LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Festival International Echternach“ vom 9. Juni bis 14. Juli - Abwechslungsreiches Programm

Den Stellenwert des „Festival International Echternach“ in der luxemburgischen Kulturszene braucht man wohl nicht mehr zu unterstreichen: Seit 1975 traten im Rahmen dieses Events, das über 30 Jahre lang unter der Leitung des weltbekannten Pianisten Cyprien Katsaris stand, in der Abteistadt viele internationale Größen der klassischen Musik aber auch des Jazz auf, abwechselnd mit jungen Talenten aus aller Welt.

„Mir musse struewelen“

Bei der gestrigen Vorstellungspressekonferenz zur Ausgabe 2017 des Festivals, das vom 9. Juni bis 14. Juli stattfindet, kam der ehemalige Botschafter Julien Alex, der dem Organisator „Luxfestival a.s.b.l.“ seit 2013 vorsteht, allerdings nicht umhin, noch einmal auf die Einzigartigkeit dieser Veranstaltung sowohl für die Kulturszene als auch für die Stadt Echternach hinzuweisen, die wie andere Kulturevents auch an Finanzierungsproblemen leidet.

DER „ARTIST-IN-RESIDENCE“

Geigenvirtuose Daniel Hope

Der britische Geigenvirtuose Daniel Hope, Jahrgang 1973, tourt seit 25 Jahren durch die Welt und hat mehr als 25 zum Teil preisgekrönte Aufnahmen von den diversesten Komponisten eingespielt. Der Schüler von Yehudi Menuhin konnte zahlreiche Preise einstreichen, darunter 2015 den Europäischen Kulturpreis für Musik. Er spielte mit den größten Orchestern, dirigiert eine Reihe von Geigenensembles und wurde erst im vergangenen Jahr musikalischer Direktor des Zürcher Kammermusikorchesters. Er konnte gestern aus terminlichen Gründen nicht bei der Pressekonferenz dabei sein, schickte aber eine Videobotschaft, in der er sich sehr über die Zusammenarbeit mit anderen hochkarätigen Künstlern freut. 
http://www.danielhope.com

„Mir musse struewelen“, betonte Alex. Während die Zuwendung des Kulturministeriums seit Jahren auf gleichem Niveau bleibe - etwa 100.000 Euro, laut Alex „weniger als ein Zweihundertstel der Subvention für die Philharmonie“ -, sei es heute wesentlich schwieriger an Sponsorengelder zu kommen.

Zum Glück aber stehe „der Echternacher Bürgermeister fest hinter dem Festival“, das ein absoluter Mehrwert für die Abteistadt mit der besonderen Atmosphäre sei. Das Festival hat aber auch mit der Erna & Henry J. Leir Foundation einen starken Partner.

Die Stiftung der Ehegatten Leipziger (später Leir) die in den 1930ern in Luxemburg weilten, bevor sie wegen ihres jüdischen Glaubens vor den Nazis in die USA fliehen mussten, übernimmt 2017, 2018 und 2019 die Finanzierung des „Artist-in-Residence“-Programms.

„Frische Musik“ von den Kapverden und aus Südafrika

Das Prinzip des Konzepts, das nun bereits zum dritten Mal umgesetzt wird: ein Künstler wird eingeladen, eine Reihe von Konzertprojekten zu leiten und anschließend auch eine „Masterclass“ in Zusammenarbeit mit dem hauptstädtischen Konservatorium zu veranstalten. Eine außergewöhnliche Gelegenheit für junge Künstler, ihr Wissen und Können gemeinsam mit einem erfahrenen Meister auszubauen. Diesmal wird sich der Geigen-Virtuose Daniel Hope als „Artist-in-residence“ in Echternach die Ehre geben (siehe Rahmen). Er veranstaltet drei Konzerte mit dem Pianisten Simon Crawford-Phillips. Beim zweiten Konzert am 11. Juni wird auch die Cellistin Josephine Knight dabei sein. Ein weiteres ist für den 6. Juli vorgesehen. Dann steht Hope mit dem „Orchestre Philharmonique“ unter der Leitung von Kahchun Wong auf der Bühne.

Nicht nur die Klassikfans erwartet beim diesjährigen Festival von Echternach ein hochkarätiges Programm, auch Freunde von Jazz und „World Music“ werden auf ihre Kosten kommen.

Gast Waltzing, der künstlerische Direktor für diesen Teil des Festivals, hat sich diesmal besonders auf den Kapverden und in Südafrika umgesehen, um „frische Musik“ zu finden, wie der international sehr gut vernetzte Künstler sagt. Musik, zu der man auch „Party“ machen kann. Das Echternacher Festival versucht seit Jahren, sein Angebot an Musikgenres zu verbreitern, um noch mehr Gäste anzuziehen.

In diesem Sinne gibt es auch mehrere Open-Air-Events im Abteihof. Am 12. Juli treten hier etwa das „Carmen Souza Quartet“ auf sowie das „Nomfusi Sextet“. Und am 13. Juli wird die „Nils Landgren Funk Unit“ begeistern. Den Mann mit der roten Posaune dürften viele kennen.

Zum Abschluss des diesjährigen Festivals wird sich auch die Militärmusik unter freiem Himmel produzieren. Dort, wie Georges Calteux, einer der Gründer des Echternacher Festivals gestern hervorhob, die damalige Festungsgarnisonsmusik vor 175 Jahren gegründet wurde. Dabei war unter anderem: Jean Antoine Zinnen, der später die luxemburgische Nationalhymne komponieren sollte.

Aus dem reichhaltigen Programm hervor gehoben sei aber auch noch die Aufführung des Stummfilms „Faust - eine deutsche Volkssage“ von Friedrich Wilhelm Murnau in der Basilika am 29. Juni.

Musikalisch begleiten wird den Streifen der renommierte Organist Paul Kayser. Vorgesehen ist auch ein spezielles Jazz-Programm für Kids am 7. und 8. Juli. Viele gute Gründe also, im Juni und Juli einige Abende in Echternach zu verbringen.

DAS PROGRAMM

14 Tage musikalischer Hochgenuss

9. Juni Duo Hope & Crawford-Philipps
11. Juni Trio Hope/Knight & Crawford-Philipps
15. Juni Igor Levit (Piano)
16. Juni Harmonie Municipale Echternach/Jubilate-Chor Zorneding
17. Juni Orchestre Symphonique EME
17. JuNI TonArt Orchester Düsseldorf
24. Juni delian:::quartett & Mojca Erdmann
25. Juni „Hey Klassik“ - delian:::quartett
25. Juni Sabine Weyer
29. Juni „Faust“ (Paul Kayser)
6. Juli OPL & Daniel Hope
8. Juli Jazz for Kids
8. Juli ONJL & Morgane Ji & Jan Hasenöhrl
9. Juli Quatuor Henri Pensis
12. Juli Carmen Souza Quartet & Nomfusi Sextet
13. Juli Nils Landgren Funk Unit
14. Juli Musique Militaire Grand-Ducale
Mit einem Bus-Shuttle kann man bequem von Luxemburg oder Trier aus zu verschiedenen Konzerten - und natürlich zurück - gelangen.
http://www.echternachfestival.lu