LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Der historische Wanderweg in Kehlen ist ein Trip durch Jahrtausende

Eine römische Villa soll dem Ort den Namen gegeben haben, jene des Callido. Aus Callidovilla wurde über die Jahrhunderte Kehlen, das in gallo-römischer Zeit stark besiedelt gewesen sein muss. Davon zeugt eine immense Vielfalt von Artefakten aus dieser Zeit, die bislang zutage gefördert wurden. Zur heute über 6.000 Einwohner zählenden Gemeinde im Westen des Landes gehören auch Keispelt, Meispelt, Dondelingen, Olm und Nospelt. Letzteres bekannt als Hochburg des „Péckvillchen“ aber auch des „Ausgräbermuseums“ der „Georges Kayser Altertumsfuerscher“, die die archäologische Arbeit des Pfarrers weiter führen, besonders am gallo-römischen Gutshof bei Göblingen. 

Lëtzebuerger Journal

An einer wichtigen römischen Wegkreuzung

Auszugraben gibt es tatsächlich noch einiges. So zeigen Luftbilder von Feldern aus dem Sommer 2018 die Umrisse von Fundamenten einer womöglich großen Villa nordwestlich von Kehlen. Ob es die von Callido war? Vielleicht erfahren wir es irgendwann. Fakt ist, dass Kehlen an der Intersektion zweier wichtiger römischer Straßen lag, die sich womöglich auf den Höhen von „Schéimerech“ kreuzten, wo auch eine Kultstätte vermutet wird, auf der die heutige Kirche stehen soll. Hier könnte einst auch eine imposante Säule zu Ehren des Göttervaters Jupiter gestanden haben. Jedenfalls hat man einen wuchtigen Stein gefunden, der die Basis der Säule gebildet haben dürfte. Vier Götter mussten auf dem Stein, der zum christlichen Altar umfunktioniert wurde, abgebildet sein. Herkules erkennt man noch eindeutig durch seine Keule, das andere erhaltene Bildnis könnte Apollo gewesen sein. Am Friedhof auf „Schéimerech“ steht ein Faksimile des Steins, den echten kann man im kunsthistorischen Museum sehen.

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Hunderte Grabsteine aus dem 16. bis 18. Jahrhundert

„Schéimerech“, in Quellen ab dem 10. Jahrhundert als „Schönberg“ verzeichnet, hat allerdings eine weniger schöne Geschichte. Die Legende geht, dass hier einmal ein florierendes Dorf stand, dessen Einwohner von der Pest hinweggerafft wurden. Spuren des Dorfes wurden bislang nicht gefunden. Tatsächlich müssen in der Gegend Bauernhöfe gelegen haben, die wohl in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) niedergebrannt wurden. In den Feldern finden sich immer noch Scherben aus der Zeit sowie Brandspuren. Und Gräber.

In einer außergewöhnlichen Ansammlung sind auf dem Kehlener Friedhof über 250 Grabsteine aus der Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert zu finden. Manche davon standen sicher schon um die Pfarrkirche von „Schönberg“, die in früheren Jahrhunderten imposanter war als heute. Nach dem Abriss der baufälligen Teile im Jahr 1905 ließ man nur noch den Chor übrig. „Schéimerech“ ist eins der Highlights auf dem 2009 von der Kehlener Kulturkommission angelegten historischen Wanderwegs über acht Kilometer, der unter anderem zu ehemaligen Kalköfen und fränkischen Gräbern, zum „Brameschhaff“ und zu Kapellen, aber auch durch ein schönes Stück Natur. Deshalb: Auf nach Kehlen und immer dem Herkules nach.  

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