LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die ONGD-FNEL eröffnet jungen Menschen in Nepal neue Perspektiven durch Bildung

Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder: Nicolas Magnette ist seit seiner Kindheit dabei. „Meine Zeit als Pfadfinder hat mir viel gebracht, ich habe viel bekommen. Irgendwann kam der Moment, wo man etwas zurückgeben will. Die Gelegenheit, etwas zu ändern und etwas Nützliches zu tun, habe ich mir nicht entgehen lassen“, erklärt er im „Journal“-Interview. Seit zwei Jahren ist er Präsident der ONGD-FNEL. Die Entwicklungshilfeorganisation der „Fédération Nationale des Eclaireurs et Eclaireuses“ konzentriert sich seit ihrer Gründung im Jahr 1989 auf Projekte in Nepal.

Warum fiel die Wahl der ONGD-FNEL gerade auf Nepal?

Nicolas Magnette Das hat sich so ergeben. Die damaligen Gründer hatten durch ihr Berufsleben entsprechende Kontakte. Nepal ist ein armes Land mit einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Der Bedarf an Hilfe ist demnach sehr groß. Die Anfänge waren seinerzeit natürlich recht bescheiden, in gewisser Weise hat die ONGD-FNEL als Start-Up-Unternehmen in der Entwicklungshilfe begonnen. Unsere Organisation ist über die Jahre sehr gewachsen. Gleichzeitig haben wir unseren Aufgabenbereich ausgedehnt. An unserer obersten Zielsetzung halten wir aber nach wie vor fest: Es geht uns darum, insbesondere Jugendlichen im Bildungsbereich zu helfen. Haben wir uns zu Beginn darauf beschränkt, den Bau von Infrastrukturen, wie Schulen oder Krankenhäuser, zu unterstützen, so konzentrieren wir uns heute auf Ausbildungsprogramme, die wir intensiv begleiten.

Warum ist das so wichtig?

Magnette Nun, unsere Mission als Pfadfinder ist es, mit jungen Menschen zu arbeiten, um eine bessere Welt zu schaffen. Bildung erweist sich als bester Hebel. Nepal braucht junge Leute, die eine Grundausbildung haben, die lesen und schreiben können, die einen Beruf haben, die verstehen, was sie tun müssen, damit es ihrem Land besser geht. Darauf konzentrieren wir uns. Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder aus schwierigen Verhältnissen - das können Waisenkinder oder Kinder von Gefängnisinsassen sein - Zugang zu Bildung haben. Außerdem stellen wir sicher, dass existierende Grundschulen über das nötige Material verfügen oder vergeben Stipendien für besonders arme Kinder. Ein dritter Aspekt bildet die Berufsausbildung, woran es in Nepal klar fehlt. Es gibt viele junge Männer, die sehr wenig gelernt haben. Ihre einzige Perspektive ist oft die Auswanderung in den Nahen Osten, beispielsweise nach Dubai, wo sie als Arbeiter auf großen Baustellen arbeiten. Ihnen wollen wir die Chance bieten, einen Beruf zu erlernen, etwa Elektriker, damit sie schließlich in ihrer Heimat ihr Leben verdienen können.

Werden die einzelnen Projekte zu einem Abschluss
gebracht oder bleibt die ONG immer eingebunden?

Magnette Manche Projekte unterstützen wir auch heute noch, andere behalten wir zwar im Auge, sind aber nicht mehr aktiv eingebunden. Entwicklungshilfe ist nur dann wirkungsvoll, wenn die Projekte irgendwann ohne unsere Unterstützung funktionieren. Das ist unser Ziel. Die Hilfsempfänger sollen nicht von uns oder unserem Geld abhängig bleiben. Ein gutes Entwicklungsprojekt muss nachhaltig sein und hat demnach eine gewisse Dauer - das können durchaus manchmal zehn Jahre sein - dann muss sich eine ONG aber zurückziehen. In Nepal sind wir geblieben, weil es effizienter ist und die Koordination erleichtert, wenn man sich auf ein Land fokussiert.

Wie sind die Erfahrungen mit der Bevölkerung?

