Wo Luxemburg überragend ist

Luxemburg ganz groß, klein, hoch, tief - das ist der Titel unserer Sommerserie über außergewöhnliche Blickwinkel auf das Ländchen. Nach dem Thema groß, in dem vor allem die „Aire de Berchem“, die größte Tankstelle der Welt hervorstach und dem Thema klein, wo wir uns für unter anderem für die Forschung im Nanobereich interessierten - das ist ein milliardstel Meter - beleuchten wir heute einige Höhen im Großherzogtum.

560 Meter über dem Meeresspiegel

„Burrigplatz, Point culminant du Grand-Duché, 558,35 M“ steht auf dem Holzschild neben dem Wasserturm von Huldingen. Tatsächlich aber ist der Hügel namens „Kneiff“ nördlich von Wilwerdingen, zwischen Huldingen und Wemperhardt, mit 560 Metern über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung Luxemburgs. Um die „Kneiff“-Marke zu finden, muss man schon ein wenig Ausschau halten, besteht sie doch lediglich aus einer weißbemalten Betonfläche neben dem Weg. Im Nordosten liegt schon - in etwa 300 Metern Entfernung - die belgische Grenze.

2.089,75 Euro Mindestlohn

Mit 2.089,75 Euro Brutto-Mindestlohn (etwas mehr als 12 Euro die Stunde) verfügt Luxemburg über den höchsten Mindestlohn in der EU und wohl sogar weltweit. In der EU-Rangliste folgen Frankreich (leicht über 10 Euro die Stunde) und die Niederlande (knapp unter 10 Euro die Stunde). In Australien liegt der Mindestlohn bei knapp unter 12 Euro die Stunde.

98 Meter über der Sauer

Die 1.195 Meter lange Sauertalbrücke, die bei Wasserbillig Luxemburg mit Deutschland verbindet, ist mit einer Maximalhöhe von 98 Metern über dem Tal die höchste Brücke in Luxemburg. Gebaut wurde sie zwischen 1984 und 1986. Die höchste Brücke in der Hauptstadt ist die „Rout Bréck“, die 74 Meter über dem Alzettetal zwischen dem Glacis und dem Kirchberg verläuft.

40,8 Grad Celsius

Die höchste gemessene Tagesmaximaltemperatur in Luxemburg seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1838 wurde am 25. Juli in Steinsel gemessen. Der vorige Rekord stammte vom 8. August 2003 (40,5 Grad Celsius in Remich).

68,43 Meter Wasserturm

Mit 68,43 Metern Höhe überragt der im März 2018 eingeweihte Wasserturm am Ban de Gasperich alle anderen Bauwerke dieses Typs in Luxemburg. Er fasst 1.000 Kubikmeter und ist mit seiner speziellen Fassade, die außerdem beleuchtet ist, längst ein Wahrzeichen für den neuen Stadteil geworden, der am Ban de Gasperich entsteht.

300 Meter Antenne

300 Meter in die Höhe ragt seit 1970 der Sendemast des Broadcasting Center Europe (RTL Group) bei Hosingen und ist damit das höchste Bauwerk im Großherzogtum. Zur „Skyline“ im Raum Junglinster gehören seit Mitte der 1970er die 290 Meter hohen Sendemasten der Sendeanlage Beidweiler des Broadcasting Center Europe, einer Tochtergesellschaft der RTL Group. 285 Meter hoch ist indes der RTL-Sendemast in Düdelingen, der Mitte der 1950er errichtet wurde. Ursprünglich war er sogar 300 Meter hoch. Am 31. Juli 1981 knallte ein belgisches Militärflugzeug dagegen, der tragische Unfall forderte drei Todesopfer. Danach wurde der Turm zwar wieder aufgebaut, aber nicht mehr so hoch wie zuvor. Der Düdelinger Sendemast ist der zweithöchste freistehende Stahlfachwerkturm in Europa.

