CANNESCLAUS REHNIG

Cannes-Bilanz mit Film Fund-Direktor Guy Daleiden

Mit der heutigen Verleihung der Goldenen Palme nähert sich das Filmfestival seinem Ende. „Journal“-Mitarbeiter Claus Rehnig traf Film Fund-Direktor Guy Daleiden an der französischen Mittelmeerküste, um mit ihm Bilanz zu ziehen.

Herr Daleiden, wie ist Cannes für Sie gelaufen?

Guy Daleiden Nach internationalen Erfolgen wie bei den Oscars, Césars, Magrittes und auch einer Nominierung hier, waren wir hier sehr zufrieden. Wir hatten die Ministerin hier, die hat ihre österreichischen und schweizerischen Kollegen getroffen, ein Gespräch mit der französischen Kulturministerin geführt und sie nach Luxemburg eingeladen, so dass diese Beziehungen auch auf der Ebene der neuen Regierung gut vorankommen.

Wir sind seit mehr als zehn Jahren hier in Cannes mit diesem großen Stand vertreten und wir hatten dieses Jahr so viele Luxemburger Filmschaffende am Stand wie nie zuvor. Das zeigt auch, dass die Filmwirtschaft in Luxemburg sich vergrößert. Man hat uns mitgeteilt, dass sich eine neue junge Gesellschaft gebildet hat, mit drei jungen Produzenten und Regisseuren. Wir hatten ein paar Filme im Marché du Film und im Short Film Corner, d.h. die sind sehr aktiv, funktionieren sehr gut. Ich sehe das an den einzelnen Terminen, die jeder hier hat.

Ich sehe neue Gesichter am Stand, sowohl Luxemburger wie Ausländer, die mit uns produzieren wollen. Das kommt auch davon, dass wir international jetzt Anerkennung gefunden haben, dass wir seriöse Partner sind. Das einzige Negative was man nicht verdrängen kann, ist die Tatsache, dass die seit zwanzig Jahren bestehende Produktionsfirma Delux, die viele große Filme gemacht hat, bankrott gegangen ist.

Das wird die Entwicklung der Filmindustrie nicht weiter stören, aber es ist trotzdem negativ. Es betrifft uns, weil viele, Techniker und Zulieferer nicht bezahlt worden sind und das ist nicht gut für das Image des Sektors. Ansonsten, die anderen Gesellschaften funktionieren gut und das ist dann wieder positiv.

Wie hat sich der luxemburgische Beitrag „Amour Fou“ bewährt?

Daleiden Ich weiß, dass er in einige Länder verkauft worden ist und sich das sehr schön andeutet, nur, der Film ist nicht für jedermann. Das ist ein schwieriger, intimistischer Film, den ich sehr mag. Es ist aber nicht einfach, so etwas international zu verkaufen. Wenn es trotzdem gelingt, ist das ein Beweis der Qualität, die von Jessica Hausner und den Produzenten und Technikern geleistet wurde.

Es gab diesmal nur einen Film?

Daleiden Wir machen zwölf Spielfilme im Jahr, die Franzosen machen 270. Aber für uns ist ein Film im „Certain Regard“ schon sensationell. Mehr brauchen wir nicht. Wir wollen auch nicht mehr. Das Ziel der Luxemburger Filmförderung ist nicht Preise zu gewinnen oder an Festivals vertreten zu sein. Wir wollen die Industrie entwickeln. Wenn die Filme dann Preise bekommen, ist das ein Erfolg an sich. Wir versuchen den Standort zu entwickeln, die Produzenten zu unterstützen und unsere Techniker und Filmschaffenden an den einzelnen Filmen zu beteiligen, wir unterstützen auch die Förderung.

Ein kleiner Ausblick?

Daleiden Wir werden, wie des öfteren, einen Produktionsaustausch machen, wir haben gute Kontakte zu den Kollegen. Ende September werden wir mit unseren Filmschaffenden zum Festival nach Utrecht gehen, um einen Austausch mit unseren Kollegen in Holland zu haben; diese waren vor zwei Jahren bei uns. Sie haben seit ein paar Tagen eine neue Förderung und wir wollen ein Produzenten-Treffen machen. Wir haben außerdem beschlossen, uns im Februar mit unseren Kollegen in Quebec zu treffen, die sehr interessiert sind, um mit uns zusammenzuarbeiten. Wir tun das im Rahmen der „Francophonie du Nord“ mit den Belgiern, Franzosen, Schweizern und natürlich Kanada. Wir hatten vor zwanzig Jahren ein Koproduktions-Abkommen unterschrieben und das soll jetzt aktualisiert werden.