LUXEMBURG
LUC SPADA

Ich steige ins Auto und finde es schade, dass ich dieses Auto brauche, immer wenn ich in Luxemburg bin. Ohne Auto könnte ich die Hälfte der Termine nicht wahrnehmen. Schon bald ist der öffentliche Transport zwar umsonst, aber was soll das bringen, wenn ich für acht Kilometer zwei Stunden benötige? Ein Elektro-Auto kann ich mir nicht leisten. Ohne viel Geld ist es nahezu unmöglich, die Umwelt zu retten. Die Solar-Platten auf dem Dach, die Bio-Tomaten aus dem Bio-Supermarkt, die nicht von Tierversuchen betroffenen Cremes, sie alle kosten überdurchschnittlich viel Geld und die meisten Menschen haben dieses nicht. Wie man es auch dreht, wird es wohl wirklich so sein, dass die Welt und Menschheit am Geld zugrunde geht. Und niemand interessiert es, so lange er oder sie genug Geld hat. Es ist gut möglich, dass es eine Lüge ist, dass dieser Gesellschaft das Wohl der Kinder, unserer Nachfahren, am wichtigsten ist. Der Plastik und die ertrinkenden Flüchtlinge im Meer. Die Rechten, die ins Europarlament einziehen. Die ungerechte Verteilung von Arm und Reich, die schlechte Integration von behinderten Menschen,…

Ich mache die Klimaanlage an, weil es so verdammt heiß ist, mein Kopf, die Gedanken kochen über. Die Maschine in der obersten Etage will nie Ruhe geben. Aber ich finde es schade, dass ich sie anmachen muss. Einfach nur aus dem Grund, weil ich es kann, weil es geht, weil ich es nicht schaffe, die paar Sonnentage im Jahr (ohne Meer) auszuhalten, den Schweiß laufen zu lassen, den Kopf ohne künstliche Kühlung auf ein normal denkendes Niveau runterzuholen. Immerhin habe ich diese Kolumne. Nach zehn Minuten sind es 20,5 Grad, das Gebläse ist auf stark eingestellt und ich kann meine Gedanken, die ich zu starkem Gebläse assoziiere, nicht zurückhalten. Für immer in der Pubertät. All diese Übergänge, erst von kalt zu warm, jetzt von warm zu kalt, von hungrig auf nicht hungrig, von kostenpflichtig auf kostenfrei, von hier nach da, von gesund auf krank auf hoffentlich gesund wieder, wie im Fall von B. Immer in einer Zwischenwelt zu Gast. Oder in den Worten von Lehrern und Lehrerinnen: Wir freuen uns auf den nächsten Urlaub.

Ich hoffe, dass B. es schaffen wird, was auch immer er hat. Ich hoffe, dass wir es alle irgendwie schaffen. Du Deine Ruhe im Urlaub bekommst. Du bald aus dem Krankenhaus entlassen wirst. Du es genießt, wenn es Dir gut geht. Du nicht aufgibst, wenn Du es schaffen kannst. Du den Plastikbecher durch irgendwas anderes ersetzt. Du den Müll trennst. Du auf Hass verzichtest. Du kannst nie wissen, wie viele geile Sommer Du noch erleben wirst.