LUXEMBURG
LUC SPADA

Überall kleine Früchte und Gemüseteilchen, die wie Vaginas ausschauen. Du musst die bunten Dinger nur in der Mitte teilen, quetschen, drücken, ziehen oder mit dem Finger drin fummeln. Das Ganze dann in die sozialen Medien laden und schon sind wir der totalen Gleichberechtigung ein Stück näher. Das Zeichen ist klar: Auch das ganze vegetarische Zeug ist auf der Seite der Frau. Wahlweise kann man auch eine Banane, die ja eher wie ein Penis ausschaut, in der Mitte brechen. Es soll ja auch Penisse geben, die durch eine leichte Krümmung „hervorstechen“.

Penisbrüche sind auch nicht so selten, wie man glaubt, aber googelt es auf keinen Fall!! Nochmal: Nicht googeln und bei Bilder nachschauen. Aber: Der Effekt ist klar. Ab in Deckung, Ihr weißen dicken Männer, sonst geht’s an eure Bananen. Metaphorisch gesprochen, klar.

Starke Bilder, die bunt sind, sexuelle Freizügigkeit anspielen, möglichst wenig Text dazu, ein bisschen, aber nie zu viel, in die Tiefe gehen, um große Themen, beispielsweise Gleichberechtigung, zu besprechen. Das Ganze ohne Humor und in Recyclingpapier eingewickelt. Das ist der News - und Denkoutput der aktuellen, ich mag das Wort nicht, Generation.

Hier wird gefickt, lautet die Dauerbotschaft. Schnell, visuell krass und laut. Komplexe Themen werden in ein paar Sätzen runtergerasselt, denn der oder die KonsumentIn will es heftig. Der oder die KonsumentIn will es knapp und kurz, denn der oder die KonsumentIn hat eigentlich gar keine Zeit, denn er oder sie muss arbeiten. Überleben. Schnell. Schneller. Der oder die KonsumentIn braucht etwas Geiles dazwischen. Hier wird gefickt. Du wirst es nicht glauben, bis du hier drauf klickst.

Und es muss geklickt werden, es muss viel geklickt werden, denn wer läuft heute schon zum Kiosk und kauft eine Zeitung aus Papier, zahlt richtiges Geld, wenn alles auch online erhältlich sein kann, für umsonst? Du natürlich, ich weiß. Und ein paar andere. Insgesamt aber gehen die Verkaufszahlen runter, die Klickzahlen müssen immer weiter nach oben, denn dort ist immer Luft, und irgendwann macht es boom, die Google-Server, platziert auf irgendeinem Feld in Luxemburg, reißen auseinander und es bleibt nichts, außer Hülle, ein paar zerfetzte Avocados, faule Bananenstückchen und viele abgefallene Finger, weil letztere zu sehr in den säurigen Säften der Früchte stocherten.

Es braucht soliden Inhalt, das ist alles, mag der Schuljunge denken. Dann finden Rezipient und Absender schon zusammen. Das mag sein, dass es das braucht, aber es braucht auch ein bisschen Glück, ein bisschen Hype, ein bisschen Marketing, ein bisschen Bild, ein bisschen Nackt und ein bisschen Klick. Hauptsache, hier wird geklickt und immer ein bisschen mehr.