LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Für sein neues Album „Wat Rap“ hat sich Rapper Tommek besonders viel Zeit genommen

Am 1. Mai veröffentlichte Rapper Tommek sein Album „Wat Rap“. Eine Platte, die den Künstler trotz strotzender Energie, emotional werden lässt, da es ein Projekt ist, in dem nicht nur ein Haufen Arbeit, sondern auch viel Liebe steckt. Unter anderem zusammen mit seinen Freunden von Stayfou, lädt der Musiker seine Hörer dazu ein, einfach den Moment zu genießen. Passend dazu erschien am vergangenen Freitag das Video zur ersten Single „Candy“, in dem mehr als 20 Tänzerinnen und Tänzer die Energie des Albums verkörpern. Wie er die Arbeit an dieser CD erlebt hat, und was ihm dabei besonders wichtig war, erzählt der derzeit noch in seinen Mathestudium-Abschluss investierter Rapper im Interview.

Wie hat sich die Krise auf das Künstlerdasein ausgewirkt?

TOMMEK Es mussten tatsächlich viele Konzerte abgesagt werden, große Events, wie beispielsweise der Support von Money Boy im Melusina, wurden verschoben. Für diese Veranstaltung haben wir allerdings schon ein neues Datum im November, sodass das nicht so schlimm ist, wenn ich es mit abgesagten Terminen vergleiche, die nicht in absehbarer Zeit nachgeholt werden können. Da ich derzeit noch studiere, trifft es mich zwar, aber in einem geringeren Maße, als hauptberufliche Künstler. Für diese Personen wurde ja auch das „Live aus der Stuff“ organisiert, was, denke ich, vielen Leuten in dieser Zeit die Diversität der luxemburgischen Kunst- und Musikszene aufgezeigt hat. Ich glaube tatsächlich, dass diese Krise der kulturellen Landschaft in einigen Hinsichten auch Gutes getan hat. Indem diese Vielfalt für jeden zugänglich war, wurden noch mehr Leute darauf aufmerksam gemacht, wie hochqualitativ und abwechslungsreich die nationale Kunst ist. Diese Einsicht hat zwar vor der Krise schon angefangen durchzusickern, aber ich glaube, dass hierdurch nochmal eine neue Perspektive geschaffen wurde.

Wie war es für Dich, in dieser Zeit ein neues Album zu veröffentlichen?

TOMMEK Für mich spielte diesmal das Erscheinungsdatum keine wirkliche Rolle. Ich wollte mir einfach Zeit lassen und alles veröffentlichen, wenn es reif dafür ist - dieser Zeitpunkt war eben jetzt. Für mich passt das Album auch irgendwie in diese Zeit, weil es eine sehr energiegeladene, moderne Platte ist. Sie behandelt zwar eine Vielfalt an Themen, bedeutet für mich aber Familie, für einander da zu sein und die Zeit mit seinen wichtigsten Leuten zu genießen. Was alles Themen sind, die in meinem Leben eine immer höhere Bedeutung bekommen haben. Es ist für mich das erste Mal, dass ich mich richtig in ein Projekt verliebt habe. Ich hatte mit Stayfou unglaublich viel Spaß, wir sind viel aufgetreten und im Studio gewesen. Das war nicht nur Arbeitszeit, die in dieses Album geflossen ist, sondern kostbare Zeit mit Freunden, was mir umso mehr Energie gegeben hat. Mir war diesmal wirklich allem voran die Arbeitsweise und -moral wichtig. Tun Tonnar, der den Mix der CD gemacht hat, hat unheimlich viel Zeit in jedes einzelne Stück investiert. Der Weg von der Rohaufnahme bis hin zum Endprodukt war diesmal um einiges länger, aber hat aus jedem Track das Beste herausgenommen. Ich wollte mir die Zeit geben, um Songs entstehen zu lassen. Jedes Lied auf diesem Album hat seinen Platz und in jeden einzelnen Song wurde unglaublich viel Arbeit und Leidenschaft gesteckt. Auch der Entschluss mehrere Producer und meine Freunde von Stayfou mit ins Boot zu nehmen stand schon vor anderthalb Jahren fest. Mit der Hauptarbeit am Album haben wir bereits alle gemeinsam im Sommer letzten Jahres angefangen und haben den Tracks dann die nötige Zeit gelassen, um zu reifen und haben dann nicht mehr eingesehen, die Veröffentlichung eines fertigen Produkts nach hinten zu verlegen. Vor allem freuen sich die Leute gerade in dieser Zeit über neuen Content.

