LUXEMBURG
MARCO MENG MIT EURH

EU-Unterstützung von StartUps könnte effizienter sein, so der Europäische Rechnungshof

Laut gestriger Mitteilung der europäischen Statistikbehörde ist die Wirtschaft in der Europäischen Union zwar stabil, das Wachstum bleibt aber äußerst schwach. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal in der EU28 um 0,2%, im Euroraum überhaupt nicht. Im Vergleich zum Vorjahre wuchs die Wirtschaft damit im Euroraum nur um 0,7% (EU28 1,2%). Die privaten Konsumausgaben stiegen zwar minimal, die Investitionen in Anlagen verringerten sich aber im Euroraum um 0,3% und in der EU28 um 0,1%.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen in Europa bei Beschäftigung und Entwicklung eine wichtige Rolle. EU-Schätzungen zufolge entfallen auf die 20,7 Millionen europäischen KMU insgesamt 67% aller Arbeitsplätze und 58% der Bruttowertschöpfung. Als ein Mittel, die Wirtschaft der EU anzukurbeln, haben die Union und ihre Mitgliedsländer die Förderung der Gründung solcher Unternehmen erkannt. Die EU hat dazu unter anderem den einen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), welcher Gründerzentren für Start-up-Unternehmen kofinanziert. Diese sogenannten Inkubatoren verfolgen das Ziel, neue Unternehmen zu unterstützen. Wie es nun aber um die Effizienz dieser Unterstützung durch den EFRE bestellt ist, untersuchte der Europäische Rechnungshof (EuRH), der am Mittwoch die Ergebnisse in einem Report publiziert hat. Fazit: Die Qualität der Infrastruktur war im Allgemeinen gut, doch die den StartUps geleisteten Unterstützung bleibt hinter den Erwartungen zurück, so die EU-Prüfer. „Unserer Ansicht nach war die Bereitstellung gründungsbezogener Dienstleistungen - und infolgedessen die weiter reichenden Auswirkungen auf lokale Unternehmen - wegen der finanziellen Sachzwänge und des geringen Umfangs der gründungsrelevanten Tätigkeiten eher begrenzt“, erläuterte Henri Grethen, das für den Bericht zuständige Rechnungshof-Mitglied. „Dies lag vor allem daran, dass es in den Mitgliedstaaten und bei den Managern der Gründerzentren an Fachkenntnis in Bezug auf Verfahren im Bereich der Gründungsunterstützung fehlte. Außerdem waren die Verwaltungssysteme mangelhaft“, so Grethen.

Vielfältiger Verbesserungsbedarf

Die wenig wirkungsvollen Ergebnisse der Studie erklären sich durch die unzureichende Anwendung bewährter Verfahren. Insbesondere sei bei der Errichtung der Gründerzentren zu wenig auf die Wirksamkeit ihrer Unterstützungsfunktion für Unternehmen geachtet worden. Zweitens orientierten sich nach Rechnungshof-Studie die Dienstleistungen der Gründerzentren nur grob an den Geschäftszielen der Kunden und lieferten die Überwachungssysteme der Gründerzentren keine ausreichenden Managementinformationen. Schließlich stand auch die finanzielle Nachhaltigkeit der Inkubatoren im Widerspruch zu dem Ziel, angemessene Dienstleistungen zu erbringen.

Der Bericht merkt an, dass insbesondere beim Verfahren zur Auswahl der kofinanzierten Gründerzentren einige Aspekte, die für die Tätigkeit der Gründerzentren entscheidend sind wie Qualifikationen der Mitarbeiter, Umfang und Relevanz der Dienstleistungen sowie finanzielle Nachhaltigkeit nicht gebührend berücksichtigt worden seien.

Nach Angaben des Rechnungshofberichts liegt der Vorteil von Gründungszentren aber generell auf der Hand: Denn während die Quote neugegründeter Unternehmen, die bis zum dritten Jahr ihres Bestehens überleben, in der Regel nur bei rund 56% läge, liegt sie demnach bei Unternehmen, die von Gründerzentren Unterstützung und Beratung erfahren, bei rund 90%. Der 1975 gegründete Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) hat als ein Ziel „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“ und konzentriert sich dabei auf die Schwerpunkte Forschung und Innovation, Digitale Agenda und KMUs mit einem Budget von 183,3 Milliarden Euro für die Periode 2014-2020.