LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Schutzkittel aus Tyvek in Luxemburg gefertigt statt im Ausland

Eine schnelle und praktikable Lösung zur Deckung des Bedarfs an Schutzkitteln und -anzügen hat die „Fondation des Hôpitaux Robert Schuman“ gefunden. Näherinnen aus Luxemburg werden die Schutzkleidung hier fertigen. „Das ist schneller und sicherer, als auf eine mögliche Lieferung aus China zu vertrauen“, ist sich Dr. Philippe Wilmes sicher. Der Orthopäde ist seit Ausbruch der Krise fast nur noch mit Koordinationsaufgaben befasst. „Wir haben direkt nachdem die Hôpitaux Robert Schuman am 12. März heruntergefahren wurden, mit der Regierung eng zusammen gearbeitet“, berichtet er. Logistische Fragen rückten in den Mittelpunkt. „Jetzt geht es um Katastrophenmedizin und nicht mehr um Hochleistungsmedizin“, stellt Dr. Wilmes klar.

Relativ schnell stellte sich heraus, dass es an Schutzmasken und -kleidung aus Tyvek mangelt. Das ist ein Vliesstoff aus Polyethylen des US-Konzerns DuPont, der weltweit nur an zwei Standorten in den USA und hier in Contern produziert wird. Aus diesem Stoff lässt Dupont dann Schutzanzüge an Drittstandorten nähen. „Das Problem war, dass es nicht genügend Tyvekanzüge für das ganze Land gab“, erklärt Dr. Wilmes. Dazu kamen sich widersprechende Aussagen und Informationen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Meldungen über Diebstähle und der Druck durch heimische Spitäler. „Wir hatten sehr viele Anfragen von Pflegern und Ärzten, vor allem aus Covid-19-Abteilungen. Daher haben wir nach anderen Lösungen gesucht“, erzählt Dr. Wilmes. Jean-Louis Schiltz, Präsident der „Fondation des Hôpitaux Robert Schuman“, dem Träger der Hôpitaux Robert Schuman, machte den Vorschlag, in Luxemburg zu fertigen. Dabei hatte er auch den nationalen Bedarf im Blick.

Dr. Wilmes wurde mit der Umsetzung beauftragt. Er kontaktierte Eva Ferranti. Einst die bekannteste Schneiderin Luxemburgs, musste sie sich vor einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen vom Geschäft zurückziehen. Doch sie hat noch zahlreiche Kontakte in der Branche. Ihr Atelier in Bascharage stand zu diesem Zeitpunkt leer. Dort ließ Ferranti erste Muster nähen, nachdem sie selbst mit einiger Mühe Tyvek und spezielle Nähmaschinen sowie Näherinnen besorgt hatte. „Schließlich mussten die Nähte dicht sein“, erklärt Ferranti auf unsere Nachfrage. Die ersten 120 Anzüge wurden vom medizinischen Personal getestet. „Dann gab es mehr Anfragen zu Kitteln. Auch hier wurden Prototypen genäht und getestet“, berichtet Dr. Wilmes.

Ein weiteres Problem bestand darin, Tyvek aus Contern zu erhalten. Denn das Werk steht zwar in Luxemburg, verkauft aber nicht an kleine Einheiten. Daher war eine vom Staat validierte Bestellung notwendig. Bis der zuständige Mitarbeiter das verstanden hatte, verging eine kostbare Woche. Am heutigen Dienstag soll es soweit sein. DuPont will endlich Tyvek liefern, wie das „Journal“ exklusiv erfuhr. Sowohl die Finanzierung als auch Nachlieferungen seien sicher, unterstreicht Dr. Wilmes, der froh über das freundliche Entgegenkommen des Werksdirektors ist.

Ab heute sollen täglich 250 Schutzkittel in Luxemburg gefertigt werden. „Das ist viel sicherer, als Ware auf dem freien Markt einzukaufen, der schwierig und unberechenbar ist“, freut sich Dr. Wilmes. „Jetzt haben wir die Sicherheit, dass die Ware in der gewünschten Qualität und Quantität ankommt. Er verweist darauf, dass die „Fondation der Hôpitaux Robert Schuman“ mittels Fundraisings gezielt bei in Luxemburg ansässigen Firmen Geld für dieses Projekt gesammelt hat und bereit ist, andere Krankenhäuser sowie die nationale Reserve an Schutzmaterial nach Möglichkeit zu unterstützen. Ferranti und die Näherinnen machen mit der Aktion keinen Gewinn. Sie wollen die Krankenhäuser unterstützen.

Deshalb ruft Paul Chambers, der das Projekt für Ferranti koordiniert, Freiwillige dazu auf, aus den Tyvek-Resten Bänder zu nähen. Diese könnten dann für Schutzmasken verwendet werden. „Wir wollen die Reste nicht einfach wegwerfen, haben aber keine Zeit, das alles selbst zu machen“, sagt er. Interessenten können sich bei ihm per SMS melden unter: 621 319 490