LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Wie können energie-intensive Industrie-Unternehmen die Ziele der EU zur Reduzierung von Treibhaus-Gasen erreichen? Darauf fand eine Studie Antworten, die die FEDIL vorgestellt hat

Elf besonders energie-intensive Industriebranchen von Chemie über Zement und Glas bis hin zu Keramik, Papier, Düngemittel und Stahl haben eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ziel: Bei der Suche von Lösungen zu helfen, um weniger Energie zu verbrauchen, und die Bedingungen dafür aufzuzeigen. So hieß das Werk, dass der Industrieverband FEDIL gestern in den Räumen der Handelskammer vor über hundert Gästen vorstellte, denn auch „A bridge towards a carbon neutral Europe, (Eine Brücke hin zu einem CO2-neutralen Europa).

Auftrag von elf Branchen

„Allerdings ist es eine Brücke, die hohe Investitionen verlangt“, wie Nicolas Buck, der noch bis Donnerstag Präsident der FEDIL ist, in einer seiner letzten öffentlichen Ansprachen betonte. Für ihn ist das Energie-Thema „das komplizierteste Thema“ überhaupt. Buck bedauerte denn auch, dass der vorgesehene Redner, Energieminister Claude Turmes von „déi Gréng“, aufgrund des Todes von Großherzog Jean nicht kommen konnte, immerhin sei er einer der ganz wenigen Experten in diesem Bereich „und die anderen Parteien haben ganz klar keinen.“

Tomas Wyns, Projektforscher vom „Institute for European Studies“ der Freien Universität Brüssel stellte die Studie vor, die im Auftrag der elf energieintensiven Industrien entstanden ist. Letztlich geht es darum, wie die europäische Industrie die immer strengeren Energieauflagen erfüllen kann - also weniger Energie zu verbrauchen und weniger Treibhausgase zu produzieren - und dies in einem Umfeld, in dem solch strenge Regeln für Mitbewerber in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten nicht gelten.

So zeigte sich Wyns denn auch stolz: „Die EU hat viele unserer Vorschläge übernommen. Die avisierten Lösungen funktionieren aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“ Wyns betonte, dass die betroffenen Industrien im Wesentlichen für die wirtschaftlichen Grundlagen in der europäischen Wirtschaft sorgen und mit anderen Branchen stark verflochten seien.

Gute Arbeit

Der Forscher betonte, die betroffenen Branchen hätten schon gut vorgearbeitet: Zwischen 1990 und 2015 sei der CO2-Ausstoß durch sie um 36 Prozent reduziert worden. „Dafür gab es viele gute Gründe wie das Wechseln des Energieträgers von Kohle zu Biomasse, bessere Produktionsmethoden oder Recycling, beispielsweise in der Papierindustrie. Es gab aber auch einen schlechten Grund, nämlich die Krise“, hielt Wyns fest. Die meisten Branchen hätten das Niveau vor der Krise 2008 immer noch nicht erreicht. „Es gibt sehr viele gute Technologien. Aber die Einführung braucht Zeit“, insistierte der Forscher. Er bedauerte, dass viele Politiker nicht verstünden, welche Rolle die energie-intensiven Industrien für die Wirtschaft allgemein spielten.

Wyns sprach weitere Lösungen an. Technisch gesehen sind Einsparungen, Prozessintegration, Elektrifizierung von Prozessen, Hydrogen-Einsatz, die Aufwertung von CO2, Biomasse-Nutzung, CO2-Lagerung sowie höhere Bewertung von Müllströmen und Materialeffizienz möglich. Doch gleichzeitig gibt es Herausforderungen, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung, Infrastrukturen, Finanzierung oder Regulierung. Hinzu kommt der internationale Wettbewerb sowie der Zeitfaktor. Denn die Pariser Klimaziele haben einen klaren Zeithorizont. So verlangen die betroffenen Industrien Unterstützung, planbare Preise und Schutz vor unfairem Wettbewerb. Die EU soll eine neue Industrie-Strategie ausarbeiten., die diese Punkte berücksichtigt. Der Tenor: Die Industrie ist willig, allein sie braucht die Hilfe der EU.

Gaston Trauffler, der bei der FEDIL für Industriepolitik verantwortlich ist, resümierte, was die Studie für Luxemburg bedeutet: „Die Energiethematik ist zu schaffen. Technologien entwickeln sich in die richtige Richtung, aber die Herausforderungen, die zu überwinden sind, sind immer noch enorm. Es braucht vor allem ein Investitionsklima, das es erlaubt, jene Technologien bis zur Reife zu entwickeln.“ Trauffler zeigte sich kritisch gegenüber der Luxemburger Politik, der Ziele jene der EU noch überträfen und somit noch schwieriger für die Unternehmen zu meistern seien. „Gleichzeitig ist der Energieverbrauch in China, Indien und den USA in den letzten Jahren um rund 70 Prozent gestiegen“, prangerte er an.

Anschließend diskutierten Christian Rech vom Zementhersteller CIMALUX (BUZZI UNICEM), Dr. Horst Kappes von Paul-Wurth und Tomas Wyns in einem von Trauffler moderierten Panel. Klar war: Das Thema ist und bleibt kompliziert.