NIC. DICKEN

Während in Griechenland, wo viele von uns bislang mehr oder weniger regelmäßig Urlaub zu machen pflegten, alles den Berg runter zu gehen scheint, herrscht auch in unseren Breiten alles andere als entspannte Ferienstimmung.

Da bleibt trotz tropischer Temperaturen - oder vielleicht gerade deswegen - alles unter Spannung, fühlen sich fast alle von einer Regierung an der Nase herumgeführt, die doch angetreten war mit dem Anspruch, alles besser machen zu wollen. Besonders eher gut situierte Berufs- und Bevölkerungskreise sehen sich durch Einsparungsmaßnahmen und Ausgleichszahlungen als Krisenopfer, für die solches weder denkbar noch zumutbar erscheint.

Dabei gab es vor nicht allzu langer Zeit in Luxemburg einen Staatsminister, der mehr als einmal betonte, die starken Schultern müssten mehr tragen als die schwachen. Umgesetzt hat er das allerdings nie, so dass ihm alle zustimmen und ihn weiter gewähren lassen konnten in der Erwartung, irgendwie werde sich alles schon zum Guten wenden.

Weil aber Wunder heute zur Seltenheit geworden und Gottesbeweise eher in den Bereich der Sagen einzuordnen sind, hat sich die Lage weiter verschlechtert und mit der Zeit zwangsläufig heftigere Einschnitte erforderlich gemacht, an denen sich heute die Volksseele erzürnt. Zwei Zahlen machten in der vergangenen Woche in Luxemburg die Runde, die nur schwer miteinander vereinbar erscheinen, die aber nicht nur deswegen einer gewissen Erörterung bedürfen. Da meldete der Statec einerseits, die luxemburgischen Haushalte hätten im vergangenen Jahr pro Monat durchschnittlich 4.850 Euro ausgegeben. Demgegenüber meldete das „Wort“, unter Hinweis auf vertrauliche Regierungsdokumente hinsichtlich der für 2017 geplanten Steuerreform, dass 160.000 Haushalte, also deutlich mehr als die Hälfte, über ein Jahreseinkommen von weniger als 20.000 Euro, also knapp 1.700 pro Monat, verfügen würden.

Diejenigen, die in den letzten Monaten am meisten über Sparmaßnahmen und Gehaltseinbußen geklagt haben, gehören eher nicht zu dieser Mehrheit der Bevölkerung. Man stellt sich also nicht ganz zu Unrecht die Frage nach der Legitimation von Beschwerden über eventuelle Benachteiligungen.

Aber das wiederum kommt einem aus dem Werdegang der griechischen Volkswirtschaft auch eher bekannt vor, wo mit geliehenem Geld der Staatsapparat und die Gehälter hochgeschraubt wurden, bis es am Ende eben zur Explosion kam und mit dem Einkommen kein Auskommen mehr möglich war.

Luxemburg, allen voran die Regierung, ist also gut beraten, für eine kontrollierte Fahrweise zu sorgen, damit nicht auch hier am Ende auf schmerzliche Weise die Notbremse gezogen werden müsste.

Die anstehenden Urlaubstage sollten denn auch allenthalben dazu genutzt werden, trotz Sommerhitze das Denken nicht ganz aufzugeben und gleichzeitig die Gemüter etwas zu beruhigen.

Ein temperierter Herbst nach einem hitzigen Sommer würde dem Land sicher gut tun.