PATRICK WELTER

Würde ich an den Typ mit dem langen Bart glauben, wäre es jetzt an der Zeit „Herr, schick Hirn vom Himmel!“ zu flehen. Donald „the brain“ hat es mit kurzen Worten verstanden, einen verfahrenen Karren noch weiter festzufahren. Donald T. hat über seinen Außenminister verkünden lassen, dass die USA die jüdischen Siedlungen auf der Westbank nicht mehr für völkerrechtswidrig hält.

Wer kein naiver Träumer ist, der weiß, dass die Siedlungen nicht verschwinden werden. „Westbank“ ist als Begriff schon eine Parteinahme für den Status quo ante, denn Westbank bezeichnet eigentlich westliche Landesteile von Jordanien, allerdings hat Amman seine Ansprüche an die Palästinenser abgetreten. Also „Westjordanland“. Hunderttausende jüdische Siedler sehen das ganz anders, für sie liegen hier „Judäa und Samaria.“ Für die üblichen Israelfresser handelt es sich selbstverständlich um „Palästina.“ Das hätte es sein können, wenn die Arabische Liga den Teilungsplan von 1948 akzeptiert hätte, statt das „zionistische Gebilde“ anzugreifen. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Das Lustige an den Aktionen eines Donald Trump ist, dass sie so holzschnittartig sind, dass jeder sofort weiß, worum es geht: Seinen unerträglichen und mit ziemlicher Sicherheit korrupten Kumpel Bibi Netanjahu zu stützen. Dessen Wahlergebnis war zwar mies, aber wenn man Bibi mit einem windigen Manöver noch die Orthodoxen und Ultra-Orthodoxen zutreiben kann, steigen seine Chancen auf eine rechtslastige Regierung. Dabei stöhnt die israelische Gesellschaft schon heute unter den ausufernden Ansprüchen der Orthodoxen und Ultra-Orthodoxen. Von der langen sozialdemokratischen Tradition Israels ist immer weniger zu spüren. Die Spaltung des Landes in säkulare und religiöse ist tiefgreifend. Solange es Netanjahu mit US-Hilfe gelingt , immer wieder an die Macht zurückzukehren, bleibt das Image Israels mies - leider. Europa hat dennoch die Verpflichtung an der Seite Israels zustehen - was nicht heißt jede Likud-Blödheit hinzunehmen und Jerusalem machen zu lassen. Es ist auch nicht allein der Holocaust, der uns zu einem besonderen Engagement verpflichtet. Der Schlamassel begann vor genau 100 Jahren, als die Briten das Fell des osmanischen Löwen ungerührt mehrfach verkauften. Mit Folgen bis heute.

Die Medaille hat aber auch noch eine andere Seite. Die Trump-Regierung legt sich keine Zurückhaltung auf und pfeift auf vier Jahrzehnte zumindest formaler Neutralität in der Siedlerfrage. Trumps unbekümmertes Manöver der de facto-Anerkennung der Westbank-Siedlungen zeigt damit eines ganz offen. Für die US-Verbündeten in der Region, allen voran Saudi-Arabien, ist die Palästina-Frage nicht mehr als Theater für die Galerie. Da es eher früher als später gemeinsam gegen Teheran geht, sieht man in Riad keinen Grund, sich über jüdische Siedlungen am Jordan aufzuregen. Schon längst hat Israel bei den Golfstaaten den Status der heimlichen diplomatischen Geliebten. Palästina interessiert nicht. Für die Golf-Monarchien gibt es wichtigeres als die Zwei-Staatenlösung. Nämlich die Eindämmung des Irans und seiner Satrapen. Wenn es zum großen Knall kommt, stehen Jerusalem und Riad Seit‘ an Seit‘.