WILTZ
NORA SCHLEICH

Angestrengte Lachmuskeln beim Wiltzer Publikum

Lustig und heiter ging es am Sonntagabend beim wartenden Publikum in Wiltz zu. Die Leute hatten demnach nicht nur Decken und dicke Jacken mitgebracht, sondern vor allem richtig gute Laune, die sich alsbald steigerte, als ER die Bühne betrat. Tun musste der ältere Mann zunächst nicht viel, seine Erscheinung, sein verschmitztes Lächeln, seine Haltung insgesamt - dies bescherte ihm die ersten Lacher, bevor er überhaupt etwas sagen konnte. Helge Schneider, mittlerweile 62, ist ein Unikum durch und durch und konnte mit seiner Darbietung alle Erwartungen erfüllen oder gar übertreffen. Zusammen mit seinen, laut ihm eher mittelmäßigen fünf Bandkollegen, unterhielt er das Wiltzer Publikum anderthalb Stunden lang mit Witz, Musik, und mal mehr oder weniger geistreichen, aber stets lustigen, Anekdoten.

Bekennender „Teeist“

Die Herzen der Luxemburger konnte der Künstler natürlich direkt gewinnen, sprach er doch tatsächlich „Luxemburgerisch“, wenngleich auch nur „phonetisch richtig“, und lobte Wiltz als einen dermaßen bekannten Ort, schließlich „steht es ja in meinem Kalender“! Und auch das Geläute der Kirchturmglocken habe den Meister nicht aus dem Konzept gebracht, sondern gab Anlass zur Frage, ob Luxemburg nicht eigentlich atheistisch wäre? Seines Zeichens sei Helge ja bekennender „Teeist“, und schwöre darum auf Kamillentee, der schließlich auch bereits von Beethovens Bruder getrunken wurde. So wurden die Performances stets von einem „Tee, bitte!“ unterbrochen, der von seinem Lehrling, der erst seit 23 Jahren mit dabei und noch in der Probezeit ist, serviert wurde.

Solch einfache, aber durchaus geistreiche Wortspiele sind Helge Schneiders Kapital. Fragt man sich, was den Witz bei Helge eigentlich ausmacht, ist es diese stets wiederkehrende Wendung ins Unerwartete und Unvorhersehbare, das einen zum Lachen bringt. Und da braucht es eben nicht immer viel: „Hochzeit heißt auf Mexikanisch.... Wedding!“. Selbst als Helge seine Gitarre zu stimmen versucht - „stimmt nicht ganz, aber wen stört’s?“ - hört man die Menge prusten. Aber ganz bestimmt ist es die gute Laune von Helge selbst, die diese positive und heitere Atmosphäre bedingt. Er amüsiert sich prächtig auf der Bühne, und steckt so sein ganzes Umfeld an. Hinzu kommt noch, dass der Meister selbst, genauso wie die Band, ihr musikalisches Handwerk ausgezeichnet beherrschen, was unter anderem ein beeindruckendes Solo des Schlagzeugers unter Beweis stellen konnte.

Politisch semikorrekt

Ein Highlight der Show war aber mit Sicherheit die Udo Lindenberg-Parodie, die der Künstler zum Besten gab. Die Menge johlte, als sich ein nuschelnder Helge als Lindenberg-Double über die Bühne bewegte und dann ganz begeistert zum Schluss anmerkte: „Die Leute meinen immer, der wär‘ das wirklich! Dabei bin bloß ich das, der die Stimme nachmacht!“ Und auch hier tut sich wieder der unverkennbare Witz Schneiders auf, der sich aus der Überbetonung des eigentlich Offenkundigen ergibt. Seine durchweg sympathische Art lässt einen zudem die politische Semikorrektheit verschiedener Statements mit einem Augenzwinkern deuten, wobei auch diese meist von einer unterschwelligen Tiefgründigkeit begleitet sind.

Alles in allem dürften die Besucher des fast ausverkauften Konzerts vollends auf ihre Kosten gekommen sein, so ließ es zumindest die gute Laune und das herzhafte Lachen des Publikums erscheinen. Doch auch der gut organisierte Rahmen der Veranstaltung trug dazu bei, dass sich die Gäste trotz der etwas herbstlichen Temperaturen durchweg wohlfühlen und ihre Lachmuskeln gemeinsam trainieren konnten.