Du hast vorhin die Vielfalt der Themen angesprochen. War es dir wichtig, möglichst verschiedene Emotionen mi teinfließen zu lassen?

TOMMEK Das war tatsächlich keine bewusste Entscheidung, weil meine Devise für dieses Album wirklich „high energy“ lautete. Ich trete immer öfters live auf, da muss natürlich die Energie auf der Bühne stimmen, damit die Leute abgeholt werden. Daher ist es ein bisschen ironisch, dass das Album jetzt gerade zu einer Zeit erschienen ist, in der keine Konzerte stattfinden. Allerdings steigert das aber auch die Vorfreude, weil es nach der Pandemie wahrscheinlich ein noch intensiveres Erlebnis wird. Mit dem Song „Angscht“ kann ich diese Idee vielleicht noch besser erklären. Es ist ein tiefgründiger Song, der ein Thema behandelt, über das man etliche Gedichte verfassen könnte. Meine Idee war es aber, solche Gedanken aufzugreifen und zu etwas Energetischem zu machen. Das liegt wahrscheinlich auch an meiner Lebenseinstellung. In „Angscht“ will ich mich der Angst nicht hingeben – ganz im Gegenteil. Es soll eine Kampferklärung an die Angst sein. In den Monaten, in denen man an solch einem Projekt arbeitet, staut sich eine ganze Bandbreite an Emotionen auf, die einen beeinflusst, und auf unterschiedliche Weise verarbeitet werden kann. Ich bin kein Mensch, der sich von solchen Situationen unterkriegen lässt, sondern schöpfe daraus eigentlich neue Kraft, und will keine Zeit mit Negativität verschwenden – etwas, das mir auch meine polnischen Großeltern mit auf den Weg geben. Aufgeben gibt es bei ihnen nicht, und auch wenn es mal schlecht läuft, gehen sie mit einem Lächeln durch den Tag. Das ist eine Einstellung, die mich immer schon inspiriert hat.

Was möchtest Du Deinen Hörern mit „Wat Rap“ sagen?

TOMMEK Auch ohne Fragezeichen ist „Wat Rap“ für mich ganz klar eine Frage. Was ist eigentlich mit Rap in Luxemburg? Man hört immer noch viel zu oft, dass die nationale Rapszene belächelt wird, gar als schlecht bezeichnet wird, was in meinen Augen einfach eine Frechheit ist. Dieses Album ist sozusagen eine hochwertig produzierte und musikalisch starke Antwort auf diese unverschämte Frage. Zumal die Diskussion angesichts der luxemburgischen Musikszene immer wieder neu aufgerollt wird, war es mir wichtig, mich hier zu positionieren. Man muss sich einfach mal vorstellen, wie frustrierend es sein kann, wenn man als Künstler immer wieder mit solchen Aussagen konfrontiert wird. Ich verliere zwar nicht sonderlich viele Gedanken daran, weil ich mich in erster Linie auf meine Musik konzentriere und auf die Menschen, die mir Liebe entgegenbringen. Dennoch lag es mir am Herzen, diesbezüglich ein Statement abzulegen. Das Thema hat sich für mich mit diesem Album erledigt, mir war es nur wichtig, noch einmal deutlich zu machen, dass luxemburgische Rapper wirklich gute Arbeit leisten, sich weiterentwickeln und die Szene stetig wächst und an sich arbeitet.


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