LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Unterschiedliche Burgengeschichte im Norden und Osten

Der gebirgige Norden des Großherzogtums weist trotz seiner relativen Einsamkeit eine ziemlich hohe Dichte an Burgen und Schlössern auf. Die sich dazu noch durch eine stattliche Größe auszeichnen. Wer und vor allem warum hat man mit den technischen Mitteln des Mittelalters, auf den heute noch wenig zugänglichen Höhenrücken des Öslings so mächtige Burgen gebaut? Ganz einfach: Weil sich dort seit eh und je unterschiedliche Herrschaftsbereiche berührt haben, seien es einfache Adelsherrschaften oder (proto-) staatliche Einflusszonen von Kurfürsten, Herzögen und Kaisern gewesen.
Die Bauten der mittelalterlichen Eliten haben auch nach vier- bis fünfhundert Jahren nicht an Reiz verloren. Selbst wenn es nur noch eine Ansammlung beeindruckender Steine ist, lassen die Burgen des Öslings die wenigsten Besucher kalt. Sie erzählen Geschichte. Die Burgen sind eines der Pfunde, mit dem die Region wuchert. Die Burg von Vianden gehört zu den absoluten Topzielen in Luxemburg, dabei diente die Burg über mehr als hundert Jahre als Steinbruch. Dächer, demontiertes Gebälk, herausgerissenen Hausteine, alles was man so für den Hausbau gebrauchen konnte – erst vor wenigen Jahrzehnten begann der Wiederaufbau der „Hofburg“.
Andere wurden durch den letzten Krieg zerstört, wie die Burg von Clerf. In Anlehnung an eine ehemalige Hymne heißt es dort: „Auferstanden aus Ruinen“ und das besser denn je, denn die Burg in Clerf gibt mit zahlreichen Modellen einen einfachen aber leicht verständlichen Überblick über die Burgen Luxemburgs, zeigt Artefakte der Ardennenoffensive und vor allem beherbergt das Schloss mit der „Family of man“ ein Weltkulturerbe der besonderen Art.

Beaufort und Bourglinster, und dann?

Mit dem Ösling kann der Osten Luxemburgs in Sachen Burgen und Schlösser nicht mithalten. Neben Highlight Beaufort, das die historische Abfolge von Burg und Schloss auf einen Blick zeigt, gibt es noch Bourglinster. Eine Anlage, die trotz ihrer Denkmalfunktion eine moderne und keineswegs störende Nutzung erlebt. Wer sehen will, was nach den Burgen kam, muss einen Blick über die Sauer werfen – auf Schloss Weilerbach, die Sommerresidenz der Äbte von Echternach.

Burgen: Reichlich Arbeit für den Denkmalschutz

Burgen und Schlösser sind in der Regel Denkmäler und – eine Binsenweisheit - gleichzeitig uralt. Beides zusammen bedeutet vor allem eines: Arbeit und ständige Unterhaltsarbeiten. Wer einen Eindruck haben möchte, was alles anfällt und notwendig ist, dem sei ein Blick in den Jahresbericht der Denkmalschutzbehörde (Service des sites et monuments national; SSMN) empfohlen. Je nach Besitzverhältnissen der jeweiligen Burg oder des jeweiligen Schlosses, ob staatlich, kommunal oder in privater Hand, agieren die Denkmalschützer als Projektträger, im Auftrag oder als Berater.
Laut dem Jahresbericht 2019 wurde allein an den auf dieser Seite beschriebenen Burgen folgende Arbeiten durch den SSMN ausgeführt:

Schlösser von Beaufort

Dokumentation und Stabilisierung des Mauerwerks im südlichen Teil des Schlosses; Reinigung und Stabilisierung des historischen Putzes; Einbau neuer Geländer und Handläufe für den Zugang zum Hauptturm.

Schloss Brandenburg

Erstellung von Plänen und Ausschreibungsunterlagen für die Errichtung eines Sanitärgebäudes.

Château de Bourscheid

Beschichtungsarbeiten und elektrische Arbeiten im zweiten und dritten Stock der „Maison de Stolzembourg“; Einbau einer Belüftung im Empfangsgebäude; Einbau einer Fußgängerbrücke, von Handläufen und Geländern zur Sicherung der Außenanlagen.

Schloss Vianden

Reparatur eines Zugangsportals zum Schloss; Austausch von Dachhaken am Dach für zukünftige Arbeiten im Dachbereich; gelegentliche Reparaturen; Einbau neuer Zugangstreppen zum Untergeschoss der Schlosskapelle; öffentliche Ausschreibungen für die Beleuchtung des Daches; Untersuchung zur Sicherheit, die Neugestaltung der Hauptburg-Szenografie, des didaktischen Rundgangs im Außenbereich; Konsolidierungseingriffe an den historischen Mauern an einem Zugangsportal.

Schloss Stolzemburg

Dokumentation und Stabilisierung der historischen Mauern.

Schloss in Bourglinster

Rekonstruktion der großen Außentreppe, die zu den historischen Terrassengärten führt, erste Phase der Dachrenovierung, Erneuerung des Schieferdachs und Blecharbeiten.

Schloss Moestroff

Analyse und Dokumentation der historischen Strukturen des Gebäudes, Landschaftsstudie und Inventarisierung des Parks.