LUXEMBURG/NANCY
CORDELIA CHATON

Die Geschichte hinter dem Erfolg von Epsilon, dem Smart-Schuhspezialisten und Start-up-Star

Epsilon ist Sieger des regionale Halbfinales des „Startup World Cup“, der ersten Veranstaltung dieser Art in Europa. Vor einigen Tagen nahm das Unternehmen die Auszeichnung des diesjährigen Wettbewerbs in Luxemburg bei einer Feier in den Räumen des Hauptsponsors EY entgegen und reist jetzt weiter zum Finale Ende März nach San Francisco. Dort konkurriert es mit 15 weiteren Start-ups um den Welttitel und das Preisgeld von einer Million Euro. Wir werfen eine Blick auf die Anfänge des Start-ups und seines Gründers.

Wasserballer, Innovations-Berater, Erfinder

Das Unternehmen wurde 2014 von Karim Oumnia in Nancy gegründet. Der 49-jährige Franco-Algerier und ehemalige Spieler des algerischen Wasserpolo-Teams macht seit Jahren Karriere mit Gründungen im Schuhgeschäft. Dorthin war er gekommen, weil ihn seine Kunden zu sehr nervten. Denn bevor Oumnia Gründer wurde, beriet er im Auftrag der EU Unternehmen in Sachen Innovation - und verzweifelte an deren Zögerlichkeit.

Als er 1998 die leichtesten Sportschuhe der Welt entwickelt hatte, winkten große Marken ab. Also gründete Oumnia in Nancy die Marke Baliston. Bald belieferte er nicht nur den Fußballklub im heimischen Nancy, sondern auch Vereine der ersten Liga, Starts wie Madonna und Beyoncé trugen seine Marke - bis zur Finanzkrise 2008. Die Bank machte nicht mit und Oumnia verkaufte die Marke an die Vereinigten Arabischen Emirate.

Neustart mit Schuhen

2009 startete er mit Glagla Shoes erneut durch. Die leichten Schuhe werden nur online vertrieben. Dann interessiert die Bluetooth-Technologie den Erfinder, der bereits 2006 über batteriebeheizte Schuhe für Jäger gegrübelt hat und 2014 Digitsole gründet. Drei Jahre hat der Unternehmer gebraucht, bis das Produkt marktreif war. Immer wieder gab es Probleme mit Feuchtigkeit, Staub, Wasser oder Stößen. „Was in den Schuh läuft, ist für die Elektronik schwierig“, sagt Marketingmanager Malik Issolah. Das Ziel des Unternehmens war eine warme Sohle für Menschen, die im Freien arbeiten, kranke Menschen oder auch Sportler wie beispielsweise Jäger.

Oumnia gewinnt den Go-Pro-Produzenten Chicony als Partner auf der Fachmesse „Consumer Electronics Show“ (CES). Ein Jahr später dann der Coup: „Smartshoe“, ein Schuh, der Schritte zählt, die Sohle beheizt, sich auf Knopfdruck öffnet und schließt und leuchtet. Der Verkauf über die Kette Boulanger ist schwierig. Oumnia gründet Zhor Tech als BtoB-Kanal und Epsilon als Holding für Digitsole und Zhor Tech. Oumnia, der 2016 zwei Millionen Euro umsetzte, rechnet für 2017 mit zehn Millionen Euro und plant eine neue Finanzierungsrunde.

Vertrieb in 15 Ländern

„Wir sind jetzt in Europa, in Kanada und in Australien, insgesamt in rund 15 Ländern weltweit“, freut sich Issolah. In Luxemburg sind die heißen Sohlen noch nicht zu haben. „Aber vielleicht klappt es noch in diesem Jahr“, unterstreicht der Marketingexperte, der den Preis im Namen des Start-ups entgegennahm. „Wir haben alle unsere Partner auf Internet.“

Zwei Sohlen und ein Handy

Epsilon setzt heute auf zwei Produkte: Eine beheizte Sohle für rund 100 Euro und eine weitere, die für den Sport gedacht ist und rund 200 Euro kostet. Die Sohlen sind mit dem Handy verbunden und können jeden Fuß einzeln zwischen 20 und 45 Grad wärmen. Das wählt der Handynutzer selbst aus. Dazu gibt es Informationen zu getätigten Schritten, Kalorienverbrauch und mehr. „Die Runnersohle stellt auch Müdigkeit und weitere Faktoren fest, um beispielsweise Verletzungen zu verhindern“, erklärt Issolah. „Die Sohlen können in jeden Schuh gelegt werden. Wir wollten, dass die Leute ihre Schuhe behalten“, unterstreicht Issolah. Konkurrenten hat das Unternehmen laut dem Marketingmann bislang nicht, weil niemand mit dem Handy verbundene Produkte anbietet. Oumia und sein Team tüfteln schon an den nächsten Ideen. Zum Jahresende soll es Neuigkeiten geben.

Bis dahin profitiert das Unternehmen erstmal von der Auszeichnung. „Sie bestätigt, dass wir in Europa topp sind, das ist eine tolle Anerkennung, die es uns erlaubt, uns weltweit mit den Besten zu messen“, ist Issolah überzeugt. Am 24. März hofft er auf den Sieg als bestes Start-up weltweit.

www.digitsole.com