LUXEMBURGCORDELIA CHATON

Wachsender Wunsch von Luxemburgern nach einer anderen Art des Wohnens

In Luxemburg gibt es eine wachsende Gruppe über 100 Menschen, die anders wohnen wollen: In einer Gemeinschaft, in der sich jeder kennt, in der man füreinander da ist und in der die Miete stimmt. „Bei unserem ersten Treffen im Juli im Pfaffenthal waren über 80 Interessenten da“, berichtet Alexander Hornung. Dem Luxemburger schwebt eine Wohnungsbaugenossenschaft vor. Diese Form der Wohnungsfinanzierung gibt es bislang in Luxemburg nicht. In Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder Österreich dagegen ist sie breit vertreten (siehe Kästen).

Laut Hornung sind aber keineswegs nur Bürger an einer anderen, persönlicheren Form des Wohnens interessiert. Auch Gemeinden signalisierten Unterstützung. „Junglinster überlegt, ein Grundstück für eine Wohnungsbaugenossenschaft zu reservieren“, berichtet Hornung, der als Senior Manager bei einer Luxemburger Bank arbeitet. „Auch vom Ministère du Logement und dem Ministère de l´économie solidaire gibt es schon positive Signale.“

Die Interessenten, die bei einer Wohnungsbaugenossenschaft mitmachen wollen, sind sehr unterschiedlich. Die meisten wohnen im Norden des Landes, andere im Zentrum oder im Süden. Einige sind bereits Wohnungseigentümer, andere noch Studenten. „Unsere Gruppe ist ad hoc entstanden. Aber wenn sich ein konkretes Projekt ergibt, haben wir Leute“, ist Hornung überzeugt.

Im September sammelten die Interessenten während eines Workshops Ideen. Ältere Damen könnten die Kinder der arbeitenden Erwachsenen versorgen, Mieter könnten für die Gäste der anderen kochen oder Musik machen. Eine soziale Nachbarschaftshilfe - beispielsweise bei alten und bedürftigen Menschen - wäre möglich. „Im Moment unterrichten wir uns erstmal über das Wohnungsbaurecht und das Genossenschaftsrecht“, sagt Hornung. Er ist aber bereits überzeugt, dass mit logistischer und finanzieller Hilfe des Staates ein Projekt realisierbar wäre. „Für die Allgemeinheit könnte durch diese Wohnform ein großer Impuls gesetzt werden“. Den Mehrwert für ein finanzielles Engagement sieht er in der sozialen Natur des Projekts: „Gerade ältere Menschen kämen erst so spät wie möglich ins Altersheim.“

Derzeit wird das Gesetz überarbeitet. Am 15. Dezember gab es dazu einen runden Tisch. Rund 80 Teilnehmer kamen und hörten von Ueli Keller, wie die Stadt Zürich seit fast hundert Jahren mit Wohnungsbaugenossenschaften arbeitet. Minister Nicolas Schmit, der auch für Solidarwirtschaft zuständig ist, versprach Hilfe bei der Organisation von weiteren Workshops. Nach dem „guide de coopérateur“ wäre es nun Zeit, ein praktisches Fallbeispiel in den Weg zu leiten, meinte Schmit.

Mehrere Projekte besucht

Interessiert zeigte sich auch die Caritas sowie Diane Dupont vom Wohnungsbauministerium. Ihr Arbeitgeber will mit dem Syvicol sprechen und ist Vorschlägen der Bürger gegenüber aufgeschlossen. So könnte durchaus das erste genossenschaftliche Wohnungsbauprojekt Luxemburgs entstehen.

Damit das gut klappt, haben die Mitglieder der ad hoc-Gruppe - Claude Ballini, Cindy Mazzarini, Paul Matzet, Geraldine Philipczyk sowie Alex Hornung schon Projekte in Deutschland besucht, unter anderem so genannte „Mehrgenerationenhäuser“. Heute ist Hornung in Zürich, um sich neue genossenschaftliche Projekte anzusehen. Hornung erklärt, wie er sich das Prinzip vorstellt: „Jeder gibt eine Einlage, um Genossenschafter zu werden. Die Einlage gibt das Recht auf eine Wohnung. Der Rest ist Fremdfinanzierung. Das Projekt ist langfristig angelegt.“ Er stellt sich 15 bis 20 Wohnungen für den Anfang vor. „Unter zehn Wohnungen macht unser Projekt keinen Sinn“, sagt er. Nähere Details werden im Moment beim gemeinsamen Kochen erörtert. „Das Projekt interessiert, weil es um Menschlichkeit in der Gesellschaft geht“, ist Hornung überzeugt. „Jeder hier lebt in einem Goldhamsterkäfig. Und das gefällt den Menschen nicht.“ Ihm ist eine soziale Durchmischung bei seinem Projekt wichtig.

Er wird einen langen Atem brauchen. Deswegen will er sich auch nicht auf die Genossenschaft fixieren. „Eine SCI wäre auch ein gangbarer Weg“, sagt er. Wichtig ist im das Menschliche. „Wo begegnet man sich heute noch? Wer kennt noch seine Nachbarn?“, fragt er. Hornung denkt über steuerliche Aspekte nach, über Workshops und Gemeinden. „Das Wohnen, aber auch die Gemeinschaft steht im Vordergrund, und das wirkt sich auf die Dauer positiv in vielen Bereichen aus, im sozialen, im wirtschaftlichen, im gesundheitlichen, im ökologischen Bereich“, sagt er.
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