CHRISTIAN BLOCK

Das Thermometer zeigt satte zehn Grad weniger an und sogar etwas Regen war am Dienstagabend drin. Luxemburg kann, nach zwei hitzeintensiven Wochen und einer Annäherung an die 40-Grad-Marke, endlich wieder aufatmen - oder?

Denn geht es nach der Einschätzung vieler Klimaforscher, müssen wir uns wohl häufiger auf solche Hitzeperioden einstellen. Ihren Analysen zufolge erhöht sich das Risiko von Hitzewellen durch den Klimawandel erheblich. Andere Forscher warnen indes davor, dass, selbst wenn die Klimaerwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter gemäß dem Pariser Klimaabkommen auf unter zwei Grad begrenzt werden kann - dem man aus heutiger Sicht mit einiger Skepsis begegnen muss -, andere, nichtmenschliche Faktoren eine Erwärmung um vier bis fünf Grad (!) Celsius nach sich ziehen könnten. Beispielsweise dann, wenn etwa das in den Permafrostböden Nordeuropas, Kanadas oder Russlands gespeicherte Methan und CO2 durch Auftauen freigesetzt wird, die wiederum den Klimawandel befeuern. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass bei den meteorologischen Rekorden, die in den vergangenen Jahren gemessen wurden, das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist.

Die vielseitigen Folgen davon haben sich in den vergangenen Tagen in aller Deutlichkeit gezeigt: Massive Waldbrände in Schweden, Einschränkungen für den Schiffsverkehr auf dem Rhein, Einbußen auf den Feldern wie auch bei der Produktivität insgesamt, gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier - im Hitzesommer 2003 starben in Frankreich 15.000 Menschen -, Auswirkungen auf das Artenvorkommen, um nur diese zu nennen. Als Pendant zu einem verstärkten Auftreten von Dürreperioden rechnen Experten auch mit heftigeren Stürmen. Winter würden hingegen milder und verregneter werden. Manch einer mag sich darüber freuen, für die Natur ist das nur bedingt eine gute Nachricht.

Während wir uns ins Europa wohl noch größtenteils mit der Hitze arrangieren können, heizt der daraus resultierende Wassermangel andernorts auf der Welt politische Spannungen und den Streit um die wertvolle Ressource Wasser im wahrsten Sinne des Wortes an. Im Südirak war es ein Faktor für Proteste. Dass Menschen in bestimmten Regionen der Erde irgendwann ihre verdorrten Felder aufgeben und ihr Glück in einer anderen Region oder Erdteil suchen - Stichwort Klimaflüchtlinge - ist kein entferntes Szenario.

Wenn der Klimawandel wohl nicht mehr aufzuhalten ist und sich die Menschheit in einem Szenario befindet, in dem eigentlich nur noch die Folgen abgeschwächt werden können, ist es umso wichtiger, sich schnell Gedanken über Anpassungen zu machen. In Luxemburg beschäftigen sich Forscher schon länger mit den Auswirkungen etwa in der Landwirtschaft und im Weinbau, Sektoren, die die Folgen des Klimawandels unmittelbar zu spüren bekommen. Eine übergreifende Strategie hat sich Luxemburg ebenfalls gegeben. Abzuwarten bleibt ihre Umsetzung wie auch die beunruhigende Antwort auf die Frage, was der Klimawandel sonst noch an Unwägbarkeiten im Gepäck haben wird.