LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Judy“ beschreibt die letzten Monate im Leben von Judy Garland

Der britische Theaterautor Peter Quilter schrieb die Stücke „Glorious!“ über die schlechteste Sängerin der Welt Florence Foster Jenkins, die Komödie „Duets“ und das Schauspiel mit Musik „End of the Rainbow“ über die letzten Monate im Leben der Schauspielerin Judy Garland (1922 - 1969), ein Stück, das man 2019 im Merziger Zeltpalast sehen konnte. Der englische Drehbuchautor und Regisseur Rupert Goold ist der künstlerische Leiter des Almeida Theatre in London. Er hat Quilters „End of the Rainbow“ nun unter dem Titel „Judy“ verfilmt und dabei viel an der ursprünglichen Geschichte verändert.

Aufputschmittel in jungen Jahren

In Flashbacks erlebt der Zuschauer, wie die junge Judy Garland (Darci Shaw) beim Drehen des Filmklassikers „The Wizard of Oz“ von Studioboss Louis B. Mayer (Richard Cordery) gelobt wird, wie sie in den Dekoren des Films auf der „Yellow Brick Road“ herumirrt und erste Pillen bekommt, damit sie die langen Drehtage übersteht. Doch die Mittel dieses Kinofilms werden nicht vollends ausgeschöpft, um Judy als wirklichen Star darzustellen, der ganz tief fallen wird, was dazu führt, dass „Judy“ nicht wirklich überzeugen kann.

1969. Judy (Renée Zellweger) ist 46 Jahre alt, und die Filmwelt hat sie fast vergessen. Sie hat private Sorgen und der frühe Pillenkonsum hat Spuren hinterlassen. Auf Einladung des Theaterproduzenten Bernard Delfont (Michael Gambon) soll sie im Londoner Nachtclub „Talk of the Town“ (heute: Hippodrome) auftreten. Ihr künftiger fünfter Ehemann Mickey Deans (Finn Wittrock) begleitet sie. Ihre Auftritte sind von Höhen und Tiefen gezeichnet, wobei letztere dominieren. Sie kommt oft zu spät und greift wieder verstärkt auf Muntermacher und Alkohol zurück. Standen im Theaterstück Mickey Deans und der Pianist Anthony Chapman an ihrer Seite, so ist es im Film ihre Assistentin Rosalyn (Jessie Buckley), die dafür sorgen muss, dass Judy ihre Auftritte nicht verpasst. Während Judy den Evergreen „Over the Rainbow“ aus „The Wizard of Oz“ singt, bricht sie zusammen. Kurz nach ihrer Heirat mit Mickey stirbt Judy am 22. Juni 1969 im Alter von nur 47 Jahren.

Starke Renée Zellweger

Die Leistung von Renée Zellweger als Judy wurde vor kurzem mit einem Golden Globe belohnt. Zweifellos spielt die einstige Bridget Jones die beste Rolle ihrer Karriere. Auch wenn sie Judy Garland nur bedingt ähnelt, kann sie ihre charakterlichen Stärken und besonders ihre Schwächen mit Bravour darstellen. Und sie singt alle Lieder selbst.

Leider hat es Regisseur Goold nicht geschafft, die Tragik, die Judy zwischen ihrem Star- und Menschsein erlebt, wirkungsgerecht auf der Leinwand zu bringen. In den Flashbacks wird sich der Filmkenner zurechtfinden. Der einfache Kinogänger wird nicht unbedingt wissen, wer Mickey Rooney (Gus Barry) ist. Zudem wird nicht stark genug veranschaulicht was der Konsum von Pillen und Alkohol wirklich bei Judy zerstört hat. Auf der Theaterbühne gelang dies zum Beispiel in Merzig hervorragend.

Somit ist „Judy“ schauspielerisch vollkommen in Ordnung, aber es ist keine komplett geglückte Bestandsaufnahme von Judy Garlands letztem Lebensabschnitt, der sozusagen hinter dem einst schillernden Regenbogen stattfand.