LUXEMBURG
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Erzbistum verkauft „Groupe Saint-Paul“ an belgische Mediahuis NV

Es ist ein Beben in der hiesigen Medienwelt: Nach 172 Jahren veräußert das Erzbistum seine Mediengruppe Saint-Paul („Luxemburger Wort“, „Télécran“, „Contacto“, „Luxembourg Times“...) an die belgische Mediahuis. „Diese strategische Investition durch Mediahuis wird es Saint-Paul Luxembourg unter anderem erlauben, sein Projekt der digitalen Transformation zu stärken und zu stimulieren. Für Mediahuis bedeutet die Übernahme von Saint-Paul Luxembourg, die in einer wohlhabenden und dynamischen Region wie Luxemburg tätig ist, eine Stärkung seiner Position als Multimedia-Akteur im Raum Benelux-Irland“, heißt es in einer Pressemitteilung. Mediahuis sei ein „idealer industrielle Partner für Saint-Paul Luxemburg SA, indem er den Kriterien der Solidität, der Innovation und der Werte genüge, die die Verträglichkeit der beiden Unternehmenskulturen garantieren“, wird Lafayette SA-Verwaltungsratspräsident Pit Hentgen in der Pressemitteilung zitiert. Über die Höhe der Transaktion war zunächst nichts zu erfahren. Lafayette SA, die Gesellschaft, die das wirtschaftliche Patrimonium des Erzbistums verwaltet, wird allerdings weiterhin mit Saint-Paul verbunden bleiben mit einer Minderheitsbeteiligung im Kapital von Mediahuis.

Lafayette mit Minderheitsbeteiligung an Mediahuis

Diese liege bei „weniger als fünf Prozent“, wie Mediahuis-CEO Gert Ysebaert der flämischen Zeitung „De Standaard“ sagte. Die Kontinuität im Hause Saint-Paul bleibe derweil erhalten, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt. François Pauly bleibt Verwaltungsratspräsident, auch Marc Wagener, Generalökonom des Erzbistums und Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Lafayette SA, bleibt Mitglied des Saint-Paul-Verwaltungsrats, in den vier Vertreter von Mediahuis einrücken werden. Paul Peckels bleibt weiterhin CEO der Saint-Paul-Gruppe und auch die Chefredaktion wurde bestätigt, die bekanntlich aus einer Dreierspitze besteht, mit Roland Arens, Claude Feyereisen und Marc Schlammes.

Auf Nachfrage über die Gründe des Verkaufs und ob die Kirche sich nur noch für Immobilien interessiere, sagte Paul Peckels: „Kardinal Hollerich hat vor ein paar Wochen gesagt, die Kirche habe keine „vocation“, um das Verlagshaus zu behalten. Das ist die Position der Kirche“. Seit etwa einem Jahr würden Verhandlungen mit Mediahuis laufen. Details über die digitale Zukunft der Saint-Paul-Publikationen im Verbund mit Mediahuis würden noch nicht feststehen.

Es sei noch zu früh, um über konkrete Pläne zu sprechen, heißt es auch von Seiten von Mediahuis. Man müsse sich in den kommenden Wochen und Monaten näher kennen lernen und schauen, in welchen Bereichen man zusammenarbeiten kann und wie diese Zusammenarbeit in konkrete Projekte münden kann.

Redaktionelle Linie bleibt

„Saint-Paul Luxemburg ist eine attraktive Ergänzung unserer Gruppe“, schreibt Mediahuis über den Leader auf dem luxemburgischen Zeitungsmarkt. „Wir sind stolz darauf, dass die drei führenden Qualitätszeitungen im Benelux, „De Standaard“ in Belgien, „NRC Handelsblad“ in den Niederlanden und das „Luxemburger Wort“ in Luxemburg nun zu uns gehören“, so Mediahuis CEO Gert Ysebaert. Mediahuis glaube „bedingungslos an die Macht eines starken und unabhängigen Journalismus“. Die Gruppe haben sich dazu engagiert, die redaktionelle Linie der Saint-Paul-Medien zu respektieren. Diese würden sich auch weiterhin mit religiösen Themen und der Aktualität der katholischen Kirche befassen. Ob Mediahuis noch bei weiteren Medien in Luxemburg einsteigen möchte? „Wir sind eine ambitionierte Gruppe und wir möchten uns weiter entwickeln in Europa, aber es gibt keine weiteren Pläne für den luxemburgischen Markt“, heißt es, „unser Fokus liegt nun auf der Integration von Saint-Paul, seiner Mitarbeiter und Marken in unsere Gruppe“.

Zur Frage, ob nun ein Sozialplan zu erwarten sei, sagt Paul Peckels knapp: „Ich weiß nicht, wo das herkommt. Das steht nicht auf der Agenda“. Bei Saint-Paul hatte es zuletzt 2013 einen Sozialplan mit zahlreichen Entlassungen gegeben. Die Belegschaft besteht derzeit aus 345 Mitarbeitern, davon rund 100 Journalisten. Auch zahlreiche freien Mitarbeiter arbeiten für die Saint-Paul-Medien, dessen Flaggschiff „Luxemburger Wort“ täglich 150.000 Leser erreicht, während für die Webseiten von wort.lu rund 100.000 tägliche Leser verzeichnet werden. Im kommenden Jahr wird Saint-Paul von Gasperich auf Howald umziehen, wo ein neuer „Newsroom“ die redaktionellen Arbeitsprozesse im digitalen Wandel unterstützen soll.