LUXEMBURG
DANIEL OLY

Leben in der Vertikale: Klettern als Sport

Wer an Sport denkt, ist im Kopf meist eher in klassischen Mustern unterwegs; ein Ball, mehrere Sportler, ein Spielfeld - mal klein, mal groß - und ein Regelwerk, mit dem man Bücher füllen kann. Die wenigsten Sportarten gehen aus der Horizontale in die Vertikale; aber genau das macht der Klettersport. Ob im Trockenen in der Halle oder doch den Gezeiten ausgesetzt an einer Felswand im Freien: Das Klettern ist ein Duell mit dem eigenen Körper und ein ganz besonderer Nervenkitzel. Aber nicht erst seit der Sport olympisch wurde erfreut er sich Beliebtheit, auch insbesondere junge Menschen, die das Abenteuer nicht scheuen, werden angezogen.

Pol Zeimet klettert seit rund 16 Jahren - und hat damit die längste Zeit seines Lebens mit der Faszination der Vertikale verbracht. Wie kommt man dazu? „Ich bin als Kleinkind bereits mit Begeisterung geklettert - vor allem im Baum in unserem Garten zuhause“, erklärt Zeimet. Irgendwann habe er dann ein Bild eines mit Klettergeschirr gesicherten Bergsteigers gesehen. „Das habe ich mir dann aus Seilen selbstgebastelt“, erklärt er weiter. Weil ihn das Geschirr so sehr fasziniert hat, habe er dann mit der Eigenkonstruktion gekraxelt - „bis mich eine Familienbekannte schließlich einmal zum gesicherten Klettern in einer Halle mitnahm. Seitdem bin ich angefixt.“

Nicht allzu teuer

Beim selbst gebastelten Geschirr blieb es deshalb natürlich nicht allzu lang, richtiges Klettermaterial musste her. Ein großer Vorteil: „Das Material hält sich sehr lang, besonders bei den Gurten und dem Geschirr ist das der Fall“, meint Zeimet. Wer nicht gerade einen gewaltigen Wachstumsschub erlebt, hat so länger etwas von der Anschaffung. „Einzig bei den Schuhen gibt es stärkere Abnutzungserscheinungen“, erklärt er. Abhängig davon, wie regelmäßig sie zum Einsatz kommen, sei da durchaus alle sechs Monate ein neues Paar fällig.

„Insgesamt ist es aber kein besonders kostspieliges Hobby“, meint der Kletterbegeisterte. „Letztendlich hängt es natürlich sehr davon ab, wie und wo man klettern möchte“, betont er. Hallenpreise könnten so etwa durchaus unterschiedlich ausfallen.

Wettbewerbe gibt es hierzulande ebenso wie im Internationalen Umfeld. „Natürlich gibt es dann auch immer Rekorde“, erklärt Zeimet. „Abhängig davon, wie schwierig ein bestimmter Aufstieg ist.“ Wenn eine Steilwand etwa auf einer bis dato ungelösten Route erklommen wird, kommt nachher automatisch ein neuer Rekord heraus. Das geschehe regelmäßig: „Es werden immer neue Wege gefunden, es gibt immer wieder etwas neues“, meint er. Und: „Die Jugend wird immer besser, weil auch die Infrastruktur, die Trainingsumgebung und damit einhergehend das Talent besser werden.“ So könne man sich in Luxemburg, was Infrastruktur oder Nationalteams betreffe, keineswegs beschweren. „Wir haben viele, diverse Teams und viele gute Kletterer“, meint Zeimet und unterstreicht auch die Jugendarbeit. Da mache sich dann auch früh bemerkbar, ob man für den Klettersport ein gewisses Talent besitzt.

Technik statt Muskelkraft pur

Der frühe Start hat natürlich - wie bei jedem Hobby - so seine Vorteile. „Wer früh beginnt, hat auch früh schon die Technik raus“, betont er. Das sei mitunter wichtiger als reine Kraft. Entsprechend sei es denn auch kein Problem, schon früh zu beginnen. „Ich bin selbst seit dem Alter von sieben Jahren dabei, das ist also durchaus möglich“, sagt er. Beim Erlernen der Technik helfen Vereine und Trainer; auch Zeimet selbst gibt Kletterkurse für Anfänger und Fortgeschrittene. „Weiter- und Ausbildungen sind durchaus üblich, auch weil sich die Technik immer weiter entwickelt“, weiß er. Das Training selbst ist stark strukturiert, passt sich aber der modernen Technik an. „Sport ist und bleibt Wissenschaft“, betont Zeimet. „Das steht alles nicht still.“ Schnupperkurse in den Clubs erlauben zudem Anfängern, einen Einstieg zu finden.

Die Clubs kümmern sich auch um die Pflege der Kletterstellen. Eine Teilnahme an Kursen ist zudem eine Grundvoraussetzung, um eine Lizenz zu erhalten - die erlaubt es einem dann auch, draußen klettern zu können und sich selbst zu sichern. „Das verlangt nicht nur das nötige Material, sondern auch das entsprechende Know-How“, weiß Zeimet. Ganz ungefährlich ist das natürlich nie. „Die meisten Verletzungen gibt es beispielsweise beim sogenannten ,Bouldern‘, also beim ungesicherten Besteigen an einem Fels“, erklärt er. „Wenn sie beim Landen falsch aufkommen zum Beispiel.“ Mit Seil sei das Risiko aber dennoch sehr gering. „Der Faktor Natur bleibt aber immer - und die ist immer unberechenbar.“

Klettersport, Studium, Arbeit: Ist das alles leicht unter einen Hut zu bekommen? „Es ist jedenfalls kein Sport, den man spontan betreiben kann, wenn man mal eine halbe Stunde Zeit hat“, weiß Zeimet. Klettern will vorbereitet sein - wird dann aber auch genossen. „Es ist ein unbeschreiblich wunderbares Gefühl, draußen in der Natur zu klettern; tolle Erlebnisse, tolle Gegenden, geniale Aussichten“, meint er. „Ich hatte so etwa sehr tolle Erlebnisse bei Ferienaufenthalten in der Schweiz oder auf Mallorca.“ Auch in der Halle mache das Klettern immer wieder Spaß. Ob er denn irgendwelche Gipfel hat, die er unbedingt noch stürmen möchte? „Ich habe nichts Konkretes vor - aber einen festen Plan: Ich möchte immer besser werden, damit ich überall hoch kann, wenn mich der Nervenkitzel packt!“