Tanzeinlage, in der die Tänzerinnen Hühner-Kostüme anhaben, die Duette zwischen Sarah und Sky „I’ll Know“ und „I’ve Never Been in Love Before“, Nathans Song „The Oldest Established“, das Titellied „Guys and Dolls“, „Sit Down, You’re Rockin’ the
Boat“ von Nicely-Nicely gesungen und der absolute Hit „Luck Be a Lady“, den Sky während des Würfelspiels singt und ihm Glück bringt und nebenbei seine Liebe zu Sarah unterstreicht.

Ein Glücksgriff

Eigentlich können alle sowohl stimmlich wie schauspielerisch überzeugen. Aus dem ganzen Ensemble stechen Ria Jones mit ihrer hohen und Clare Halse mit ihrer glasklaren Stimme hervor, wie Christopher Howell als genervter und Sky als verliebter Spieler. Überraschend gut ist ebenfalls Joel Montague mit seiner starke Stimme. „Guys and Dolls“ ist wieder ein Glücksgriff von Direktor Choplin und somit ein Musical, das man sich nicht entgehen lassen darf.


Das Musical läuft noch bis zum 27. Juli. Tickets und

weitere Informationen unter www.theatremarigny.fr.