Im ersten Moment stockte man gestern, als die MIPEX-Studie 2015 vorgestellt wurde: Luxemburg belegt insgesamt den 15. Platz und erreicht den besten Platz ausgerechnet bei der politischen Partizipation, wo man auf den zweiten Platz unter den 38 untersuchten Ländern kommt.

Seinen zweitbesten Score erreicht das Land beim Zugang zur Staatsangehörigkeit, wo es den siebten Platz belegt. Seine schlechtesten Bewertungen erhält es bei den Möglichkeiten, die es Immigranten für die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt bietet - Platz 30 - und den Mitteln, sich gegen Diskriminierungen zu wehren (29. Platz). In den anderen vier Bereichen Bildung, Familienzusammenführung, Gesundheit und ständiges Aufenthaltsrecht landet das Land im Mittelfeld.

Wie weit funktioniert die Integration und was bleibt in den einzelnen Ländern zu tun, sind die Fragen, mit denen sich MIPEX auseinandersetzt. Mittelfeld für eines der Länder, das am meisten Zuwanderung verzeichnet und das weltweit mit den höchsten Ausländeranteil hat - damit können wir uns insgesamt gesehen nicht zufrieden geben.

Wenn die MIPEX-Forscher einerseits gute Punkte verleihen für die politische Partizipation, so konstatieren sie andererseits für Luxemburg das größte Demokratiedefizit unter allen Ländern - dank Referendum ein bekanntes Phänomen. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch, denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Zugang zur Staatsangehörigkeit und damit zum Wahlrecht sind vergleichsweise gut, vor allem für die politische Beteiligung in den Gemeinden. Aber die Realität sieht nun einmal anders aus: Nur sehr wenige hätten die Staatsbürgerschaft angenommen, hieß es gestern von den Forschern. Viele wählten den anderen Weg der Partizipation - die sogenannte informelle Partizipation über die Zivilgesellschaft. Dazu zählt man alles, was eben nicht Wahlrecht ist - Berufskammern oder andere Interessenvereinigungen beispielsweise. Für weniger Gebildete sei das Wahlrecht wichtig, weil sie andere Wege der Partizipation nicht so nutzen wie gebildetere Gruppen, hieß es gestern.

Empfohlen wird nun einerseits, das „ius soli“ einzuführen - die Staatsangehörigkeit nach dem Geburtsortprinzip. Wobei sich die Frage stellen wird, ob es rückwirkend für alle hier im Land Geborenen gelten soll und auch für die, die gar nicht mehr hier leben? Ansonsten hieße es, dass sich die wachsende Zahl der Wähler erst in rund zwanzig Jahren so langsam bemerkbar machen wird. Andererseits sollten die Anforderungen an die Kenntnisse der luxemburgischen Sprache gesenkt werden - die Empfehlung sie ganz abzuschaffen, kam jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil sprach man vom guten Integrationswillen, der sich darin ausdrücke. Das scheint ja auch der politische Konsens zu sein, der sich nach dem Referendum nun abzeichnet. Warum der Bereich der Bildung und die massiven Nachteile, die Immigrantenkinder hier verzeichnen nicht stärker hervorgehoben wurden, bleibt verwunderlich. Zumal die Reformfähigkeit in diesem Bereich, der entscheidende Weichen für die gesellschaftliche Teilhabe und das spätere Lebensniveau stellt, derzeit die größere politische Baustelle ist.