Magnette In Nepal wird jeder Besucher sehr gut empfangen. Die Nepalesen sind ein offenes und freundliches Volk, das gerne Kontakt zu Fremden pflegt. Das Land lebt ja nun auch vom Tourismus, insbesondere im Himalaya. Die Einheimischen sind sich bewusst, dass sie auf Hilfe von außen angewiesen sind. Sie wollen sich aber nicht von oben herab diktieren lassen, was sie tun sollen. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Mitarbeitern funktioniert sehr gut. Es gibt viele engagierte Menschen, die etwas für ihr Land tun wollen.

Wie kann man sich die Arbeit vor Ort also vorstellen?

Magnette Insgesamt unterstützen wir neun lokale Partner, deren Mitarbeiter vor Ort aktiv sind. Die Finanzmittel kommen von uns, wir helfen bei der Verwaltung und stehen beratend zur Seite. Wie gesagt, wollen wir ganz bewusst nicht diejenigen sein, die das Projekt leiten, schließlich soll das Ganze in Zukunft auch ohne uns funktionieren. Unsere lokalen Partner teilen uns mit, was sie brauchen, nicht umgekehrt. Wir arbeiten folglich von Luxemburg aus, reisen aber regelmäßig hin, um uns ein Bild vom Voranschreiten der jeweiligen Projekte zu machen. Wir zeigen Präsenz, die Leute sollen uns sehen, wir halten aber bewusst Distanz, um gleichzeitig zu vermitteln, dass wir ihnen vertrauen. Es versteht sich von selbst, dass wir sicher gehen müssen, dass alles so läuft, wie es laufen sollte. Jedes Jahr stecken wir 650.000 Euro in die entsprechenden Projekte. Eine gewisse Kontrolle muss natürlich sein.

In welchen Gegenden sind Sie aktiv?

Magnette Die momentanen Projekte erstrecken sich auf die Gebiete rund um die beiden größten Städte in Nepal, demnach Kathmandu und Pokhara. Wir versuchen aber, uns von den Großstädten wegzubewegen, um die Bevölkerung nicht noch mehr dazu zu ermutigen, vom Land wegzuziehen. Für Nepal ist das von großer Wichtigkeit: Die Abwanderung in die großen Städte darf nicht in diesem Ausmaß weitergehen. In unserem neuen Rahmenabkommen mit dem Kooperationsministerium haben wir deutlich mehr Projekte für Schulen im ländlichen Raum eingeschrieben. Um dorthin zu gelangen, muss man teilweise einen Tag Fahrt mit dem Jeep und noch dazu beschwerliche Fußmärsche in Kauf nehmen. Das erschwert die Arbeit natürlich, trotzdem möchten wir uns gezielter in ländlichen Gegenden einsetzen.

Inwiefern werden die Pfadfinder eingebunden?

Magnette Wir haben eine doppelte Mission. Zum einen unterstützen wir also Projekte, zum anderen geht es uns um die gezielte Sensibilisierung in Luxemburg. Das reicht von der Thematisierung über die Entwicklungshilfe in den lokalen Pfadfindergruppen über Spendensammeln bis hin zu Reisen, an denen die älteren Pfadfinder teilnehmen können, um an Projekten vor Ort mitzuwirken. Das Interesse an Freiwilligendiensten ist übrigens sehr groß.

Wird die Arbeit in Nepal irgendwann beendet sein?

Magnette Nein, wir wollen wirklich auf lange Dauer aktiv bleiben und richtige Partnerschaften aufbauen. Die Zahl der Begünstigten soll so groß wie möglich sein. In 25 Jahren haben wir über zehn Millionen Euro investiert und damit sehr viel erreicht. Wir können auf viele schöne Erfolge zurückblicken, und auf eine Vielzahl von Projekten, die sehr gut funktionieren. Wenn ich heute nach Nepal reise und auf junge Nepalesen treffe, die vor zehn Jahren in eines unserer Projekte eingebunden waren und noch immer dankbar sind, dann motiviert das natürlich ungemein.


Weitere Infos unter www.ongd-fnel.lu