LEUDELINGEN
DANIEL OLY

Verkäufe von 104,3 Millionen: „Loterie Nationale“ stellt einen Rekord-Jahresbericht vor

Es war ein gutes Jahr für das Glücksspiel - und damit ein gutes Jahr für wohltätige Zwecke. Denn die Gewinne der „Loterie Nationale“ fließen auch weiterhin auf direktem Wege in die Kassen der „Œuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“, die in diesem Jahr 75 Jahre alt wird.

Feiern wird die „Œuvre“ zwar erst im kommenden Januar. Richtig was zu feiern gab es aber schon am gestrigen Dienstag: Fast 20 Millionen Euro kamen so 2018 durch das Glücksspiel zusammen. Eine stattliche Summe, die von der „Oeuvre“ integral an gemeinnützige Organisationen und Projekte ausgeschüttet werden können.

Ein positiver Jahresbericht also, der gestern von der Nationallotterie vorgelegt werden konnte. „Es ist ein absolutes Rekordjahr“, präzisierte Carlo Thelen, seines Zeichens Generalsekretär der „Œuvre“. „Die Verkäufe lagen 2018 mit 104,3 Millionen Euro auf einem historischen Hoch“, sagte er weiter, fügte aber hinzu: „Historisch wird es wohl aus einem Grund sein: Es dürfte künftig unerreicht bleiben, weil die Bedingungen immer schwerer werden.“

Damit sprach Thelen auch die Problematik des illegalen Glücksspiels an, dessen unlizensierte Verkaufsstellen und Anbieter der „Loterie Nationale“ und damit der „Œuvre“ stark schaden. „So wird es auf jeden Fall nicht weiter gehen, wenn nicht auch der politische Willen entsteht, etwas an dieser Situation zu ändern“, meinte auch Léon Losch, Direktor der Nationallotterie. „Diese illegale Konkurrenz nimmt uns Marktanteile ab.“

Nicht ganz 20 Millionen Euro verteilt

So wird es immer schwieriger, die Nationallotterie-Produkte an den Mann zu bringen. „Trotzdem kommen noch immer fast 75 Prozent unserer Einnahmen aus dem traditionellen Lotto-Spiel“, erklärte Losch gestern. Traditionsträger wie „Euromillions“ oder „Lotto“ seien aber längst nicht mehr die selbstverständlichen Erfolgsgaranten. „Deshalb war es so wichtig, dass wir uns hier neue Produkte einfallen ließen“, meint er.

Neues gab es auch beim Rubbelspiel: „Wir haben da mehrere neue Produkte gestartet, deshalb sind wir sehr stolz darauf, dass der Umsatz hier um 15 Prozent hinauf ging und mehr als 9,5 Millionen Lose verkauft wurden“, bestätigt er. Weniger gut lief es hingegen bei den Sportwetten, wo ein deutliches Minus zu verzeichnen ist. Unterm Strich stehen hier nur etwas mehr als vier Millionen Euro - „Hier haben wir eindeutig den Anschluss ans Digitale bislang verpasst gehabt“, bestätigt Losch. Aber er gelobte Besserung: Unter www.pmu.lu soll man schon sehr bald online aufs richtige Pferd setzen dürfen. „Das soll uns ein paar Marktanteile zurück gewinnen“, meinte er zuversichtlich. Mit Recht, denn auch sonst hat die Nationallotterie keinesfalls den digitalen Zug verpasst, kann man sein Los doch schon etwas länger direkt online erwerben. Fünf Millionen Euro Umsatz über das Internet seien eindeutig, meinte Losch.

„Natürlich gilt unser Dank auch den 450 offiziellen Verkaufsorten“, betonte er mit Blick auf die lizensierten Händler, die das Lotteriespiel in Tankstellen, Bars, Cafés und im Einzelhandel anbieten. „Ohne sie wäre das natürlich auch alles nicht machbar.“ Entsprechend viel investiere die „Loterie Nationale“ deshalb auch in Ausbildungsmaßnahmen, damit die öffentlichen Vertreter im Kontakt mit den Kunden souverän auftreten können.

Auch ein Thema: Das faire Spiel. „Klar kommunizierte Gewinnchancen und kein Verkauf an gefährdete Personen“, meinte Losch. „Das geht nur gemeinsam mit den Verkäufern.“ Da wären wir wieder beim illegalen Glücksspiel. Wir erinnern uns: Dieses trifft auch Glücksspielsüchtige schwer, wie Beratungsstellen bestätigten. Und auch in den Kassen der Lotterie klingelt es nicht.

Dennoch: Mehr als 21 Millionen Euro bleiben, nachdem die Lotto-Gewinner ihr Preisgeld erhalten haben, übrig. Fast 20 Millionen Euro (genauer: 19,7 Millionen) wurden davon schlussendlich verteilt - an die unterschiedlichsten Projekte, vom Kultur-Event über Umweltschutz bis zum sozialen Engagement. „Das ist, was bleibt: Ein Einsatz für die Gesellschaft des Großherzogtums“, so Thelen. Und Losch rechnet es aus: Im Schnitt spielen die Menschen in Luxemburg pro Kopf jede Woche um zirka 3,20 Euro. Fast ein Viertel davon geht an das „Œuvre“-Hilfswerk. „Pro Kopf sind das zwar nur kleine Summen, aber sie machen den Unterschied“, meinte Losch. „Jedes mal, wenn man Lotto spielt, geht etwas an die Gesellschaft zurück.“

Insgesamt waren es so 112 Projekte, die von einer Unterstützung aus der Schatzkammer der „Œuvre“ profitieren konnten. Zu den häufigen Benefiziären gehört unter anderem das Rote Kreuz oder Caritas, aber auch der nationale Kulturfonds. „Sehr viel fließt in die Projekte, die sich mit der sozialen Inklusion beschäftigen“, meinte Thelen. „Das bleibt ganz klar unsere Stärke.“

Die „Œuvre“ setze dabei auf innovative, moderne und starke Projekte, die am Puls der Gesellschaft sind. „Alle müssen sie eine Aufgabe erfüllen, die derzeit nicht anders abgedeckt ist. Dadurch erhalten wir immer mehr verschiedene, vielfältige und diverse Projekte“, sagte er.

So etwa das Musiktherapieprojekt der „Gesellschaft fir Musiktherapie zu Lëtzebuerg“ zugunsten von Flüchtenden mit Asylstatus. Acht Musiktherapeuten haben während zwei Jahren Menschen betreut, die mit großen Traumata aus ihren Herkunftsländern geflüchtet sind. Die Musiktherapie habe ihnen hierbei zu neuem Selbstbewusstsein verholfen, erklärte die Leiterin.

Auch bei der Umwelt stiftet die „Œuvre“ an unterstützungswürdige Projekte; das „Visioune brauche Leit, Leit brauche Visiounen“-Engagement des „Mouvement Ecologique“ sei da ein gutes Beispiel, wie Präsidentin Blanche Weber gestern erklärte. „Wir zeigen, dass sich gesellschaftliches Engagement auch heute noch lohnt!“

Bleibt die 75-Jahr-Feier der „Œuvre“. „Wir können natürlich nicht mit dem Weihnachtsfest konkurrieren“, meinte Thelen mit Blick auf das eigentliche Stichdatum - die „Œuvre“ wurde 1944 pünktlich zu Weihnachten gegründet. Herhalten soll deshalb der Folgemonat: Am 23. Januar soll gefeiert werden, dies in dem Konferenzzentrum auf Kirchberg.

Mehr Informationen zu den unterstützten Projekten unter www.oeuvre.lu