CORDELIA CHATON

Gott führen US-Präsidenten gern im Mund, Donald Trump ist da keine Ausnahme. Allein bei der letzten Rede zum Erntedankfest sprach er acht Mal über Gott und die Beziehung des Herrn im Himmel zu den USA. Nun gibt es im christlichen Glauben besondere Verpflichtungen; beispielsweise die, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst. Für Kinder gelten natürlich besondere Regeln, sehen sich doch die Gläubigen als Kinder Gottes.

Wer meint, dass dies einen Einfluss auf die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten hat, der liegt ganz falsch. Schon jetzt sind über 2.300 Kinder von ihren Eltern getrennt und in Lager gebracht worden. Ihr Verbrechen? Entweder werden die Eltern - meist aus Mexiko oder südamerikanischen Staaten - als illegale Einwanderer eingestuft oder aber sie haben Asyl beantragt, ganz legal. Viele Amerikaner, auch Republikaner sind empört; nicht nur wegen des Glaubens und des Stellenwerts der Familie, sondern wegen der Unmenschlichkeit. Doch Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen spricht davon, dass sie sich nicht dafür entschuldigen werde, ihren Job zu machen. Man ahnt, warum Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine Befehlsverweigerung von Soldaten aus Gewissensgründen für rechtens erklärte: Damit nicht brutalstes Verhalten mit einer einfachen Order von oben begründet werden kann.

Selbst die Damen der Vereinigten Staaten sind sauer angesichts von Berichten über weinende Kleinkinder. Zuletzt hatten neben den früheren First Ladys Hillary Clinton, Laura Bush und Michelle Obama auch Trumps Ehefrau Melania die Trennung der Familien kritisiert – genau wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Doch es geht weiter, im Schnitt mit 66 Kindern pro Tag, die in Aufnahmezentren kommen, wo sie legal viel kürzer bleiben können als die Eltern, denen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren Haft droht. Und wer soll sie abholen? Die Tante aus Guatemala? Wohl kaum.

Viel wahrscheinlicher hingegen sind schwere Schäden bei den Kindern selbst. Die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ berichtet in Deutschland aktuell über die Praxis der Kindererziehung mittels Gewalt und warnt: „Jeder Schlag hat Konsequenzen“. Welche Folgen soll da erst eine traumatisierende Trennung von den Eltern haben, die Unterbringung in einem Lager und die Ungewissheit - und das alles in einem Umfeld, das schlimmstenfalls nicht mal ihre Sprache versteht. Was aus ihnen wird?

Laut William Golding nicht unbedingt etwas Gutes. Der Erfolgsautor des Buches „Der Herr der Fliegen“ vertrat in seinem 1954 unter dem Eindruck der Gräuel des Zweiten Weltkriegs erschienenen Buch die Ansicht, dass die Gewaltbereitschaft in jedem von uns schlummert; auch in unschuldigen Kindern. Je mehr die Kinder in seinem Buch den Bezug zu Zivilisation und Gesetz verlieren, desto mehr schwindet ihre scheinbare Unschuld und Reinheit; Gewalt und Rohheit sind die Folgen. Das lässt Böses ahnen. Immerhin: Nach einem Aufruf Hillary Clintons spendeten Amerikaner fast 150.000 Dollar innerhalb weniger Stunden. Getreu der Einsicht von Martin Luther: „Wenn Du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.“