BERLIN
ELKE VOGEL (DPA)

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick wird 65

Hut, Schal und wenn es auf dem roten Berlinale-Teppich mal wieder ganz scheußlich frostig ist: schwarze Ohrenschützer, auf denen das goldene Festival-Bärchen prangt. Das sind die Markenzeichen von Dieter Kosslick, dem Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz begrüßt der Festivalchef jedes Jahr im Februar die ganz Großen der Film- und Showbranche: Matt Damon, George Clooney, Madonna, Juliette Binoche, Catherine Deneuve, Michael Douglas, die Rolling Stones, Penélope Cruz, Richard Gere, Jennifer Lopez und Robert De Niro. Drinnen im Kinosaal laufen dann die Filme, die sich um den Goldenen und die Silbernen Bären bewerben. Morgen wird der Herr der Bären 65 Jahre alt.

Arbeit das ganze Jahr über

Und was macht ein Filmfestivalchef, wenn gerade nicht Filmfestival ist? „Ich gehe mit meiner Aktentasche jeden Morgen um halb zehn ins Büro. Ernsthaft: Wir arbeiten das ganze Jahr für das Festival“, sagte Kosslick im Geburtstagsinterview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Ich fahre herum und schaue, was die anderen Festivals zeigen, mache Kontakte, spreche mit Sponsoren und Politikern - und weil ich nicht nur Berlinale-Direktor, sondern auch Berlinale-Geschäftsführer bin, muss ich auch gucken, dass die Kasse stimmt und der Laden läuft.“

Eine Riesen-Party zu Kosslicks rundem Geburtstag gibt es nicht. „Nein, ich bin da eher schüchtern. Es gibt sogar eine Art von Geschenke-Verbot. Ich feiere privat im kleinen Kreis.“ Überhaupt sei das Alter ja eine Frage der Betrachtung. „Am 1. Juni beginnt mein neuer Vertrag als Berlinale-Direktor“, sagte Kosslick, der die Filmfestspiele seit dem Jahr 2001 leitet. „Und am 1. Juni bin ich genau 30 Jahre im Filmgeschäft. Ich bin ehrgeizig, ich habe noch etwas vor mit der Berlinale“, kündigte Kosslick an.

Intermediale Vertriebsstrategien

„Wir werden den aus allen Nähten platzenden European Film Market für professionelle Filmeinkäufer ausbauen. Auch qualitativ hochwertige Fernsehproduktionen werden in Zukunft bei der Berlinale eine größere Rolle spielen“, so der Festivalmacher. „Wir arbeiten an intermedialen Vertriebsstrategien, dazu zählen Internet und Fernsehen. Der Talent Campus steht gut da“, so Kosslick mit Blick auf Nachwuchsförderung.

„Wir haben als größtes Publikumsfestival der Welt den Draht zu den Zuschauern - das ist zum Beispiel der Unterschied zu Cannes und Venedig“, betonte der Berlinale-Chef, dessen Festival in Dauerkonkurrenz zu den beiden anderen großen Filmfestspielen steht.

„Mit dieser Mischung sind wir gut für die Zukunft gewappnet. So werden wir unsere Position halten.“

Der Baden-Württemberger Kosslick fing in den 70er Jahren in Hamburg als Redenschreiber und Büroleiter des damaligen Ersten Bürgermeisters Hans Ulrich Klose an. Später war Kosslick Frauenbeauftragter der Hansestadt. Er arbeitete als Redakteur bei der Zeitschrift „Konkret“, 1983 ging er in die Filmförderung. Dort war er zunächst Geschäftsführer des Hamburger Filmbüros, das dank seiner Kontakte in die Politik rasch expandierte und die Stadt zu einem bedeutenden Filmstandort machte.

1988 wurde Kosslick Geschäftsführer der wirtschaftlichen Filmförderung Hamburgs. 1992 holten ihn das Land Nordrhein-Westfalen und der WDR an den Rhein. Dort leitete er die Filmstiftung NRW, die er in neun Jahren zur wohl bedeutendsten Filmförderanstalt in Deutschland machte.

Heute heißt es für Kosslick: Nach dem Filmfestival ist vor dem Filmfestival. Vom 6. bis 16. Februar 2014 steigt die 64. Berlinale. Und natürlich sichtet der Berlinale-Leiter ständig neue Filme, die für das Festival infrage kommen könnten. „Ich sehe rund 250 Filme im Jahr. Dabei versuche ich, mir den Blick des „normalen“ Kinogängers zu bewahren“, so Kosslick.