NIC. DICKEN

Zu den zahlreichen Strukturreformen, die Luxemburg den Weg in die Zukunft ebnen sollen, zählt zweifellos auch eine Neuaufstellung der Not- und Rettungsdienste, wie sie am vergangenen Wochenende ausgiebig im Rahmen des Feuerwehrwehrkongresses vorgestellt und diskutiert wurde. Die Ansprüche und Herausforderungen für die traditionellen lokalen „Pompjees-Korps“ haben sich in den letzten Jahren enorm gesteigert, während viele überzeugte und hochverdiente freiwillige Helfer kaum noch die Doppelbelastung durch Beruf und Volontariat vereinbaren können und sich früher oder später gegen das Engagement im Interesse der Mitmenschen entscheiden, für das sie bisher kaum Anerkennung und Entgelt erfuhren.

Die technischen Herausforderungen, die in einem zeitgemäß ausgerichteten Feuerwehrkorps bewältigt werden müssen, die erforderliche fachliche Kompetenz sowohl im Lösch- als auch in Rettungswesen lassen sich kaum noch mit den Aufgaben vergleichen, die früher im banalen Löschwesen gebräuchlich waren. Die heutigen Einsatzgebiete erstrecken sich über eine Vielzahl von Katastrophenfällen. Hinter dem, was dennoch eine übergroße Mehrheit der Bürger als selbstverständlich ansehen, stecken nicht nur umfassende Schulung und permanente Weiterbildung, sondern zahllose Übungstreffen sowohl innerhalb als auch unter den verschiedenen Korps einer Region, die damit eine optimale Abstimmung für den Ernstfall gewährleisten.

Gewiss, auch in kulturellen und sportlichen Vereinigungen wird sehr viel persönliches und soziales Engagement vorausgesetzt, damit die gesteckten Ziele erreicht werden können. Allerdings sind die Folgen von misslungenen Auftritten der einen nur schwer vergleichbar mit jenen missglückter bzw. schlecht geplanter Rettungseinsätze der Notdienste. Über ein verloren gegangenes Fußballspiel oder ein vergeigtes Konzert mag sich der eine oder andere einige Tage lang aufregen, aber einen echten Rückschlag für den Lebenslauf kann man daraus kaum ableiten. Anders bei den Einsätzen von Rettungsdiensten: Bei der Bergung von Unfallopfern im Straßenverkehr, bei der Evakuierung von Hausbewohnern, die durch einen Brand gefährdet sind, oder bei der Wiederbelebung von Infarktopfern, - alles Vorfälle aus dem alltäglichen Leben - geht es direkt um Leben und Überleben von Mitmenschen.

Deshalb gehören auch Aufbau und Unterhalt eines kompetenten und in der Situation einsatzfähigen Rettungsdienstes zu den edelsten Aufgaben einer Gemeinde. Weil eine vollständige Professionalisierung dieses Dienstes für die meisten Kommunen des Lands schon allein aus finanziellen Gründen illusorisch erscheint, muss auch weiterhin auf den freiwilligen Dienst gesetzt werden.

Das wiederum darf nicht bedeuten, dass finanzielle Erwägungen im Vordergrund stehen. Bereitschaftsdienst, sofern er denn auf permanenter Basis mit Freiwilligen organisiert werden kann, muss auch materiell beglichen werden durch angemessen Entschädigungen bzw. Freistellungen, wie es zahlreiche Gemeinden auch schon praktizieren. Diesem Ansinnen eine allgemeine Basis zu verschaffen, muss deshalb auch eine der wesentlichen Absichten bei der geplanten Reform der Rettungsdienste sein.