Der luxemburgische EU-Ratsvorsitz ist zwar gerade erst einmal einige Tage alt, doch insbesondere Premier Bettel und Finanzminister Gramegna werden sich angesichts der jüngsten Eskalation in der Griechenland-Krise jetzt schon insgeheim einige Urlaubstage herbeisehnen, aber das dürfte während einer „Présidence“ reines Wunschdenken sein. Xavier Bettel sieht man dann auch schon seit einiger Zeit nicht mehr ganz so oft lächeln, wie er das in der Vergangenheit mit viel Verve getan hat, aber angesichts der Aufgaben, die den Regierungschef auf europäischer, aber auch auf nationaler Ebene erwarten, ist das nur verständlich. Überhaupt wirkt der Anführer von Blau-Rot-Grün im Vergleich zu früher um einiges gereift, sprich staatsmännischer, was seinem Auftreten auf der internationalen Bühne aber zugutekommt.

In den letzten Tagen und Wochen hatte Bettel dann auch des öfteren Gelegenheit, sein politisches Geschick unter Beweis zu stellen, hatte er doch eine mehr als gut gefüllte Tagesordnung zu bewältigen, die fast schon an das Arbeitspensum von Außenminister Asselborn heranreicht.

Aus den USA kommend, wo er nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate für den Wirtschaftsstandort Luxemburg warb, hatte der Regierungschef in den beiden letzten Wochen gleich mehrmals Gelegenheit, seinen griechischen Counterpart in Aktion zu erleben, so zuletzt am Dienstagabend auf einem weiteren Griechenland-Gipfel in Brüssel, und am Mittwochmorgen im Europaparlament in Straßburg, wo er die Prioritäten der luxemburgischen EU-Ratspräsidentschaft vorstellte, ehe er dann am Nachmittag im Parlament auf Krautmarkt im Rahmen einer Griechenland-Erklärung seinem Frust über das Benehmen der griechischen Regierung Luft machte. So hätten die EU-Staats- und Regierungschefs dem griechischen Premier auf dem Sondergipfel erneut die Hand gereicht, doch dieser habe seine Hände in den Taschen gehalten. Die Geduld habe langsam aber sicher ein Ende, ärgerte sich Bettel, der in den nächsten Tagen, die diesmal vielleicht tatsächlich entscheidend sein könnten, als aktueller Ratsvorsitzender nicht viel Schlaf bekommen dürfte.

Nicht weniger gefordert ist in diesen Tagen aber auch Finanzminister Pierre Gramegna, der, nachdem er vergangenen Woche im Zusammenhang mit der Griechenland-Krise schon einen Auftritt bei Anne Will hatte, gestern im ZDF-„Morgenmagazin“ noch einmal die Position des luxemburgischen Ratsvorsitz darlegen konnte, nämlich dass eine Umschuldung ein Thema sei, das „man vielleicht, vielleicht im Rahmen eines Gesamtpakets“ diskutieren könne, womit Gramegna aber keinen Schuldenschnitt meinte.

Wenn diese Zeilen erscheinen, dürfte sich jedenfalls entschieden haben, wie es mit Griechenland weitergeht. Wenn nämlich die griechischen Reformvorschläge, die bis Mitternacht vorliegen mussten, nicht glaubhaft und wie in der Vergangenheit bereits nicht präzise seien, wie Gramegna sich ausdrückte, dann könne man sich ja nicht erwarten, dass auf der anderen Seite viel Verständnis möglich sei. Die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft ist nicht zu beneiden...