LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die luxemburgischen Bio-Winzer brauchen noch Lesehelfer aus der Region

Sie haben noch nichts vor in diesem Sommer? Der Urlaub fällt aus? Dann werden sie doch Lesehelfer bei den luxemburgischen Bio-Winzern!

So kann man einen Teil der gestrigen Video-Pressekonferenz des Forschungsinstituts IBLA, Vertretern der Biowinzer, Weinbauberatern und Bio-Lëtzebuerg zusammenfassen. Natürlich stellt sich die aktuelle Situation für die Winzer, sowohl für die biologischen als auch konventionellen sehr komplex dar. In Zeiten der Pandemie sind Saisonarbeitskräfte aus dem fernen Ausland in Sachen Anreise, getrennter Unterbringung und Einhaltung der Schutzmaßnahmen eine Herausforderung.

Die Bio-Winzer Marie Kox, Caves Sunnen-Hoffmann, und  Guy Krier vom Weingut Krier-Welbes stellten fest, dass die zentrale Frage in Sachen Corona lautet: Wer liest die Trauben und wie sieht die Lese überhaupt aus?  Schon die Organisation der Lese sei eine knifflige Herausforderung: Die Lesehelfer müssen getrennt in den Weinberg kommen, etwa mit dem eigenen Wagen. Zwischen den Weinstöcken müssen sie dann versetzt arbeiten. Für die Pausen, insbesondere die Mittagspause, müssen Stühle mitgebracht werden. Den traditionellen großen Tisch, um den alle in der Pause sitzen, wird es bei dieser Lese nicht geben. Jeder nimmt sich seine Suppe und sein Sandwich, nicht zu vergessen seinen namentlich gekennzeichneten Becher, und setzt sich mit Abstand zu den anderen auf seinen Stuhl. Organisatorisch lasse sich alles machen, so Guy Krier, aber es sei schade, dass die schönen Aspekte der Lese, das Gemeinschaftsgefühl, das gemeinsame Essen und das echte Zusammenarbeiten in diesem Jahr wegfallen müssen.

Die Frage nach einer Lese mit dem Vollernter – einer Erntemaschine für große Weinanbauflächen – stellt sich aus Qualitätsgründen für die Bio-Winzerin Marie Kox nicht. Es werde per Hand gelesen. Hinzu komme, dass vielfach in Steillagen, die nicht maschinentauglich sind, gearbeitet werden muss.

Lesehelfer aus der Großregion bevorzugt

Die hiesigen Bio-Winzer bevorzugen Lesehelfer aus der Großregion, nicht zuletzt, weil man im Bioweinbau flexibler als bei den konventionellen Kollegen sein muss. Beim Biowein muss der exakte Lesetermin mit großer Sorgfalt bestimmt werden. Besonders wichtig, da die Qualität von Bioweinen aus nachhaltiger Erzeugung vor allem im Weinberg entsteht. „Der Termin ist das Spannendste“, erklärte Krier. Auch im Bio-Weinbau setzt man auf Wetter-Apps.

Die Lese zieht sich in der Regel über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen, wobei „nur“ an 18 bis 20 Tagen effektiv gelesen wird. Es sind genau diese Variablen, die die Bio-Winzer auf Mitarbeiter aus der Großregion setzen lassen. Die Lese beginnt in der Regel mit Trauben für die Crémant-Produktion.
Derzeit werden in Luxemburg in achtzehn Bioweingütern 45 Hektar zertifizierter Weinberg und 13 Hektar Weinberg in Umstellung bewirtschaftet, die Hektarerträge liegen bei 50 bis 60 Hektolitern. Leider konnten weder die Experten von IBLA, noch die Biowinzer, Auskunft darüber geben, wieviel Biowein in Luxemburg jährlich vermarktet wird.

Trauben verlangen nach Sorgfalt - Lëtzebuerger Journal
Trauben verlangen nach Sorgfalt

2020 kann zumindest ein gutes Weinjahr werden

Der Weinbauberater Jean Cao vom Privatwinzerverband erläuterte, dass das schöne Sommerwetter dem Wein aktuell zwar zu Gute kommt, es aber angesichts besonders hoher Temperaturen wieder zu Sonnenbrand kommen kann, der die Trauben schädigt. Wenn alles meteorologisch gut geht, dann kann 2020 zumindest ein gutes Weinjahr werden.

Zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau IBLA suchen die Bio-Winzer nun Leute, die Lust haben, in der Lese zu arbeiten. Bewerben kann man sich über die Webseite www.IBLA.lu, dort findet man Bewerbungsformulare für potenzielle Lesehelfer. Die Helfer müssen vor allem eines mitbringen: Motivation, denn die Arbeit im Wingert kann anstrengend sein. Beim Forschungsinstitut sammelt man die Bewerbungen und reicht sie an die Bio-Winzer weiter, die noch Mitarbeiter für die Lese suchen.

Die Anwerbung von Arbeitskräften aus der näheren Umgebung  fügt sich in das Grundkonzept der Biolandwirtschaft ein: „Mit der Region aus der Region ein Produkt erzeugen.“

Noch zu wenig Bio

Mit einem Anteil von 4,9 Prozent an der luxemburgischen Gesamtanbaufläche liegt Luxemburg immer noch hinter den Nachbarländern Deutschland (7,1 Prozent) und Frankreich (mehr als neun Prozent).
Dany Noesen, Präsidentin von Bio-Lëtzebuerg, führt das auf mehrere Gründe zurück, die für die gesamte Biolandwirtschaft in Luxemburg gelten: Eine immer noch zu starke Subventionierung der konventionellen Landwirtschaft, Angst oder Unkenntnis bei den Landwirten und einem noch mal erhöhten bürokratischen Aufwand für Biolandwirte, zu denen natürlich auch die Winzer gehören. Ebenso gehöre auch die Frage nach den Märkten für die Produkte dazu.

www.ibla.lu