CAPE CANAVERAL
MARCO MENG

Der erste Satellit von GovSat ist erfolgreich in seine Umlaufbahn gebracht worden. Der chemische Antrieb des 4,2 Tonnen schweren Satelliten bringt ihn nun bis Mitte Februar auf seine endgültige Position. Anfang März beginnt dann der Satellit mit seiner Arbeit.
Ein gutes Zeichen: rund eine Stunde vor Start wurde die Rakete planungsgemäß betankt. Als dann um 16.25 Uhr Ortszeit die neun Merlin-Triebwerke der schon einmal benutzten SpaceX-Rakete zündeten, war der Himmel über Cape Canavarel klar, der Wind, der am Vortag heftig war, hatte sich gelegt, und das Sensorproblem, das für einen Tag Verschiebung gesorgt hatte, war behoben. Dann der mit Spannung erwartete Moment: Mit einem ohrenbetäubendem Krach, der die Erde erbeben ließ, schoss die Rakete in die Höhe. Zuschauer waren unter anderem Preminister Xavier Bettel, Erbgroßherzog Guillaume mit Gattin Stéphanie und GovSat-Chef Patrick Biewer.
Der ersten Stufe hatte man schon deutlich ihre Gebrauchsspuren angesehen, nur der Schriftzug "SpaceX" war erneuert worden. Ansonsten wollte SpaceX-Chef Elon Musk mit Absicht keine Neulackierung: jeder sollte erkennen, dass es sich um eine wiederverwertete Rakete handelte. Aus diesem Grund gilt der Preis pro Kilogramm, der mit einer SpaceX ins All geschossen wird, als der günstigste. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der GovSat-Aktionär SES einer der ersten Kunden gewesen, die auf SpaceX und seine Raketen-Wiederverwertung setzten. Drei Minuten nach dem Start in rund 120 Kilometer Höhe wurde die erste Stufe der SpaceX abgesprengt, die aber diesmal nicht wiederverwertet werden sollte, sondern wie geplant ins Meer stürzte. Etwa 30 Minuten nach dem Start wurde der Satellit von GovSat aus der Kapsel katapultiert.

Militärisch und zivil nutzbarer Satellit

Der GovSat-1 kreist seitdem seine Bahn, wobei er sich immer weiter der Position nähert, die ihm für die kommenden 15 Jahre bestimmt ist. Das ist die Mindestlebenszeit eines Satelliten. Auch die US-Presse war reichlich vor Ort vertreten und erklärte ihren Zuschauern und Lesern, was es mit dem Schriftzug „GovSat“ auf der Ladekapsel der Rakete auf sich hat. Vor der US-Presse hatte Premier Xavier Bettel ausgeführt, dass Luxemburg ein Pionier in der „Space“-Industrie sei und verwies dabei auf das Unternehmen SES, der heute Weltmarktführer bei Satellitendienstleistungen ist. GovSat ist mit SES in Öffentlich-Privater-Partnerschaft gestartet worden, weil das Unternehmen Dienste vor allem für militärische und staatliche Stellen bieten soll, wozu das Großherzogtum gewissermaßen als Garant dient. „Wir wollen Pionier bei der sicheren satellitengestützten Kommunikation sein“, sagte GovSat-Chef Patrick Biewer. Mit dem luxemburgischen Staat, Satellitenbetreiber SES und dem Raketenunternehmen SpaceX hätten bei diesem einzigartigen Projekt in den letzten drei Jahren zusammengearbeitet.

Die GovSat-Mission

Der Satellit ist zum einen ein Beitrag Luxemburgs zur Nato-Partnerschaft, zum anderen kann der Satellit zivil genutzt werden, beispielsweise von internationalen Organisationen. Bettel führte als Beispiel das Erdbeben in Haiti an, wo SES-Satelliten nach der Katastrophe Hilfe ermöglichten. Den Start des GovSat-1 bezeichnete der Premier darum als einen historischen Tag für Luxemburg. Es war übrigens auch auf den Tag genau 60 Jahre, nachdem die USA ihren allerersten Satelliten ins All geschossen hatten. Mit dem erfolgreichen Start am Mittwoch hat SpaceX zum fünften Mal eine Fracht für SES ins All transportiert. Der erste geostationäre Start von Falcon 9 brachte den Satelliten SES-8 im Dezember 2013 in den Orbit. Der Start einer SES-10 im vergangenen März markierte den ersten Wiederflug einer bereits geflogenen ersten Stufe von Falcon 9. Seit die NASA ihr Shuttle-Programm eingestellt hat, ist das Unternehmen von Elon Musk seit sechs Jahren das einzige, das Raketen von der Air Force-Basis auf Cape Canaveral startet. Die schwerste Rakete nach der NASA-Mondrakete Saturn-V soll von hier aus kommenden Dienstag den Jungfernflug machen: Die SpaceX Falcon „Heavy“.
Nach zwei Starts mit einer wiederverwerteten Rakete für SES war dies der dritte Start einer aus Luxemburg georderten „Recycling“-Rakete. Bettel betonte gegenüber der US-Presse, dies zeige auch, dass es Luxemburg ernst mit Kreislaufwirtschaft meine. Und dass es auch ernst gemeint ist mit der anfangs belächelten Initiative „Spacerescources.lu“ lässt sich vielleicht daraus erkennen, dass der Berater des Projekts, der ehemalige NASA-Direktor Pete Worden, kürzlich in Luxemburg eine Wohnung kaufte, um hier mit seiner Frau mehr Zeit zu verbringen.