LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Mel Gibson sitzt wieder auf dem Regiestuhl für „Hacksaw Ridge“

Vor zehn Jahren inszenierte Mel Gibson seinen letzten Film als Regisseur, „Apocalypto“. Mit „Hacksaw Ridge“ nimmt er den Zuschauer mit in das Kriegsjahr 1945, als die Amerikaner versuchten, Okinawa einzunehmen. Als Basis für seinen Film dient die wahre Geschichte von Desmond Doss (1919-2006), der sich weigerte im Krieg mit einer Waffe zu dienen und als Sanitäter zum Helden wurde. Gibson weiß noch immer, wie man effektvoll Kriegsszenen inszeniert, dass es dem Zuschauer weich in den Knien wird.

Gewissenskonflikt

Desmond (Andrew Garfield; als Junge: Darcy Bryce) lebt mit seiner Mutter Bertha (Rachel Griffiths), Vater Tom (Hugo Weaving) und Bruder Hal (Nathaniel Buzolic; als Junge: Roman Guerriero) in Virginia. Bei einem Gerangel schlägt Desmond Hal mit einem Stein fast tot. Als Erwachsener rettet er einem Mann das Leben, weil er ihn schnell ins Krankenhaus bringen konnte. Dort verliebt er sich auf den ersten Blick in die Krankenschwester Dorothy (Teresa Palmer). Als die Amerikaner in den Krieg eintreten, verlässt Hal die Familie in Richtung Kaserne. Desmond will seinem Bruder in nichts nachstehen und schreibt sich ebenfalls ein.

Doch er verweigert den Dienst mit einer Waffe, da er gehofft hatte, als Sanitäter zu dienen und weil es die Religion verbietet, zu töten. Nach vielen Demütigungen von Seiten seiner Kameraden und seiner Vorgesetzten, wie Sergeant Howell (Vince Vaughn) und Captain Glover (Sam Worthington), spricht ihm ein Militärgericht das Recht zu, aus Gewissensgründen als Sanitäter seinem Vaterland dienlich zu sein. So verschlägt es ihn nach Japan, wo die Schlacht um Okinawa tobt. In Japan wird er zum Helden, weil er nach dem Abzug der amerikanerischen Truppen aus einem Kriegsgebiet oberhalb der Küste, seinen verwundeten Kameraden das Leben rettet.

Mel Gibson hat in „Braveheart“ und „The Passion of the Christ“ bewiesen, dass er Massenszenen gekonnt inszenieren kann.

Hautnahe Kämpfe

In der mörderischen Schlacht um Okinawa spritzt das Blut in alle Himmelsrichtungen und Körperteile fliegen umher. In den Augen der verwundeten Soldaten steht die Angst geschrieben, zu sterben, wie auch die Hoffnung, die Desmond bringt, jener Kerl, den alle wegen seiner Haltung verachteten. Diese brillant von Kamera-Chef Simon Duggan gefilmten Kampfszenen sind nichts für zartbesaitete Besucher. Besonders einfühlsam spielt Andrew Garfield diesen Sonderling, dessen unwiderruflicher Hang zur Gewaltlosigkeit erst nach dem Eintritt in die Armee klar wird. Stur verfolgt er seine pazifistische Einstellung, egal was er einstecken muss, auch wenn man sich als Zuschauer fragt, warum er seinen Vorgesetzten nichts von den schrecklichen Ereignissen aus seiner Jugend erzählt. Hugo Weaving beeindruckt als streitsüchtiger Vater. „Hacksaw Ridge“ besticht durch die hautnahe Darstellung der oft extrem harten Gefechte, und ist deshalb nicht zu verpassen.

Übrigens war Doss der erste Soldat, der den Dienst mit einer Waffe verweigerte, der mit der höchsten amerikanischen Militärauszeichnung, der „Medal of Honor“, ausgezeichnet wurde.