Höchstes BIP pro Kopf

Luxemburg ist zwar eines der kleinsten Länder in Europa, hatte 2018 aber mit 96.700 Euro das mit Abstand höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Europa. Rechnet man aber die die rund 195.000 Grenzpendler hinzu, die im letzten Quartal 2018 täglich nach Luxemburg zur Arbeit kamen, liegt der Schnitt bei 74.000 Euro pro Kopf.

35.786 Kilometer über der Erdoberfläche

Im so genannten geostationären Orbit, 35.786 Kilometer über der Erdoberfläche bewegen sich 57 Satelliten der 1985 gegründeten luxemburgischen „Société Européenne des Satellites“ mit Hauptquartier in Betzdorf. 20 weitere sind rund 8.000 Kilometer hoch im „Medium Earth Orbit“ positioniert. Letztere erlauben eine schnellere Datenübertragung, die auch die entferntesten Regionen erreicht. Die Satelliten in der geostationären Umlaufbahn ermöglichen es, quasi den ganzen Globus mit Fernsehprogrammen zu bedienen.

Lëtzebuerger Journal

115 Meter über dem Kirchberg | Der dritte Turm des Europäischen Gerichtshofs ist derzeit das höchste Gebäude in Luxemburg - Exklusive Ein- und Ausblicke

 Er wächst und wächst und wächst, im Rhythmus der Erweiterung der EU und der neuen Justizorgane respektive neuer Aufgabe, die ihm zuteil werden: Die Rede ist vom Europäischen Gerichtshof in Kirchberg. Seit seiner Gründung 1952 ist diese Institution, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass EU-Recht in allen EU-Mitgliedsländern auf die gleiche Weise angewendet wird und dass Länder und EU-Institutionen das EU-Recht einhalten, in Luxemburg ansässig; seit Mitte der 1970er auf dem Kirchberg.
Über die Jahre wurde der Gerichtshof kontinuierlich ausgebaut, momentan läuft bereits der fünfte Ausbau, der für knapp 169 Millionen Euro weitere 50.000 Quadratmeter Fläche - davon 15.000 m2 Bürofläche - bringt.

Der nach den neuesten Energiespar- und Nachhaltigkeitsnormen gebaute Turm beinhaltet außerdem ein Datazenter, Versammlungs- und Fortbildungsräume, ein Gesundheitszentrum und eine Cafeteria.
Das vom französischen Stararchitekten Dominique Perrault (er zeichnete bereits für das Konzept des vierten Ausbaus verantwortlich) entworfene 31 Stockwerke hohe Gebäude überragt die 24 Etagen zählenden goldfarbenen Zwillingstürme des vierten Ausbaus um ganze 15 Meter. Das „Héichhaus“ (Tour Alice de Gasperi), der erste Wolkenkratzer Luxemburgs aus dem Jahr 1966 am heutigen „Place de l’Europe“, ist 38 Meter niedriger.

Während die offizielle Einweihung der neuen Ausdehnung, die auch die Verbindungsarbeiten mit den anderen Gebäuden beinhaltet sowie den Ausbau von Fußgängerzone und Mitarbeiterparking, für den 19. September vorgesehen ist, laufen die letzten Arbeiten derzeit auf Hochtouren. Über den Sommer sind bereits hunderte Mitarbeiter aus dem Container-Gebäude am Boulevard Konrad Adenauer in den neuen Turm eingezogen, an dem die Erdarbeiten im April 2016 begannen. Nun sind die rund 2.500 Mitarbeiter des Gerichtshofs alle an einer Stelle zusammengefasst.

Der Beschluss zum Ausbau war bereits 2011 getroffen worden, 2013 wurde eine Konvention mit dem luxemburgischen Staat unterzeichnet, der den Bau vorfinanzierte. 2036 wird der Gerichtshof ihn abbezahlt haben. 2020 soll die fünfte Ausbauphase komplett abgeschlossen sein.