LUXEMBURGSIMONE MOLITOR

Analyse der Uni bestätigt Probleme in der Berufsausbildung - Fünf Aktionsfelder definiert

In der Berufsausbildung liegt der Karren im Dreck. Die Umsetzung der Reform aus dem Jahr 2009 endete in einer katastrophalen Situation. Der Ruf nach einer Reform der Reform wurde seither immer lauter. Bereits unter Bildungsministerin Mady Delvaux waren Versuche der Schadensbegrenzung unternommen worden, beziehungsweise war zumindest eine Stärken-Schwächen-Analyse in Auftrag gegeben worden, die aber nie veröffentlicht wurde. Das Problemdossier erbte schließlich Nachfolger Claude Meisch, der im Februar 2015 auch einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg brachte, der eigentlich bereits zur diesjährigen Rentrée hätte Realität werden sollen. Das Vorhaben scheiterte jedoch an Artikel 32.3 der Verfassung. Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, muss besagter Artikel abgeändert werden. „Bis Februar wird das verfassungsrechtliche Problem wohl gelöst sein“, meinte Minister Meisch gestern, sodass das Gesetz bis Schulanfang 2016 umgesetzt werden könne.

Verhängnisvolle Anhäufung nichtbestandener Module

Das, was sich innerhalb der Berufsausbildung als größtes Problem entpuppte, war eigentlich als Vorteil gedacht: Trotz nichtbestandener Module kam der Auszubildende ins nächste Jahr. Die Module konnten zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Viele Schüler hatten aber plötzlich derart viele Module nicht bestanden, dass an eine Wiederholung und Aufarbeitung der Defizite nicht mehr zu denken war. Die gestern vom Bildungsministerium nachgereichten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Insgesamt müssen aktuell 14.876 Module nachgeholt werden. Was die Ausbildungen zum Erwerb eines CCP (certificat de capacité professionnelle) anbelangt, so wurden 7,6 Prozent der Module nicht bestanden, im Bildungsgang, der zum „diplôme d’aptitude professionnelle“ (DAP) führt, waren es neun Prozent, in der Ausbildung zum Erwerb eines Techniker-Diploms (DT)zehn Prozent.

Keine komplette Neuauflage der Reform

Die Kritikpunkte, die eine Analyse der Universität Luxemburg im Auftrag des Bildungsministeriums nun zu Tage gebracht hat, sind keineswegs neu. „Wir haben bereits versucht, auf punktuelle Probleme zu reagieren“, sagte der Minister. Dass das nicht reicht, ist selbst ihm bewusst. Eine komplett neue Reform der Berufsausbildung schließt er aber aus, vielmehr gelte es, die 2009 eingeführten Mechanismen „weiterzuentwickeln und nachzubessern“. Die gute Qualität der Berufsausbildung sei von keinem der befragten Akteure angezweifelt worden, unterstrich Meisch, der das Ergebnis der Evaluierung aber auch nicht schönreden wollte.

Keine automatische Versetzung mehr

Fünf prioritäre Aktionsfelder wurden nun definiert. Es wird klar festgelegt, wie viel Prozent der Module bestanden werden müssen, um ins nächste Ausbildungsjahr zu kommen. Auch die Bewertung der Module an sich wird überdacht. Ansetzen müsse man außerdem bereits bei der Orientierung, wie Meisch hervorhob: „Einer der Schwachpunkte ist, dass die Lehrlinge häufig nicht das nötige Profil haben, um in der jeweiligen Ausbildung zu bestehen. Wir werden deshalb eine klare Beschreibung der Kompetenzen für die jeweiligen Ausbildungswege definieren“. Das duale System, das sich aus einer theoretischen Ausbildung in der Schule und einer praktischen Ausbildung in den Unternehmen zusammensetzt, hat sich bewährt und wird deshalb ausgebaut. An einer Überarbeitung der Programme und Inhalte der 120 Ausbildungen komme man indes nicht vorbei, stellte Meisch fest. Diese „Herkulesaufgabe“ sei zwar im Vorfeld der Reform von 2009 erfüllt worden, jedoch habe man eine Reihe von Inkohärenzen zwischen den verschiedenen Ausbildungsgängen festgestellt. Um Spannungen zwischen dem Ministerium, den Schulen und den Berufskammern künftig auszuschließen, wird zwecks Wiederbelebung des Dialogs außerdem das „Comité de la formation professionnelle“ unter dem neuen Präsidenten Jean Billa reaktiviert.