LUXEMBURGCHRISTIAN BLOCK

Bei der Reform des Rettungswesens geht es jetzt um die finanziellen Fragen

In der Erklärung zur Lage der Nation unterstrich der Premierminister noch einmal die Wichtigkeit der Reform des Rettungswesens: „Trotz dem benevolen Asaz vun Dausende vun Asazkräften ass momentan net iwwerall garantéiert, datt am Fall vun engem Noutfall, déi adequat Hëllef séier parat steet“, sagte Xavier Bettel.

Um die Reform voranzutreiben, soll die Anstalt öffentlichen Rechts entstehen, in der „Protection civile“ und die Feuerwehr unter einem Dach vereint werden sollen. Der Präsident des Nationalen Feuerwehrverbands FNSP, Marc Mamer, ist mit den bisherigen Fortschritten der Reform zufrieden. Jetzt geht es allerdings konkret um die finanziellen Aspekte der Reform. Bettel hatte im Rahmen der Rede zur Lage der Nation gesagt, die Regierung wolle in kürzester Zeit ein Konzept vorlegen, „dat en equitable Bäitrag vun deenen zwee Partner - Staat a Gemengen - virgesäit“.

Zwei mögliche Wege

Marc Mamer zeichnet zwei mögliche Pisten auf. Entweder alle Gemeinden bezahlen denselben Betrag pro Einwohner oder die Gemeinden leisten je nach Risiko und vermutlich höheren Einnahmen einen größeren Beitrag. Da jede Gemeinde und damit jede Situation anders ist, seien dies allerdings Gespräche, „wo jeder irgendwo Recht hat. Wir müssen aber irgendwann weiterkommen“, sagt der Präsident des Landesfeuerwehrverbands und weist darauf hin, dass diese Gespräche jetzt anlaufen.

Hintergrund der Reform sind unter anderem gesetzliche Barrieren aber auch ein sich seit Jahren abzeichnender Mangel an Freiwilligen. Wer etwa bei der Feuerwehr und der „Protection civile“ eingeschrieben ist, und als Feuerwehrmann zu einem Einsatz gerufen wird, kann verschiedene Hilfsleistungen nicht erbringen, weil es das Gesetz schlicht nicht erlaubt - zum Beispiel, wenn eine Person in einem Fahrzeug eingeklemmt ist. „Das ist der eigentliche Grund für diese Reform“, so Mamer. Das Gesetz kümmerte es sozusagen nicht, wie schlecht es um die Person bestellt war. Inzwischen gibt es in diesen und in anderen Punkten Bewegung, um die Person in Not wirklich in den Mittelpunkt zu stellen - so wie es eigentlich sein sollte.

Nachdem Experten aus Frankreich und Deutschland das System einer Analyse unterzogen hatten, wurde eine Reform in die Wege geleitet. Im Juli des vergangenen Jahres trat die Aufteilung des Landes in vier Regionen in Kraft. Verschiedene Elemente, wie der Einsatzleitrechner, die Umstellung von Analog- auf Digitalfunk oder auch der „First Responder“, wurden aus dem Reformpaket herausgenommen und einzeln vorangetrieben, um möglichst schnell in die Praxis umgesetzt werden zu können.

Alle einbinden, die helfen können

„Die Reform ist wichtig, um überall im Land einen Dienst anbieten zu können, der gleich gut funktioniert“, sagt Mamer über das Ziel der Reform. Darüber hinaus geht es auch darum, dass jeder Helfer, der etwas kann, seine Kompetenzen auch in das Rettungswesen einbringen kann.

Der auch unter dem Begriff Ersthelfer bekannte „First Responder“ ist ein Schlüsselelement, um die Effizienz der Rettungsdienste zu verbessern. Weil die landesweite Abdeckung durch die Feuerwehr quasi gewährleistet und sie oft am schnellsten vor Ort ist, können die Ersthelfer erste Maßnahmen, etwa zur Stabilisierung einer Person treffen, bis der Rettungswagen eintrifft. Der „First Responder“, aktuell in der zweiten Testphase, läuft in 22 Gemeinden an, bis Ende des Jahres kommen nach Aussagen Mamers noch einmal 30 hinzu. Das Feedback, sowohl bei den Gemeinden wie in der Bevölkerung falle jedenfalls positiv aus. In einer weiteren Phase könne der First Responder dann auch für die Zivilbevölkerung geöffnet werden, zum Beispiel für Krankenpfleger.

Attraktivität steigern

In den Augen Mamers könnte der „First Responder“ auch ein Lichtblick sein, um die Präsenz und damit auch die Attraktivität der Feuerwehr wie eigentlich aller Akteure im Rettungswesen zu erhöhen, und auf diesem Weg den Nachwuchsproblemen entgegenzuwirken. Die Vielzahl von möglichen Aktivitäten, denen junge Menschen nachgehen können, ist nicht der einzige Grund, warum es an Nachwuchs in den Korps fehlt. „Unsere Aktivitäten sind zwar extrem interessant, aber es wird auch extrem viel verlangt“, erklärt Mamer das Problem. Bevor man auf einen Einsatz mitkann, sind einige Hundert Stunden Ausbildung verlangt - und selbst dann muss der Nachwuchs noch aus dem Gefahrenbereich bleiben. Im Ausland stößt man auf ähnliche Schwierigkeiten, neue Freiwillige zu finden. Hinzu kommt, dass einige Korps nur wenige Einsätze im Jahr haben. Da verlieren die Nachwuchshelfer schnell die Motivation, dabei zu bleiben. Allerdings leide die Feuerwehr auch an einem Imageproblem. „Wir verkaufen uns schlecht“, sagt Mamer. Es fehlt an der Publicity, aber auch den dafür notwendigen Mitteln - Geld und Zeit.

Seit den frühen 90er Jahren ist die Zahl der Feuerwehrkorps durch Fusionen von über 250 auf etwa 150 gesunken. Von 2012 auf 2013 verzeichnet der Verband einen Rückgang von 200 bis 300 Aktiven - gleichzeitig wuchs die Zahl der Inaktiven um 195. Die Feuerwehr musste allerdings auch öfters ausrücken.

„Wir kommen nicht an einer Professionalisierung vorbei“, sagt Mamer. Im europäischen Vergleich stehe Luxemburg allerdings immer noch gut da. Eine andere Überlegung wäre es, die Altersgrenze von 65 Jahren zu überdenken.