LUXEMBURG
MARCO MENG

Privatbanken müssen sich gegen schrumpfende Erträge wappnen

Das Volumen des von luxemburgischen Privatbanken verwalteten Vermögens hat 2016 um weitere drei Prozent auf 361 Milliarden Euro zugenommen. Das gab die „Private Banking Group Luxembourg“ (PBGL) des luxemburgischen Bankenverbands ABBL gestern bekannt, die zum zehnten Mal ihren jährlichen Überblick über das Private Banking in Luxemburg vorlegte. Damit sind die Kundengelder in diesem Bankensegment seit 2010 (269 Millionen) um 34 Prozent gestiegen.

Der Private-Banking-Sektor im Großherzogtum befindet sich in einer entscheidenden Umbruchphase. Gelänge es den hiesigen Privatbanken nicht, sich rechtzeitig auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen, müssten sie mit empfindlichen Ertragsrückgängen rechnen, wie eine Private-Banking-Studie der Unternehmensberatung zeb vor zwei Tagen mitteilte. Dessen sind sich die Privatbanken bewusst, wie PBGL-Präsident Pierre Etienne von Pictet & Cie (Europe) gestern erklärte.

Steigender Aufwand

Trotz Zunahme von Kundengeldern sank letztes Jahr der Ertrag, den Banken damit erwirtschaften, um 1,2 Prozent. Der Rückgang sei nicht dramatisch, wie Etienne erklärte, aber er zeige, dass man mit einem Rückgang der Profitabilität zu kämpfen hat.

Dass die Banken trotz einem Mehr an Geldern weniger damit verdienen, begründet die Gruppe zum einen damit, dass viele kleinere Kunden generell profitabler seien als weniger Große, wohin allerdings in den letzten Jahren deutlich der Trend geht. Zum anderen seien bei historisch niedrigen Zinsen die Operationskosten gestiegen, auch auf mehr Komplexität durch Vorschriften, die zu erfüllen seien, gehen mit gestiegenen Kosten einher. Derzeit arbeiten die Privatbanken vor allem an der Umsetzung der kommenden MiFID II-Vorgaben sowie der Anti-Geldwäscheregelung AMLD 4.

Verändertes Kundenprofil

Die Zahl der Kunden mit weniger als einer halben Million Euro Anlagesumme sank letztes Jahr weiter auf nunmehr zwölf Prozent der gesamten von Privatbanken verwalteten Kundengeldern. „Wir befinden uns in einem historischen Transformationsprozess, was das Kundenprofil betrifft“, sagte Etienne.

Kunden mit einem Vermögen von mehr als fünf Millionen Euro stellen hingegen inzwischen 71 Prozent des Gesamtvermögens, das Privatbanken in Luxemburg anvertraut wird. 2011 waren es noch 57 Prozent gewesen. Das hat auch Effekte auf die Strategie vieler Privatbanken, die mittlerweile stark auf das Klientel „High Net Worth Individuals“, also Superreiche, zählen. Für die muss es dann aber auch entsprechende Angebote geben.

Gleichzeitig geht die Internationalisierung der Kundschaft weiter voran. Nach der Implementierung des Bankdatenaustausches und faktischem Wegfall des Bankgeheimnisses sind es in diesem Segment weniger deutsche, belgische oder französische Kunden. 60 Prozent der Kundengelder des luxemburgischen Privatbanksektors kommen zwar aus den EU-Mitgliedsländern, während aus der Schweiz und anderen europäischen Nicht-EU-Mitgliedsländern zehn respektive neun Prozent der Kundengelder kommen. Der Rest kommt vor allem aus Lateinamerika und Nahem Osten - mit zunehmendem Trend. Kunden aus China zählt die hiesige Branche eher weniger - es sei ein stabiles Segment, hieß es.

Der PBGL sind 56 Banken in Luxemburg angeschlossen. Das Privatbankgeschäft in Luxemburg zählte Ende 2016 rund 7.000 Beschäftigte, das sind etwa 25 Prozent der im gesamten Bankensektor Beschäftigten und stellt eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent dar. Zum Vergleich: Im Bankensektor insgesamt war es eine Zunahme an Beschäftigten um 0,5 Prozent gewesen.