LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Justiz lässt zweites Geheimdienstarchiv beschlagnahmen

Im Senninger Schloss gaben sich gestern die Mitglieder des SREL-Untersuchungsausschusses und die Kriminalpolizei buchstäblich die Klinke in die Hand. Nachdem sich die Enquête-Kommission bereits am Morgen das zweite Archiv des Geheimdiensts in den „Katakomben“ - so ein Beteiligter - des Kommunikationszentrums der Regierung ansah, beschlagnahmten Kripo-Beamte auf Anordnung der leitenden Richterin im „Bommeleeër“-Prozess die Mikrofilme in einem Schrank im Panzerraum des Zentrums. Nach Bekanntwerden der Information über dieses zweite Archiv am Freitag, in dem offenbar bis 1992 regelmäßig Kopien der Haupt-SREL-Kartei angelegt wurden, wurde die Versiegelung angeordnet.

Wichtiges Vergleichsmaterial

Das Staatsministerium, das sich übrigens überrascht über die Existenz des Archivs zeigte, hatte am Freitagnachmittag verfügt, dass niemand außer Vertretern der Enquête-Kommission und der Justiz Zugang zu dem Schrank haben dürften. Man darf sich fragen, weshalb sich nicht bereits viel früher diesem zweiten Archiv angenommen wurde, denn Ausschusspräsident Alex Bodry, der sich am vergangenen Freitag noch überrascht zeigte, war bereits vom amtierenden Geheimdienstchef Patrick Heck darüber informiert worden. Das soll am Rande einer Sitzung geschehen sein. Bodry bestätigte das gestern. Die anderen Mitglieder des SREL-Ausschusses waren offensichtlich nicht im Bild. Dass sie darüber ungehalten sind, versteht sich von selbst.

Gestern hatte die Kommission beschlossen, heute Nachmittag noch einmal nach Senningen zu fahren, um mittels „Stichproben“ zu vergleichen, ob die Dokumente mit denen im Hauptarchiv des SREL an der Route d‘Esch in der Hauptstadt identisch sind. Falls das nicht der Fall ist, könnten sich neue Fragen stellen. Zum Beispiel hatte der ehemalige Geheimdienstchef Marco Mille ja eigenen Aussagen zufolge eigenmächtig einige Dossiers von politischen Mandatsträgern aus der Datei entfernen lassen.

Ob noch Kopien dieser Dokumente in Senningen lagern? Aber dazu dürfte es nicht sofort kommen, nachdem die Justiz die Mikrofilme beschlagnahmt hat. Heute morgen soll der Enquête-Ausschuss analysieren, wie er in dieser Angelegenheit mit der Staatsanwaltschaft zusammen arbeiten kann. Besonders für die Richter in der „Bommeleeër“-Affäre ist das „Backup“-Archiv in Senningen interessant. Dort könnten sich nämlich Spuren finden über etwaige Verwicklungen des Geheimdiensts in die Anschlagsserie.

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