SONJA KANTHAK

Bereits der Frühling bescherte einigen Winzern an der Luxemburger Mosel schlaflose Nächte. Ende April sorgten dann polare Luftmassen für Frostschäden in einigen Weinbergslagen. Auch der Mai ließ kaum Zeit für Entspannung. Es fielen erhebliche Regenmengen und Ende Mai brachten starke Gewitter vereinzelt Hagel. In einigen Weinbergen wurden die Blätter und Blüten stark beschädigt. Auch Juni und Juli gaben kaum Anlass zum Aufatmen und zeigten sich wenig sommerlich. „Bis Anfang August gab es kaum einen Tag ohne Niederschläge. Teilweise fielen in nur einem Tag Regenmengen, die sonst in einem Monat gemessen werden“, resümiert Sonja Kanthak vom „Institut fir biologesch Landwirtschaft an Agrarkultur asbl (IBLA), die schwierige Situation.

„Diese Umstände verlangten den Winzern einiges ab. Die feucht-warmen Bedingungen begünstigen die Entwicklung des falschen Mehltaus, einer Pilzerkrankung, der die Blätter und Trauben befällt. Im biologischen Weinbau kommt nur eine vorbeugende Behandlung gegen die Krankheit in Frage. Chemisch-synthetische Präparate, welche in das Gewebe der Rebe eindringen und über einen längeren Zeitraum wirken, sind im ökologischen Anbau aus gutem Grund nicht zugelassen. Dies erfordert von den Winzern ein Höchstmaß an Fachwissen und in diesem Jahr vor allem ein Höchstmaß an Einsatz. Durch die feuchten Bedingungen war es sehr schwer, die Pflanzenschutzmaßnahmen zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen, da anhaltender Regen die Arbeiten behinderte. Deshalb kam es in einigen Weinbergslagen zu hohen Ausfällen.

Auch einige Rebsorten wie die beliebten Burgundersorten Pinot Blanc, Auxerrois, Pinot Gris und Pinot Noir wurden stärker geschädigt. Elbling und Riesling hingegen zeigten sich relativ stabil. Die Winzer waren 2016 mit Bedingungen konfrontiert, die sie so noch nicht kannten. Um die Qualität der Trauben zu sichern, arbeiteten sie und ihre Angestellten bis zur Erschöpfung. Auch die Pflegearbeiten rund um die Reben schienen kaum ein Ende nehmen zu wollen.

Durch die gute Wasserversorgung wuchsen Reben und auch die Begrünungspflanzen kräftig. Im biologischen Weinbau ist es allerdings besonders wichtig, stets eine gute Belüftung der Trauben zu gewährleisten, deshalb war auch hier höchster Einsatz gefragt. Die Reben mussten mehrfach gestutzt und entblättert werden. Auch Begrünung und Beikraut forderten einiges an Aufmerksamkeit. So gab es kaum Verschnaufpausen für die Bio-Winzer. Erst gegen Ende August zeigte sich der Sommer freundlicher und es gab erste Zeichen zur Entwarnung. Doch die steigenden Temperaturen bereiteten den Winzern neue Sorgen.

Auf ein Wetterextrem folgte das Nächste. Die Hitzewelle Ende August führte zu einer Überhitzung der Trauben. Dies hatte bei einigen Rebsorten Sonnenbrand zur Folge. Doch die trockenen Bedingungen brachten vor allem eins: Gute Reifebedingungen. Die verbleibenden Trauben können sich in den meisten Weinbergen sehr gut entwickeln. Durch den verminderten Ertrag konzentriert sich das Aroma in wenigen Trauben.

Der Jahrgang 2016 kann ohne Zweifel als extrem bezeichnet werden. Nur durch den hohen persönlichen Einsatz der Winzer war es möglich, eine hohe Traubenqualität zu sichern. Und Weine sind wie kein anderes Lebens- und Genussmittel ein Abbild ihres Jahrgangs. Wie ein Foto erinnern sie uns und spiegeln ein kleines Stück Vergangenheit. Es wird weniger Bio-Wein geben in 2016. Doch in den Flaschen wird sich der Einsatz der Winzer unter extremen Witterungsbedingungen widerspiegeln. Es werden unvergleichliche Bio-Weine entstehen: Wild, spannend und auf alle Fälle nicht austauschbar! Wir dürfen also gespannt sein.“