PASCAL STEINWACHS

Ob es sich tatsächlich um eine „Revolution“ handelt, wie der designierte EU-Kommissionschef am Mittwoch bei der Vorstellung seiner EU-Mannschaft mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein meinte, das wird die Zukunft zeigen, aber Fakt ist, dass Jean-Claude Juncker mit der Besetzung einiger Schlüsselressorts ein geschickter Schachzug gelang.

Ausgerechnet den britischen Europaskeptiker Jonathan Hill zum Finanzkommissar zu machen, zeugt nämlich von einer gehörigen Portion Chuzpe, ebenso wie die Ernennung des Franzosen Pierre Moscovici zum Wirtschaftskommissar, hat Frankreich doch immer noch gehörige Probleme beim Schuldenabbau, so dass böse Zungen nun sagen, mit Moscovici steige der Brandstifter zum Feuerwehrhauptmann auf. Die Berufung Hills ist indes als großes Zugeständnis an Premier David Cameron zu sehen, damit das Land, das 2017 über einen EU-Austritt abstimmen soll und demnächst vielleicht sogar Schottland verlieren könnte, in der EU bleibt. Juncker selbst meinte mit einer gewissen Ironie, dass „unsere britischen Freunde“ die Politik der Kommission nun vielleicht besser verstehen, „wenn sie in der elegantesten Version der Sprache Shakespeares erklärt wird“.

Auffallend auch, dass weder Deutschland noch Großbritannien noch Frankreich einen der Vizepräsidentenposten abbekommen haben, was wohl zur Beruhigung der kleineren Länder beitragen soll, die sich ansonsten wieder übervorteilt gefühlt hätten. Dass der aktuelle Energiekommissar Günther Oettinger, der bislang einer der Vizepräsidenten war, in der Juncker-Kommission nur Digitalkommissar wird, das dürfte Bundeskanzlerin Merkel, der ja nachgesagt wird, sowieso die heimliche Königin Europas zu sein, verkraften, wird sie ihren Wünsche doch mit Sicherheit direkt bei Juncker geltend machen und nicht über den Umweg des deutschen Kommissars.

Als eine Art kopernikanischen Revolution verkaufte Juncker bei der Vorstellung seines „Siegerteams“ indes die neue Rolle seiner sieben Vizepräsidenten (die Barroso-Kommission hatte gar neun Vizepräsidenten, auch wenn Viviane Reding immer so tat, als sei sie die einzige Vizepräsidentin), die in Zukunft „koordinieren, animieren und leiten“ sollen, was den Luxemburger LSAP-Minister Nicolas Schmit (der im Falle einer Nicht-Wahl Junckers ja selbst Kommissar geworden wäre) gegenüber einer Zeitung zur bissigen Bemerkung verleitete, wer denn bitte der Koordinator sein solle, der koordiniere, was die vielen Vizepräsidenten koordinieren sollen.

Juncker selbst scheint sich in seiner neuen Rolle als zukünftiger „Hercule Grün“ Europas jedenfalls pudelwohl zu fühlen, stand er diese Woche nach einjähriger, unfreiwilliger Abstinenz doch endlich wieder dort, wo er so lange nicht mehr war, nämlich im Rampenlicht der internationalen Medien.

Und in Luxemburg darf Claude Wiseler jetzt endlich CSV-Fraktionschef werden, ein Job, den bis jetzt - zumindest offiziell und gehaltsmäßig - immer noch Jean-Claude Juncker inne hatte. Die Gratulationswünsche der CSV an ihren früheren Oberchef kommen dann auch von ganzem Herzen...