LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Delegation der syrischen Stadt Aleppo informiert über katastrophale Lage

Fast fünf Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien zeichnet sich immer noch kein Ende ab. Nach Angaben der Vereinten Nationen sollen bislang über 220.000 Menschen bei den Auseinandersetzungen ums Leben gekommen sein, Tausende wurden verletzt. Rund zehn Millionen Syrer sind auf der Flucht, drei Millionen von ihnen sind aus dem Land geflohen. Lösungen, um die Bevölkerung zu schützen oder zu retten, konnten bislang nicht gefunden beziehungsweise in die Tat umgesetzt werden. Hilfsorganisationen wird der Zugang zu dem Land zunehmend erschwert.

Seit die Extremistengruppe Daesch an Terrain gewonnen hat, wandelte sich der Terror auf syrischem Gebiet in blanken Horror um. Dies beschrieb auch eine Delegation der syrischen Stadt Aleppo, die gestern von Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen in Luxemburg empfangen wurde.

„Charte d’amitié“ mit der Stadt Metz

Die Delegation, die im Vorfeld eines dreitägigen Besuchs der Stadt Metz für ein kurzes Treffen nach Luxemburg gekommen war, vertritt das „Comité Civil“ von Aleppo. Dieses wurde demokratisch gewählt und versucht trotz allem, das Leben in der Stadt aufrechtzuerhalten beziehungsweise weiter zu organisieren. Mit Metz hat Aleppo vor zwei Jahren eine „Charte d’amitié“ unterzeichnet. „Cette Charte a pour but de montrer à la population Syrienne et en particuelier d’Alep, que si les responsables politiques étaient dans l’incapacité de trouver des solutions à cette crise, cela ne signifiait pas pour autant que les citoyens de nos pays n’étaient pas sensibles au drame du peuple Syrien. Cette Charte se veut être une main tendue de peuple à peuple“, erklärte gestern Prof. Raphaël Pitti, Stadtrat in Metz, Spezialist in Sachen Katastrophenmedizin und beratender Experte syrischer Hilfsorganisationen.

Gesundheitsversorgung am Ende

Pitti setzt sich für die Schaffung einer Ausbildung des Pflegepersonals in Syrien ein. Die Gesundheitsversorgung sei komplett zusammengebrochen, viele Krankenhäuser seien gezielt zerstört worden. Immer noch würden zudem chemische Waffen eingesetzt, wofür es zahlreiche Beweise gebe. Ein Großteil des medizinischen Personals sei geflohen, wodurch sich die medizinische Versorgung zusätzlich verschlechtert habe. Inzwischen hätten Medizinstudenten viele Aufgaben übernommen, einfache Studenten hätten die Krankenpfleger und sogar die Hebammen ersetzt, wie gestern berichtet wurde. Der Bedarf an Ausbildung sei groß. Zumindest müsse zu einer theoretischen Basis verholfen und auch praktisches Grundwissen vermittelt werden, unterstrich Pitti. Er selbst sei bereits zwölfmal nach Syrien gereist, um vor Ort genau dabei zu helfen, zuletzt im vergangenen März zwecks Ausbildung von Hebammen.