LUXEMBURG
INGO ZWANK

Meeresreptil „Simolestes keileni“ in die Dauerausstellung des Naturmuseums integriert

Er gehört zur Gattung ausgestorbener Meeresreptilien aus der Gruppe der Pliosauroidea, die während der mittleren und späten Jurazeit lebten, ist etwa 15 Meter lang und bis zu 45 Tonnen schwer gewesen – mit einem Maul voller langer, dolchartiger Zähne: Der „Simolestes keileni“, der jetzt einen offiziellen Platz in der Dauerausstellung des Naturmuseums gefunden hat.

Lea Numberger-Thuy und Ben Thuy im Labor des Museums, wo der Kiefer des Simolestes keileni für die Ausstellung vorbereitet wird Foto: Zwank - Lëtzebuerger Journal
Lea Numberger-Thuy und Ben Thuy im Labor des Museums, wo der Kiefer des Simolestes keileni für die Ausstellung vorbereitet wird Foto: Zwank

Lea Numberger-Thuy und Ben Thuy sind promovierte Paläontologen und forschen am Musée national d’histoire naturelle/Naturmusée – und sind Experten, wenn es um das Meeresreptil geht. „Simolestes keileni“ – den Nachnamen hat der Pliosaurier übrigens von seinem Entdecker Keilen bekommen - war einer der größten seiner Art, der vor 170 Millionen Jahren die Ozeane des Jura durchschwamm. „Und wenn man sich seinen Kiefer anschaut mit den Zähnen, dann ist erkennbar, dass er kein Vegetarier war“, sagt Ben Thuy, der einen Einblick ins Labor des Museums gewährt. Ein fast vollständiger Unterkiefer und ein Teil des postkranialen Skeletts wurden in den 1980er Jahren im lothringischen Montois-la-Montagne gefunden, „bei Straßenarbeiten und von den Hobby-Paläontologen“, erzählt Lea Numberger-Thuy – und dann „dem Nationalmuseum für Naturgeschichte vermacht“, ergänzt Ben Thuy. „Das zeigt das gute Verhältnis, was die Hobby-Paläontologen mit einem Institut haben können. Dann kann es zu so einer fruchtbaren Zusammenarbeit kommen.“ Es sei keine Seltenheit, dass Privatpersonen sich immer einmal wieder ans Museum mit entsprechenden Exponaten wenden würden. „Und immer wieder können wir feststellen, dass darunter auch entsprechende Schätze sind“, so die Paläontologen.

„Wat huet deen eng Schnëss!“

Das 1994 vom belgischen Experten Pascal Godefroit als Holotyp der Art beschriebene Fossil „ist ein echter nationaler Schatz, ein Referenzstück“, erzählen die beiden Paläontologen mit einem breiten Grinsen. Es wurde erstmals 2018 im „natur musée“ während der Ausstellung „Unerwartete Schätze“ im Rahmen des Europäischen Jahres des Kulturerbes ausgestellt und von Premier Xavier Bettel mit den Worten „Wat huet deen eng Schnëss!“ kommentiert.

„Wir können wirklich sagen: Es gibt keinen lebenden Vergleich zu dem ’Simolestes keileni’, und es gibt auch nur drei vergleichbare Funde aus dieser Zeit. Und wir hier in Luxemburg haben wirklich das größte Exemplar“, erzählt Ben Thuy nicht unstolz.

Dank der Unterstützung des Freundeskreises des Nationalmuseums für Naturkunde a.s.b.l. konnte eine spezialisierte Werkstatt den Kopf des jurassischen Ungeheuers realistischer nachbilden. Es wurde am Samstag neben dem Originalfossil ausgestellt.

Die Typusart „Simolestes vorax“ wurde 1909 von Charles William Andrews auf Basis eines nahezu vollständigen Skeletts beschrieben, das aus der Oxford-Clay-Formation in England stammt. Derzeit werden zwei weitere Arten anerkannt, Simolestes indicus und Simolestes keileni, die aus Indien und Frankreich stammen. Der Pliosauroidea werden zwei Gruppen zugeordnet, die Rhomaleosauridae und die Pliosauridae, wobei umstritten ist, zu welcher dieser Gruppen Simolestes zu rechnen ist. Die meisten jüngeren Studien legen allerdings nahe, dass die Gattung zu den Pliosauridae gezählt werden kann.

Der „Simolestes keileni“ in voller Pracht - und wie die Kinder ihn nachmalen konnten - Lëtzebuerger Journal
Der „Simolestes keileni“ in voller Pracht - und wie die Kinder ihn nachmalen konnten

Rippe war der Kiefer

Witzige Randnotiz: Das Knochenfragment des „Simolestes keileni“, das als Zahn präsentiert wurde, stellte sich später als eine Rippe des Pliosauriers heraus, „und die Rippe war der Kiefer des Meeresreptils“, wie die beiden Paläontologen erzählen. „Aber das kann schon einmal passieren, zumal wenn man keine Vergleichstücke besitzt“, sagt Ben Thuy, das sei schon Koryphäen der Szene passiert.

Die Präsentation des Fossils und die Replik standen so im Mittelpunkt der Feierlichkeiten am vergangenen Wochenende. Es gab Führungen über die Seemonster aus dem Jura als auch einen Malwettbewerb und ein Atelier für Gipsabgüsse der schrecklichen Pliosaurierzähne, „was reichlich Arbeit bedeutet, denn die waren bis zu 25 Zentimeter lang“, wie Lea Numberger-Thuy sagt.

Ben Thuy erklärt auf einer Führung den Fund und das Meeresreptil Foto: Editpress/Tania Feller - Lëtzebuerger Journal
Ben Thuy erklärt auf einer Führung den Fund und das Meeresreptil Foto: Editpress/Tania Feller