COLETTE MART

Gleich mehrere aktuelle Ereignisse warfen in den letzten Tagen und Wochen einen besorgniserregenden Blick auf jegliche Formen der Diskriminierung in unserem Land. Die Vereinigung „Femmes Pionnières“ hatte einen Film- und Diskussionsabend mit der Snowboardweltmeisterin Anne-Flore Marxer organisiert, die ASTI hatte zu einem Rundtischgespräch zum Thema „Being black in Luxembourg“ eingeladen, und die beratende Menschenrechtskommission hat ihren Bericht über Menschenhandel in der Arbeitswelt vorgelegt. Die Schweizer Sportlerin Marxer thematisierte die Diskriminierungen der Frauen im Sport, die ungleichen Belohnungen, die Männer und Frauen für ihre Leistungen bekommen, und die mangelnde Anerkennung, die Spitzensportlerinnen erleben. Das Gleiche gilt für Frauen in der Literatur, die hierzulande keineswegs dieselben Chancen haben wie Männer, die weniger gelesen werden und allgemein weniger Respekt bekommen.

Die vielschichtigen Diskriminierungen schwarzer Menschen erweisen sich hierzulande als verheerend: Bereits in der Grundschule erscheint es unüblich, schwarze Schüler ins klassische Gymnasium zu promovieren. Die Orientierung schwarzer Schüler im Gymnasium ist manchmal lieblos und mangelhaft. Kapverdier, die hier in Luxemburg geboren werden und die Luxemburger Nationalität haben, leiden unter dem Gefühl des Ausgeschlossenseins. Durch die Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt ist Armut bei schwarzen Menschen oft stärker verbreitet, es gibt kaum gesetzliche Mittel, dagegen vorzugehen, der „Centre pour l‘égalité de traitement“ hat ungenügende Mittel und Befugnisse. Schwarze haben Angst, über Rassismus zu sprechen, weil sie zusätzlichen gesellschaftlichen Ausschluss fürchten. Diskriminierung und Unterdrückung gibt es dann auch in der Arbeitswelt, wo die Luxemburger Menschenrechtskommission Menschenhandel ausmachte; das Arbeitsrecht gilt hier in Luxemburg nicht für alle, Menschen werden schamlos ausgebeutet und isoliert, und die von der Kommission ermittelten Fälle gelten als Spitze des Eisbergs. Die Fassade der Multikulturalität verbirgt demgemäß oft eine sehr große Misere, Armut, sozialen Ausschluss und Menschenverachtung. Oft verstecken sich Frauenfeindlichkeit und Rassismus gut, und sind Aspekte eines elitären und arroganten Denkens, das auf eigene Minderwertigkeitsgefühle zurückzuführen ist. Rassisten befinden sich auch manchmal dort, wo man sie nicht vermutet, so zum Beispiel in sozialen Vereinigungen oder Nichtregierungsorganisationen, respektive auch in Institutionen oder Verwaltungen, bei denen es eigentlich darum geht, Gesetze und Menschenrechte umzusetzen. Ein Gymnasium kann sich durchaus antirassistisch geben, und gleichzeitig einen schwarzen Lehrer dem Rassismus von Schülern, Eltern und Lehrerkollegen aussetzen. So verstecken wir uns hinter einer Maske.

Hinter dem scheinbaren Engagement steckt dann im Endeffekt Scheinheiligkeit. Die Einteilung von Menschen in Kategorien, in ein „sie“ und ein „wir“, der stillschweigende und tabuisierte Ausschluss vieler aus der luxemburgischen Leitkultur ist eine der größten politischen und humanistischen Herausforderungen unserer Zeit.

In einer Gesellschaft, in der der Graben zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, in der soziale Unterschiede auch oft auf sexistischen, stereotypen, xenophoben und rassistischen Diskriminierungen gründen, müssen wir uns ernsthaft Gedanken darüber machen.