LUC SPADA

Warum nur wundern sich so viele Menschen über einen Politiker, welcher (viel) Sex hat(te), betrogen hat oder Machtansprüche an den Tag legt(e)?

David Garrow, Historiker, Autor, hat auch schon den Pulitzer Preis für die Biografie „Bearing the Cross: Martin Luther King Jr. and the Southern Christian Leadership Conference“ erhalten, ist mit einer Neuerscheinung am Start: „Rising Star, The Making of Barack Obama“. Diese ist sicherlich nicht die einzige Biografie betreffend Barack Obama, doch die Aktuelle von Garrow soll vor Ferkeleien nur so strotzen, zwei Worte: Sex und Macht. Ja, der gute Mann hatte Sex, Affären, verschiedene Freundinnen und zudem soll er auch nie ein Geheimnis darum gemacht haben, dass er der mächtigste Mann der Welt werden möchte. Seine Machtansprüche wurden also schon in jungen Jahren deutlich. Mit Erfolg, wie sich später herausstellen sollte.

Jetzt zu einigen „Skandalen“: Frühere Nachbarn des studentischen Obamas sollen sogar ihre Wohnhäuser verlassen haben, um miteinander zu kommunizieren, weil Obama und seine Ex-Affären so laut beim Sex waren. Und auch hat er betrogen, Drogen genommen, Alkohol getrunken. Ja, tatsächlich sogar mehr als die politisch korrekte Norm erlaubt. Auch soll er gelegentlich Beef mit seiner Mama gehabt haben. Wow. Vielleicht hat er gelegentlich sogar ins Waschbecken gepisst, wenn er betrunken nach Hause gekommen ist. Vermutlich hat er auch schon in der Öffentlichkeit gepupst, lautlos, doch geruchsstark und anschließend so getan, als wäre es ein anderer gewesen, weil er doch so besorgt um seinen Ruf war. Ein lupenreiner Ruf muss es sein, wenn du amerikanischer Präsident werden willst, auch ganz im Sinne seines Nachfolgers.

Warum nur wundern sich so viele Menschen, Blogs und vermeintliche Experten über einen Politiker, also auch: einen Menschen, welcher (viel) Sex hat(te), betrogen hat oder Machtansprüche an den Tag legt(e). Besonders dann, wenn er Präsident der Vereinigten Staaten werden wollte. Gehört das nicht zur Agenda? Sonst kann man doch einfach nur Literaturkritiker werden oder Lehrer.

Überraschung! Es ist wirklich keine Überraschung. Ich bin wirklich immer wieder erstaunt, dass es ein Skandal ist, wenn auch ein Präsident einen Blowjob nur ungern ablehnt. Aus männlicher Sicht gesprochen. Ebenso, dass Obama seine (politischen und privaten) Beziehungen scheinbar so gewählt oder gebrochen haben soll, wie sie ihm politisch und karrieremäßig in den Kram passten, ist nicht besonders frappant für das Ziel, was er vor Augen hatte. Vielleicht ist es schade, dass man oft, wenn man ganz nach oben will, miese Tricks anwenden muss, aber keineswegs in irgendeiner Weise verwunderlich.

Ich freue mich jetzt schon auf die nächste, superkrasse Biografie von Trump. Ich hoffe bloß nicht, dass wir erfahren werden, dass er sich sämtlichen Sex immer nur gekauft hat und dass er nur Präsident werden wollte, um noch mächtiger als sein Vater zu werden. Vielleicht hat er auch nie seine Frau geliebt. Vielleicht hat er sie auch betrogen. Vielleicht hätte, hätte, Fahrrad… ihr kennt den Spruch, vielleicht. Vielleicht sollten wir uns aus den Schlafzimmern anderer heraushalten und vielleicht anfangen, das gesellschaftliche Miteinander so zu gestalten, dass nicht Ellenbogen, sondern genügend Empathie und Klugheit reichen, um bis ganz nach oben zu kommen. Utopie, vielleicht.