LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Vier Mitglieder einer georgischen Einbrecherbande vor Gericht

Vor dem Bezirksgericht Luxemburg hat am Montag ein Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder einer georgischen Einbrecherbande begonnen.

Die Ermittler hatten die georgische Bande ausfindig gemacht, die sich als Flüchtlinge im „Centre d’accueil Logopédie“ in Strassen getarnt hatte, um die Wartezeit des Asylverfahrens für Einbrüche in ganz Luxemburg zu nutzen. Ziele waren vor allem Einfamilienhäuser. Alle 21 bis 42 Jahre alten Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Asylantrag? Deutliches Alarmzeichen

Die Georgier kamen immer in der Nacht. Geblieben ist bei den meisten Opfern Angst. Wer die Täter in Cents, Bartringen, Howald, Belair, Remich, Strassen, Steinfort und Capellen waren, konnte anhand von Überwachungen, Fußabdrücken und DNA festgestellt werden. Einen kleinen Teil der Beute fand die Polizei in drei Autos der Bande wieder. Die hatte bei ihren Einbrüchen alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war: von einem Topf Honig über Laptops, USB-Sticks, Geld, Schmuck, Lippenstifte, Parfüm, einer Impfkarte bis hin zu Statuen. Der Rest der Beute tauchte nie wieder auf. Wenn das Auto vollgeladen war, verschwanden die Räuber.

Diese Art von Kriminellen reist vermehrt als Flüchtlinge ein, stellt einen Asylantrag, um während der Asyl-Prüfzeit auf Diebestour zu gehen.

Laut Ermittler, der am Montagmorgen vor Gericht zur Sache aussagte, würden immer wieder Bürger aus Georgien Luxemburg Asylrecht beantragen. Für die Luxemburger Polizei sei das immer ein Alarmzeichen.

Die Recherchen zu diesem Fall hatten den Polizisten bis zum deutschen Bundeskriminalamt (BKA) geführt. Dort erklärte man ihm, dass es sich um organisierte Kriminalität handeln würde und kein Land in Westeuropa vor diesem Treiben verschont bleibe. Er bekam vom BKA exklusiv Zahlen, die das Problem veranschaulichen: 2014 entstand durch georgische Banden in Deutschland ein volkswirtschaftlicher Schaden von geschätzt 250 bis 350 Millionen Euro.

Laut Ermittler funktioniert solch eine Bande nach eigenen Gesetzen und eigener Hierarchie. Oben stehen die sogenannten Diebes-Autoritäten. Dann gibt es die Statthalter-Ebene, die wiederum regionale Beauftragte der Diebe sind und darunter die ausführende Ebene, die nenne man Soldaten, das sind diejenigen, die dann tatsächlich die Straftaten organisiert begehen. Die Bande werde immer aus dem Ausland gesteuert, berichtete der Ermittler.

Auch die vier Männer missbrauchten das luxemburgische Asylrecht, lebten hier für kurze Zeit in einem Asylheim, seien allerdings schlecht organisiert gewesen. Die Bande benutzte einen alten VW Polo mit polnischen Kennzeichen. Der Wagen soll schon eine Zeitlang abgemeldet gewesen sein. Ein Augenzeuge konnte den ersten Hinweis geben: Am 25. November 2018 ging ein venezolanischer Asylbewerber zum Bahnhof Luxemburg und alarmierte dort die Polizei. Er hatte Fotos von Diebesgut gemacht, das die Bande ihm angeboten hatte. Daraufhin wurden laut Ermittler die Männer umfangreich überwacht, Autos wurden observiert, Telefone abgehört. Als mutmaßlicher Kopf der Bande gilt Juri T., ein 42-jähriger Mann, der laut Anklage Alias-Namen benutzt haben soll. Welche Rolle sein 21-jähriger Sohn Giorgi in der Hierarchie spielt, wurde nicht bekannt.

Er nannte seine Komplizen „Schachfiguren“. Für die 16. Strafkammer ist der Prozess aufgrund der vielen Beteiligten eine echte Herausforderung: Neben den vier Angeklagten müssen zwei Dolmetscher agieren, außerdem waren zum Prozessauftakt eine Menge Polizisten im Saal. Da die vier mutmaßlichen Täter sich keine Wahlverteidiger leisten können, haben sie Anspruch auf juristischen Beistand in Form von Pflichtverteidigern. Vier Rechtsanwälte stehen ihnen daher im Gerichtsprozess zur Seite.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.