LUXEMBURG
DANIEL OLY

„The Legend of Zelda“ ist seit 30 Jahren ein Abenteuer

Lëtzebuerger Journal

Trendsetter Elfenspielchen? „Legend of Zelda“ ist mehr als nur ein Abenteuerspiel - es hat der Spieleindustrie an vielen Stellen vorgemacht, wie Innovation geht. Da wundert es nicht, dass die Serie als spiritueller Vorvater des Rollenspiel-Genres gilt. Jetzt feiert das Spiel seinen 30. Geburtstag.

Viele der Spielelemente finden sich auch heute noch in Rollenspielen: Entdeckung, Abenteuer, unterschiedliche Gegenspieler, eine epische Hintergrundgeschichte - und selbst der Fortschritt eines Heldencharakters. Obwohl  mit einer Ausnahme keines der „Zelda“-Spiele ein Levelsystem besitzt.

„Legend of Zelda“ war die erste Spieleversion für eine Heimkonsole, auf der gespeichert werden konnte. Speicherstände waren noch eine Seltenheit, und Speicherplatz war flüchtig. Deshalb wurde das Spiel mit einer extra Batterie versehen, die den Speicherstand erhalten sollte - ungewöhnlich für eine Ära, in der Spiele meist in wenigen Stunden komplett durchgespielt werden konnten und nicht gespeichert wurde; damals ging es um Highscores und Bestenlisten. Wer an einem bestimmten Punkt weitermachen wollte, gab einen Code ein. Die Möglichkeit, ein Abenteuer nach eigenem Gusto durchzuspielen, setzte aber einen Speicherstand voraus. Heute ist das selbstverständlich - damals war es ungewöhnlich.

Die „Zelda“-Franchise war in vielen Punkten tonangebend für die Industrie. Der Publikumsliebling „Ocarina of Time“ verlangt von den Spielern zum Beispiel, bestimmte Lieder spielen zu können, um Abschnitte im Spiel zu meistern. Auch der Einsatz von 3D-Puzzles und Kämpfen in einer 3D-Umgebung war etwas, das vor „Ocarina“ nicht gerade üblich war. Der Chef-Designer des Studios „Rockstar“, bekannt durch die Gangster-Spiele „Grand Theft Auto“ (GTA), nannte GTA III berühmterweise „Zelda trifft Goodfellas“

„Skyward Sword“ setzt auf die Bewegungssteuerung der Wii-Konsole, um den Schwerkampf und mehr zu steuern, während Gestensteuerung wohl kaum zum Standardrepertoire der Spieleindustrie gezählt haben dürfte. Auf den Ablegern der DS- und 3DS-Spielekonsolen für unterwegs wird das Bogenschießen durch Gestensteuerung gelöst.

Rückkehr zu alten Werten - „Breath of the Wild“ erinnert sich an seine Wurzeln

Bei „Zelda“ geht es ums Abenteuer und ums Entdecken einer unbekannten Welt - eigentlich. Den jüngeren Titeln der Serie haftete immer öfter der Vorwurf an, zu sehr an einer fixen Formel festzuhalten: Gegenstände gibt es in linearen Dungeons, an deren Ende der Gegenstand zum Kampf gegen einen Boss-Gegner benötigt wird. Das Ganze gilt es in einer recht fixen, vorgegebenen Reihenfolge zu erfüllen, weil für bestimmte Spielabschnitte bestimmte Gegenstände benötigt werden. Das wirkte oft sehr linear und so gar nicht wie das abenteuerliche Entdecken, das die Version von vor 30 Jahren ausmachte.

Der neueste Spross von 2017 hört auf „Breath of the Wild“  und macht alles anders. Statt einer festen Vorgabe und Reihenfolge des Abenteuers wird der Held in eine frei erkundbare Welt gesteckt und darf selbst festlegen, was er machen will. Es gibt zwar eine Haupt-Aufgabe, die es zu lösen gilt. Wie das zu bewerkstelligen ist, bleibt dem Spieler aber total selbst überlassen. So viele Freiheiten hatte ein „Zelda“-Titel schon lange nicht mehr. Zudem gibt es mehr Rollenspiel-Elemente denn je: Unterschiedliche Ausrüstung, um Wind und Wetter zu trotzen. Essen, Feuer, selbtgemixte Elixiere. In der Welt von „Breath of the Wild“ gibt es derart viel zu erkunden, dass das Entdecken selbst wieder wesentlicher Bestandteil des Spieles geworden ist.

