LUXEMBURG
SIMON LAROSCHE

DJ Spinderella über ihre Vergangenheit bei der legendären Hip Hop-Band Salt’n’Pepa und über die Gegenwart außerhalb des Rampenlichts

Ihr Auftritt auf der „End of Season Party“ am vergangenen Freitag passte genau ins alljährliche Konzept der Philharmonie als Veranstalter dieser überdimensionalen Sause: eklektisch und bekannte Headliner. Zwischen Trip Hop-Größe Peter Kruder und Techno-Don Kevin Saunderson sorgte also Spinderella mit einem fulminanten DJ-Set für Aufsehen im fabelhaften Foyer der Konzerthalle. Zwei Stunden lang folgte ein bekannter Hip Hop-Song dem anderen, dabei schöpfte die mittlerweile 41-Jährige offensichtlich aus ihrem umfangreichen Hip Hop-Repertoire. Mit einer Prise Nostalgie hörten demnach die langjährigen Fans dieser heutzutage äußerst kommerziell gewordenen Musik absolute Klassiker des Genres durch den Saal wummern. Das ehemalige Mitglied der weiblichen Hip Hop-Pioniere Salt’n’Pepa stand dem „Journal“ nach ihrem Auftritt Rede und Antwort.

Als ich auf Facebook postete, dass ich DJ Spinderella interviewen würde, fragten mich viele Leute, wer das denn sei. Hätte ich gepostet, dass ich ein Mitglied von Salt’n’Pepa interviewen würde, hätte jeder Bescheid gewusst. Passiert dir das noch oft?

DJ SPINDERELLA Die Zeiten haben sich geändert, heutzutage wissen nicht mehr viele Leute, dass ich zu Salt’n’Pepa gehörte. Eigentlich weiß das nur eine Minderheit eifriger Fans des Old School Hip Hop-Genres. Es kommt also noch ab und zu vor, stören tut es mich aber keineswegs.

Wie würdest du die Musik beschreiben, die du während deinen Sets auflegst?

DJ SPINDERELLA Ich spiele ein bisschen von allem. Ich bin weiterhin in Old School Hip Hop verliebt, die Art Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Da wären zum Beispiel LL Cool J, Big Daddy Kane, Run DMC. Ich bringe aber auch gerne neuere Hip Hop-Tracks, House-Musik oder sogenannte Party Classics rein.

Du bist damals im zarten Alter von 16 Jahren Salt’n’Pepa beigetreten. Warst du davor schon als DJ tätig?

DJ SPINDERELLA Ja, allerdings lernte ich noch, wie man richtig auflegt. Die richtige Technik brachte mir damals mein Freund auf der High School bei, der sich in der Hip Hop-Szene schon einen guten Namen gemacht hatte. Allerdings war ein weiblicher DJ zu dieser Zeit noch recht ungewöhnlich und da Salt’n’Pepa unbedingt einen weiblichen DJ für ihre bevorstehende Tour suchten, kamen auch nicht zu viele Anwärterinnen zu den Proben.

Dein Beitrag bei Salt’n’Pepa begrenzte sich allerdings nicht nur auf den DJ-Teil, du musstest auch Background Vocals singen oder rappen. Hattest du nie Lust auf mehr Textgesang?

DJ SPINDERELLA Ich weiß nicht mehr ob ich wirklich mehr Text wollte, ich wurde einfach aufgefordert es zu tun, vor allem nachdem einer der beiden Hauptsängerinnen schwanger wurde und ich ihre Texte übernehmen musste. Es hat sich also eher aus Notwendigkeit so ergeben. Meine Liebe war zu jedem Zeitpunkt allerdings das DJ-ing.

Hast du einen Lieblings-Salt’n’Pepa-Song?

DJ SPINDERELLA Ich mag die alten Songs. Besonders die Songs auf „Hot, Cool & Vicious“ (1986) liegen mir weiterhin zu Herzen, weil es sich hierbei um durchaus mutige Songs handelte. Allerdings bin ich erst beim zweiten Album „A Salt with a Deadly Pepa“ zur Band gestoßen. Die Songs auf diesen beiden ersten Platten mag ich am meisten.

Sahst du die perfekte Gelegenheit deine Solokarriere zu starten, als Salt’n’Pepa sich 2002 auflösten, oder hattest du insgeheim nie mit dem DJ-ing aufgehört?

DJ SPINDERELLA Ich habe während all meinen Jahren bei Salt’n’Pepa immer nebenbei auch aufgelegt, insbesondere als die Band eine längere Pause einlegte. Ich würde sogar sagen, dass ich mit meinem Auflegen verhindert habe, dass die Band in Vergessenheit
gerät.

Spielst du bei jedem Set auch immer Songs von Salt’n’Pepa oder versuchst du das eher zu vermeiden?

DJ SPINDERELLA Also den Hit „Push It“ spiele ich bei jeder Gelegenheit. Ob ich auch noch andere Salt’n’Pepa-Songs spiele, hängt vom Ort ab, wo ich gerade spiele, und vom Publikum. Ich habe zwar nichts dagegen, Salt’n’Pepa aufzulegen, bevorzuge aber einen persönlicheren Set zu spielen.

Was hältst du vom Hip Hop heutzutage?

DJ SPINDERELLA Ja, Hip Hop klingt heute anders. Ich glaube aber, dass dies für alles im Leben gilt, alles verändert sich. Ich weiß nicht, ob es darauf zurückzuführen ist, dass wir älter werden und uns liebend gerne an den damaligen Sound, unseren Sound, erinnern. Doch es gibt auch heutzutage Rapper, die ich gerne höre, wie zum Beispiel Kendrick Lamar, in seinem Flow bringt er es fertig Brücken zwischen der Moderne und dem Old School aufzubauen.

Wie oft triffst du dich noch mit Salt und Pepa?

DJ SPINDERELLA Unsere Wege haben sich vor einiger Zeit getrennt, doch wir treffen uns noch ab und zu, öfters eher zufällig, wenn sie in der gleichen Stadt auftreten wie ich. Wir hatten unsere Meinungsverschiedenheiten über die Jahre, konnten sie aber ausglätten. Wir sind uns alle drei aber bewusst, dass die Magie noch immer aufflammt, wenn wir zusammen auftreten