LUXEMBURG
LUC SPADA

Der Kellner fragt mich, ob es mir nicht zu warm ist, in der prallen Sonne. Es ist auf jeden Fall viel zu warm, wie ich finde. Wie in Sizilien, sagt der Kellner. Und geht zum nächsten Tisch. Er hatte wohl nicht die Absicht, mir einen Schattenplatz zu besorgen. „Blöder Italiener“, denke ich. Und beschließe, dass ich das denken darf, dank meines Nachnamens. Wie dem auch sei. In Sizilien ist immerhin Meer, um sich eine Abkühlung zu verschaffen. Und Wind, da lässt sich die Hitze besser aushalten. Hier ist keine Luft, nur Autos, die pausenlos über die Hauptstraße, am Restaurant vorbei rasen.

Die Sonne verblendet mir die Sicht auf mein Essen.

Gut, dass das Sonnenlicht online nicht bewertet werden kann. Ausgezeichnete Hitze, gelegentlich von einer nicht allzugroßen Wolke verdeckt, etwas zu heftig in der direkten Auseinandersetzung, 8,8. Ich pflege einen gesunden Selbsthass dafür, dass ich Bewertungen durchlese, bevor ich ein Hotel buche, einen Arzttermin vereinbare oder einen Tisch im Restaurant reserviere. Vielleicht ein guter Vorsatz für nächstes Jahr, äh, nächste Saison: Keine Bewertungen mehr lesen. Deutlich schlimmer: Bewertungen schreiben. Wer sich hinsetzt und ernsthaft, Punkt für Punkt, die negativen Erlebnisse aus dem letzten Ressort-Hotel-Urlaub niederschreibt, hat auch keinen Urlaub verdient. Unbegreiflicher sind nur noch solche, die gefühlt, Tag für Tag, über Facebook und Instagram verkünden, dass sie ihre Partnerin, ihren Hund, ihre Oma oder/und Steuerberaterin lieben. Da frage ich mich immer, warum das über die öffentlichen Kanäle mitgeteilt werden muss. Es reicht doch die Liebesbotschaften der entsprechenden Person oder dem Hund, unter vier Augen mitzuteilen. Erzähl mir doch nicht ständig, wie sehr du Jenny liebst. Erzähl es Jenny. Oder nicht? Denk da mal drüber nach.

„Ich denke da oft drüber nach“, sagt B., nachdem die beiden Mitte-Vierzigjährigen ihre Spaghetti-Teller geleert haben, „was mit meiner Kleinsten passiert, wenn es nach dem Sommer bergab gehen sollte, sie es nicht wegoperieren können.“

„Ja, das fragte ich mich auch letzten Sommer, als meine Frau und ich auseinander gingen, aber das ist vielleicht etwas anderes.“

„Ja, ich glaube, das ist was anderes.“

Ich frage nach der Rechnung, zahle zwanzig Euro. Davon sind zwei Euro Trinkgeld, etwas mehr als zehn Prozent. Ich kenne Leute, die nie Trinkgeld geben. Die gleichen Menschen, die zu viert für vier hundert Euro essen gehen, einzeln zu zahlen wünschen, die Rechnung genauestens auf Fehler überprüfen und debattieren, ob es fair ist, die Rechnung durch vier zu teilen, weil eine Person am Tisch ein Sprudelwasser mehr als die anderen hatte. Aber danach verkünden sie auf Instagram und Facebook, was für einen tollen Abend sie zusammen verbringen durften, Freunde sind doch das Wichtigste.

#nightoutwithfriends.