All das bewirkte, dass der Titel kurzzeitig das bestbewertetste Spiel aller Zeiten auf der Metacritic-Plattform war - und dabei fast einen seiner Vorgänger verdrängt hätte. Den Spielern gefällt die erfrischend neue Spielweise sichtlich. 

30 Jahre Abenteuer, Kampf und Helden-Epos aus Japan

Reise nach Hyrule

Eintauchen in eine fremde Welt und jeder Gefahr trotzend Abenteuer meistern: Es ist leicht zu verstehen, warum so viele Spieler sich mit der 1986 erschienenen „The Legend of Zelda“ anfreunden konnten. Knapp sechseinhalb Millionen Kopien verkauften sich vom Kult-Titel, der inzwischen seinen 30. Geburtstag in den USA und Europa feiert. Seitdem begeistert die Jagd nach den drei Kräften der „TriForce“ - Mut, Weisheit und Macht - Generationen von Spielern und veränderte oft eine ganze Industrie.
So wird der Serie ein großer Einfluss nachgesagt: Das Genre der Rollen- und Abenteuerspiele habe beispielsweise durch die Abenteuer des Elfenheldens Link im Fantasie-Land „Hyrule“ wesentlich an Beliebtheit gewonnen. Das Spiel war dabei im Vergleich zu einem anderen Start-Titel für die immens beliebte Nintendo-Konsole das genaue Gegenteil: Während „Super Mario Bros“ lineare Levels hat und ein schnelles, actionreiches Spiel sein sollte, wurde das „Zelda“-Abenteuer ganz bewusst als nichtlineares, offenes Spiel konzipiert. Die Welt selbst, deren Erkundung und das Gefühl, selbst etwas heraus gefunden zu haben, waren wesentlicher Bestandteil des Spiels. Beeinflusst war das Design dadurch, dass der Chef-Designer Shigeru Miyamoto selbst sehr gern auf Abenteuer- und Entdeckungsreise ging. Bezeichnend: Statt einfach vorbei zu sein, konnte man das Original nach Vollendung gleich noch einmal durchspielen - unter „Second Quest“ wurde das Abenteuer einfach noch einmal aufgelegt. Dabei werden die Objekte wie Schwerter, Schilder oder Bomben woanders deponiert, und die Welt muss erneut erkundet werden.
Die Entwickler rund um Kult-Designer Miyamoto bürden sich mit jedem neuen Spiel viel auf. Denn mit „Zelda“ steht und fällt ein Teil jeder Konsolengeneration des Traditionsunternehmens aus Japan. Nintendo hat die Eigenheit, nur für das eigene System zu entwickeln. Dementsprechend wird die Konsole nur dann erfolgreich, wenn die Software stimmt. Link, Mario und Kollegen treten daher immer wieder mit dem Anspruch an, ein richtig gutes Spiel zu sein - weil sie der Kaufgrund sein müssen. Aber der Erfolg gibt ihnen Recht: Die Zelda-Episode „Ocarina of Time“ ist auch weiterhin das beste Spiel aller Zeiten, wenn man dem zusammengefassten Bewertungssystem der Metacritic-Plattform Glauben schenken möchte. Auch der Rest der Serie ist ein häufiger Vertreter in den Hitlisten. Unter den besten 40 Spielen (nach Metacritic-Wertung) befinden sich vier „Zeldas“ - was noch beeindruckender klingt, wenn man die ganzen Duplikata von Spielen herausrechnet, die auf mehreren Systemen erschienen sind.
Damit ist die Serie für Nintendo eines der wichtigsten Standbeine, denn neben der „Mario“-Franchise dürfte der kleine Elf in den grünen Strumpfhosen und die tragische Geschichte um die Prinzessin, das verfluchte Königreich und den schweinischen Bösewicht Ganon wohl den höchsten Wiedererkennungswert besitzen. Auf jeder Konsolengeneration mausert sich das „Zelda“-Spiel zu einem der „must have“-Klassiker schlechthin. 2011 knackte die Serie weltweit die 60 Millionen-Marke. Das Original war das viert-meistverkaufte Spiel auf der Nintendo-Konsole.
Erst im vergangenen Jahr erschien mit „Breath of the Wild“ ein heiß erwarteter neuer Ableger. Auch ein moderner Abstecher wie das Actionspiel „Hyrule Warriors“ zeigt, dass „Zelda“ auch abseits der oft betretenen Pfade funktionieren kann und Spaß macht. „Zelda“ wird damit auf jeden Fall nicht alt. Es erfindet sich immer wieder neu - und entsinnt sich alter Qualitäten. Auf die nächsten 30 Jahre.  Daniel Oly